Gestaltungssatzung: Nur leichte Diskrepanzen

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Das Ergebnis: ein Kompromiss. Optiker Michael Reith vor der neu gestalteten Fassade an der oberen Wilhelmstraße. Über den – laut Satzung etwas zu großen – Buchstaben werden noch Beleuchtungskörper angebracht. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Zurückhaltende Werbung, dezente und stilvolle Gestaltung: Die Reaktionen der Hausbesitzer oder Ladenbetreiber auf die Bestimmungen der Gestaltungssatzung (wir berichteten) sind nach Einschätzung aus dem Rathaus „größtenteils sehr positiv“. Eine Rückfrage bei einem Gewerbetreibenden, der kürzlich seine eigenen Erfahrungen mit der Umsetzung des Regelwerkes gemacht hat, ergibt: Die „reine Lehre“ ist teuer und nicht immer praktikabel, stattdessen dominiert die Arbeit an Kompromissen.

Optiker Michael Reith von der Wilhelmstraße, alteingesessener Dienstleister in der Oberstadt, ist mit seinem Standort zwar längst nicht mehr zufrieden. „Wir fühlen uns hier oben von der Stadt alleingelassen.“ Aber er bleibt der Adresse und seinen Stammkunden treu – und ist dankbar, dass der Hausbesitzer, also Reiths Vermieter, in den Werterhalt des Gebäudes investiert. „Die Fassade war teilweise schadhaft – es musste sowieso etwas passieren.“

Der Bauhandwerker, der Hauseigentümer und Michael Reith entwarfen Pläne für die künftige Gestaltung, die sich mit den Vorstellungen aus der Gestaltungssatzung überschnitten, wie Reith sagt. „Ich hatte ja schon über die Satzung gelesen.“

Doch die Entwürfe, die Planerin Dagmar Däumer beispielsweise in einer Handskizze sichtbar gemacht und in der vergangenen Woche auch dem Planungsausschuss vorgestellt hat, sahen eine komplette Änderung der Fensterfront des Geschäftes vor. Optisch ansprechend zwar, architektonisch an dem historischen Vorbild orientiert – aber zu aufwändig. Michael Reith: „Ich habe zu Frau Däumer gesagt, geben Sie mir 150 000 Euro, und ich mache es so.“ Das Scherengitter in der Wand, das abends vor den Schaufenstern heruntergelassen wird, erlaubt nur die kleine Lösung.

Es blieb bei der Entfernung der schwarz glänzenden Glasfassade mit Aluminium-Elementen, bei einem neuen Anstrich und der Befestigung der alten Buchstaben direkt auf dem Außenputz. Das Aufkleben von Profilen links und rechts neben den Schaufenstern unterblieb ebenfalls aus Kostengründen, die Stege sind nun gepinselt. Und statt neuer Buchstaben über dem Eingang mussten es die alten noch tun. Die sind zwar bis zu zehn Zentimetern höher als in der Gestaltungssatzung zugelassen, dafür aber sollen sie noch effektvoll beleuchtet werden. Michael Reith: „Bei den Gesprächen mit der Stadt gab es nur leichte Diskrepanzen. Die haben wir ausgeräumt. ▪ omo

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