Gesundheitstage: „Statistisch nicht zu viele OP“

Die Referenten des Abends Dr. Joachim Hagenah und Prof. Dr. Bertram Häussler mit Moderator Dr. Ernst Jakob (v.l.).

LÜDENSCHEID ▪ Die achte Auflage der Lüdenscheider Gesundheitstage in der Sportklinik Hellersen fand erstmals an zwei Tagen und zu zwei Themen statt. „Wird zu viel operiert?“ – zu dieser Fragestellung gab es am Freitag zwei Referate. Der Samstag stand im Zeichen der Therapie von Rückenschmerzen mit eng getakteten Fachvorträgen.

Die Veranstaltung am Freitag stieß auf gute Resonanz. Vor interessierter Zuhörerschaft legte Professor Bertram Häussler vom gesundheitsökonomischen IGES Institut Berlin ein Referat vor, das zu Hintergründen und Maßstäben der Operationspraxis Stellung bezog. Um es vorweg zu nehmen: Häussler vertrat die Ansicht, dass von zu vielen Operationen insgesamt nicht die Rede sein kann. Doch gebe es lokale Unterschiede. Am Beispiel der radikalen Entfernung der Prostata bei Krebs machte er deutlich, dass in Thüringen undifferenziert Radikaloperationen durchgeführt werden, während in NRW, Niedersachen oder Hamburg stark auf das Alter der Patienten geachtet und auf Operationen beim alten Menschen häufig verzichtet wird.

„Was ist zu viel?“, fragte Häussler. Und mit welchem Maßstab wird gemessen? Ist der Vergleich mit einer früheren OP-Praxis Maßstab? Oder die Frage, ob in Deutschland mehr als woanders operiert wird? Ist es die Frage nach gerechtfertigten Operationen, die hier ins Gewicht fallen muss? Eine erste Statistik gab es vom Fachmann zur Frage der medikamentösen Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck, sogenannte Hypertoniker. Statistiken zu Knie- oder Hüftoperationen legte er nicht vor, ebenso keine Gesamtübersicht zur Entwicklung der Operationen deutschlandweit.

Informationen hierzu brachte Dr. Joachim Hagenah, Chefarzt der Abteilung Endoprothetik an der Sportklinik. 209 000 Hüftprothesen, 30 000 Revisionsoperationen deutschlandweit. Die Sportklinik führte in sieben Jahren 5000 Protheseneingriffe durch bei 18 000 Patientenkontakten. „An diesen Zahlen sieht man, dass hier Wert darauf gelegt wird, Patienten umfassend zu beraten und Nutzen oder Risiko genau abzuwägen“, so Hagenah. Die Sprechstunde sei mit Spezialisten besetzt, im Zweifel werden Kollegen hinzugezogen. Immer stehen dabei auch Fragen nach der Lebensqualität des Patienten sowie nach dem richtigen OP-Zeitpunkt im Fokus: „Es gibt ein zu früh und ein zu spät“, so Hagenah. Ist der Verschleiß zu groß, verkompliziert sich ein Eingriff und bringt möglicherweise nicht mehr das gewünschte Ergebnis.Anders als in der Allgemeinchirurgie, wo oftmals bei akuten Erkrankungen sofort operiert werden müsse, ist in seinem Fachbereich eine sorgfältige Abwägung von Nutzen, Risiko sowie Zeitpunkt der Operation durch die Behandler notwendig.

Moderator Dr. Ernst Jakob fasste es nach weiteren Fragen der Zuhörerer abschließend so zusammen: „Zumindest in unserer Region wird statistisch gesehen nicht zu viel operiert“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare