Geschwärzte Gesichter: Kita-Träger achten „peinlichst“ auf Datenschutz

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Lüdenscheid - Die geschwärzten Kindergesichter in einem Fotoalbum, das eine Dormagener Kindertagesstätte (Kita) kürzlich an Eltern als Erinnerungsstück rausgegeben hatte, sorgte vielerorts für Diskussionen. Auch in Lüdenscheid ist das Thema aktuell.

Grund war die Sorge des Kita-Trägers, gegen die strengen Regeln der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu verstoßen. Auch in den Lüdenscheider Kitas ist das Thema nach wie vor hochaktuell: „Geschwärzte Gesichter wird es bei uns aber nicht geben“, betonte Ursula Speckenbach als Fachdienstleiterin Jugendamt-Kindertageseinrichtungen der Stadt Lüdenscheid. 

„Wir sind nach wie vor dabei, uns gründlich die DSGVO anzugucken, sehen uns in der Hinsicht aber gut aufgestellt.“ Viel geändert habe sich für die städtischen Kitas nicht, denn „wir haben uns schon immer Einverständniserklärungen der Eltern eingeholt und beachten diese“. 

"Auf Symbolbilder zurückgreifen"

Größere Sorge bereiteten den Trägern hingegen die Fotos der Eltern, die etwa über das Handy gemacht werden, sagt Speckenbach. „Denn die dürfen nicht einfach ins Netz gestellt werden, wenn auch andere darauf zu sehen sind. Wir selbst stellen auch keine Kinderfotos online.“ 

Sobald es um das Thema Internet geht, zeigen sich auch andere Träger vorsichtig: „Man sollte eher auf Symbolbilder zurückgreifen und sich gegebenenfalls für jedes Bild die Einwilligung einholen; die kann von den Eltern natürlich auch wieder zurückgenommen werden“, sagt Karl-Heinz Struve vom Öffentlichkeitsreferat des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg. 

„Es geht um das Recht am eigenen Bild“ 

„Aus meiner Sicht ist das generell aber kein Problem des Datenschutzes, sondern es geht um das Recht am eigenen Bild.“ Im Print, also etwa für ein Fotoalbum, gebe es seiner Ansicht nach kein Problem, solange die Einwilligung der Eltern vorhanden sei. Denn als Erziehungsberechtigte treffen sie die Entscheidung für ihre Kinder. Über die Aktion mit den geschwärzten Gesichtern habe er sich deshalb auch gewundert. 

Sehr genau nimmt es der Zweckverband Katholische Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen, wie Birgit Hölker-Schüttler von der Stabsstelle Kommunikation mitteilt. Die Kitas holen sich von Anfang an die Einverständniserklärungen der Eltern ein. 

Die entscheiden dann nicht nur ob, sondern auch in welchen Fällen ihre Kinder fotografiert oder gefilmt werden dürfen: etwa für Abschlussfotos und Kita-Feste oder für den eigenen Facebook-Auftritt und die Homepage der entsprechenden Kita. 

„Diese Genehmigung schließt auch eine Widerrufsklausel ein, mit der gegebene Einwilligungen widerrufen werden können. Zusätzlich holen wir noch mal vor jedem Termin oder Fotoanlass speziell dafür einmal eine Einwilligung ein“, sagt Hölker-Schüttler. 

"Achten peinlichst darauf"

Letztlich sei es die Pflicht der Träger, die Mitarbeiter der Kitas entsprechend vorzubereiten und Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen, betont Johannes Anft, stellvertretender Geschäftsführer und Betriebsleiter der Arbeiterwohlfahrt Hagen-Märkischer Kreis. „Wir sind in der Pflicht, die Mitarbeiter zu schützen und gut abzusichern. Das war schon immer Thema und ist es noch.“ 

Die Eltern seien informiert, dass sie keine eigenen Fotos machen und veröffentlichen dürften, „und wir achten natürlich peinlichst darauf“. Es ändere sich nichts, „so ist das seit eh und je“.

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