Geständnisse am Landgericht: „Das Blödeste, was ich je gemacht habe“

Lüdenscheid - Der Prozess beginnt für die drei Angeklagten mit einem Hoffnungsschimmer. Die 18, 19 und 23 Jahre jungen Männer sind wohl in der Erwartung in den Gerichtssaal gekommen, die volle Härte des Gesetzes abzubekommen. Sie wirken verschüchtert und nervös. Aber eine „Erörterung des Verfahrensstandes“ zwischen den Prozessbeteiligten läuft im Sinne der Verteidiger Frank Peter Rüggeberg, Torsten Sonneborn und Dirk Löber.

Nach dem Gespräch im Beratungszimmer der 1. großen Jugendkammer signalisiert der Vorsitzende Richter Marcus Teich Bereitschaft zur Milde. Im Falle umfassender Geständnisse sollen die beiden Älteren zu maximal zwei Jahren mit Bewährung und ihr Komplize zu höchstens zwei Freizeitarresten und Sozialstunden verurteilt werden. Das Verfahren im Hinblick auf drei der sechs Anklagepunkte wird eingestellt. Der Prozess dürfte sich erheblich verkürzen.

Denn übrig bleiben für den Hauptangeklagten die Vorwürfe des unerlaubten Waffenbesitzes, des bewaffneten Überfalls auf zwei Drogendealer und einer wüsten Keilerei. Bei dem Überfall sollen die beiden Mitangeklagten mitgemacht haben. Der heute 18-Jährige hatte allem Anschein nach die Idee, der ein Jahr ältere Freund die Waffe und den Willen, die Dealer auszunehmen. Der Dritte sagt: „Das ist das mit Abstand Blödeste, was ich je gemacht habe.“

23. Oktober 2014: Der Jüngste des Trios lockt die zwei Männer per Telefon an die Laderampe eines Supermarktes an der Altenaer Straße. Die Opfer denken offenbar an ein lukratives Geschäft – bis sie in den Lauf einer Gaspistole blicken. „Die hatte ich im Internet bestellt, da stand nix von Waffenbesitzkarte oder so.“ Der 23-Jährige hält außerdem einen schweren Radmutterschlüssel bereit.

Der Jüngste des Trios aber kriegt kalte Füße und verschwindet in der Dunkelheit. Die Aussagen der Angeklagten stimmen weitgehend überein, die Kammer nimmt sie als Geständnisse entgegen. Die Beute betrug 50 Euro.

Auch die Schlägerei räumen die Männer ein. Einer von ihnen sei wegen seiner eigentümlichen Hose gehänselt worden, sein Kumpel – er gilt als Intensivtäter – sprang ihm bei. Es ging mit Fäusten, einem Staubsaugerrohr und einer Gartenschaufel zur Sache. Der 19-Jährige stimmt dem Richter zu. „Ein Anti-Aggressionstraining wäre gar nicht verkehrt für mich.“

Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr im Saal 101 mit der Vernehmung erster Zeugen fortgesetzt.

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