„Geschlagen, getreten, geboxt“: 1800 Euro Geldbuße

Lüdenscheid - Wenn ein Vater erfährt, dass sein Sohn „wie tot“, vor allem aber stockbesoffen auf dem Boden einer fremden Wohnung liegt, wird er in den allermeisten Fällen reagieren. Wenn der Vater allerdings selber erheblich dem Alkohol zugesprochen hat, kann eine ganze Menge schief gehen, wie ein Verfahren im Amtsgericht Lüdenscheid zeigte.

Die Ereignisse, die der Anklage zugrundelagen, hatten sich an einem Tag Ende Dezember 2010 zugetragen. Damals trafen sich junge Lüdenscheider regelmäßig in einer Wohnung an der Bahnhofstraße, sprachen dem Alkohol und ausgewählten Drogen zu und spielten Karten, solange die geistigen Kräfte reichten. Unbestrittener Herrscher dieser Szene war ein gewisser Sergej F., der schließlich wegen exzessiver Gewaltanwendung gegen verschiedene Personen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Derzeit befindet er sich in einer längeren Drogenentzugstherapie.

Für das jetzige Verfahren gegen den 45-jährigen Angeklagten wurde der 29-Jährige in Handschellen vorgeführt und gab an, dass hauptsächlich er das Opfer, einen damals 19-jährigen Meinerzhagener, an jenem Abend Ende Dezember 2010 mit Schlägen und Tritten misshandelt hatte. Doch er wusste auch noch, dass der Angeklagte des aktuellen Verfahrens ebenfalls an den Schlägen beteiligt gewesen war.

Opfer weiß keine Antwort auf die Fragen

Warum schlug der besorgte Vater um sich? Und warum schlug er jemanden, der mit dem Aufenthalt seines Sohnes in der fremden Wohnung gar nichts zu tun hatte? Das Opfer wusste keine Antwort auf die Fragen.

Der heute 24-Jährige, der damals ebenfalls erheblich alkoholisiert gewesen war, erinnerte sich noch recht gut an die Schläge des Angeklagten: Er und ein weiterer Begleiter hätten ihn „geschlagen, getreten und geboxt“, bestätigte der 24-Jährige die Anklage. „Ich bin aus dem Fenster gesprungen.“ Doch die Schläger holten ihn ein und verprügelten ihn erneut, bevor das Opfer flüchten konnte.

Bald darauf traf er die Gruppe allerdings an der Sparkasse am Sauerfeld wieder. Der Angeklagte sollte ihm dort gedroht und ihm unter Anwendung von Gewalt die EC-Karte abgenommen haben. Dies konnte allerdings kein weiterer Zeuge bestätigen. Und auch das Schöffengericht sah das einsame Zeugnis des alkoholisierten Opfers letztlich als nicht ausreichend an. Im Verfahren wegen räuberischer Erpressung wurde der Angeklagte deshalb freigesprochen.

1800 Euro Geldbuße für Schläge und Tritte

Übrig blieben allerdings die Schläge und Tritte gegen das Opfer, die mehrfach bestätigt wurden. Das Gericht sah allerdings keinen Anlass, diese als gefährliche Körperverletzung zu werten. Das Verfahren gegen den nicht vorbestraften Angeklagten wurde deshalb vorläufig eingestellt. Damit sich die Aktendeckel über der „einfachen“ Körperverletzung endgültig schließen, muss er allerdings eine Geldbuße von 1800 Euro zahlen.

Gute Nachrichten über den Hauptmieter und „Gastgeber“ des damaligen Treffs an der Bahnhofsstraße gab es am Rande des Verfahrens: Er habe den Drogenentzug erfolgreich absolviert, eine Therapie gemacht und sei mittlerweile „clean“, berichtete der 27-Jährige. Um seinem ehemaligen Lüdenscheider Umfeld nicht mehr zu begegnen, sei er nach Hamm umgezogen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare