Aufruhr in der Speditionsbranche

A45 gesperrt, Umweg über Lüdenscheid: Stadt wehrt sich gegen Schwertransporte

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Ein nächtlicher Schwertransport in Lüdenscheid: Die Stadt hatte zuletzt mehrfach Anträge abgelehnt, weil Spediteure nicht dargelegt hatten, warum die Transporte nicht auf dem Wasser oder der Schiene durchgeführt werden können.

Lüdenscheid – Nadelöhr Lüdenscheid: Die Stadt Lüdenscheid wehrt sich gegen die steigende Zahl von überregionalen Schwertransporten, die seit der Sperrung maroder Brücken auf der A45 einen Umweg durchs Stadtgebiet nehmen.

Die Stadtverwaltung habe zuletzt mehrfach Anträge von Speditionsunternehmen abgelehnt – und damit für Aufruhr in der Branche gesorgt, heißt es in einem Bericht der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ). Die Begründung der Stadt: Die Spediteure hatten alternative Verkehrsmittel nicht geprüft – zum Beispiel mit dem Binnenschiff oder mit der Bahn. 

A45-Brücken nicht mehr befahrbar

Viele Schwertransporte werden derzeit über Lüdenscheid umgeleitet, da Lkw mit mehr als 44 Tonnen Gesamtgewicht mehrere Brücken auf der A45 nicht mehr befahren dürfen, schreibt die DVZ. Das hat verheerende Folgen für die städtischen Straßen, wie Christian Miß, zuständiger Sachbearbeiter der Stadt, bei einem Experten-Forum des ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC) in Bonn deutlich machte. 

Straßenschäden durch Schwertransporte

Schwertranporte verursachen größere Schäden als Pkw. „Wir haben eine Reihe von Anträgen für Großraum- und Schwertransporte abgelehnt, da die Bescheinigung über die Prüfung von Alternativen zur Straße fehlte oder die Begründungen für einen Transport auf der Straße allzu abenteuerlich waren“, wird Christian Miß von der Fachzeitung zitiert. 

Alternativen auf Wasser und Schiene nicht geprüft

Eine solche „Negativbescheinigung“ sei erforderlich, wenn die Transporte über eine Strecke von mehr als 250 Kilometer verlaufen. Dann müssen Spediteure begründen, warum sie die Straße und nicht das Binnenschiff oder die Eisenbahn nutzen, also „gebrochene Verkehre“ wählen. 

Andere Behörden genehmigen die Transporte

Die Schwertransporte konnte die Stadt aber nicht verhindern. Denn die am Ende zuständigen Genehmigungsbehörden sind der Märkische Kreis und die Bezirksregierung Arnsberg. Die hatten die Transporte schließlich doch genehmigt. „Es ist ein unerträglicher Zustand, dass Gesetze keine Anwendung finden“, sagte Miß laut DVZ. 

Kreis an 3.932 Genehmigungsverfahren beteiligt

Nach Angaben von Kreissprecherin Ursula Erkens war der Märkische Kreis 2018 an 3.932 Genehmigungsverfahren beteiligt. Aus dieser Zahl könne allerdings nicht die Zahl der tatsächlich durchgeführten Fahrten abgeleitet werden, denn häufig würden vorab Genehmigungen für mehrere Strecken eingeholt. 2016 waren es noch rund 1.000 Verfahren weniger (2.912). Bis Ende Oktober 2019 war der Kreis schon wieder in 3 291 Verfahren involviert.

Spediteuren gehen auf der Straße die Alternativen aus

Durch die Folgen des Sanierungsstaus auf Autobahnen können die Spediteure auch andere Strecken in Deutschland nicht mehr befahren. Ihnen gehen die Alternativen aus – zumindest auf der Straße. 

Miß forderte aufgrund der aktuellen Situation „politische Vorgaben“. Laut DVZ will das Bundesverkehrsministerium nun die „Schlupflöcher“ stopfen und das Anhörungsverfahren verschärfen.

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