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Weihnachten und Klimaschutz: Geschenke einpacken - ohne Geschenkpapier

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Weihnachtsgeschenke müssen nicht immer aufwendig in Geschenkpapier eingepackt sein.

Lüdenscheid - Erst wird stundenlang verpackt, und innerhalb kurzer Zeit liegt unterm Weihnachtsbaum nur mehr ein Haufen zerrissenes Geschenkpapier samt Bändern. Nichts bleibt von der liebevollen Verpackung - außer Müll. Doch es geht auch anders. 

Der Nikolaus hatte noch nie Probleme, die richtige Verpackung für Apfel, Nuss und Mandelkern zu finden: Er nimmt, was er vor der Tür vorfindet, vorzugsweise geputzte Winterstiefel. Die ideale Verpackung für kleine Geschenke. Die Idee könnte Furore machen, zumal das Trendthema des ausklingenden Jahres das Vermeiden von Verpackungsmüll war.

Wie spart man also an Verpackung und Bändern, aber nicht an der knisternden Spannung, die zum Auspacken nun mal gehört? Es gibt viele Ideen, dem Alltäglichen Glamour zu verleihen. Das zeigt unsere Umfrage. 

Textile Verpackungen gibt’s in jedem Haushalt. Sie sind wahre Alleskönner, gerade für empfindliche oder sperrige Objekte: Socken mit lustigen Motiven standen schon als dekorative Hüllen für Craftbeer-Flaschen unterm Baum; aus T-Shirts mit Comic- oder Glitzermotiv näht man Stoffbeutel mit Wiedererkennungseffekt für den längst herausgewachsenen Träger; eine festliche Tischdecke verhüllt den sperrigen Lego-Karton.

Manchmal kann die Verpackung selbst auch schon ein Geschenk sein. Im Weltladen gibt es Körbe aus Palmblättern oder Blechdosen. Filzgirlanden fürs Fenster oder Seidenschals ersetzen Schleifen.

Die Lüdenscheiderin Gaby Hübner, die an der Herscheider Landstraße ihr Geschäft „Das Bastelzubehör“ betreibt, setzt auf Papier, verwertet es aber wieder: Packpapier, das ihre Lieferanten als Schutz in die Leerräume der Kartons knüllen, zum Beispiel, oder Zeitungspapier. Daraus lassen sich stabile Tüten falten.

„Das ist eine total einfache Variante, aus der Tageszeitung eine schöne Geschenkverpackung zu machen.“ Die Wahl der Frontseite kann sich an den Vorlieben des Beschenkten orientieren – Sport, Kultur, Lebensart. „Zeitungen, Kataloge, Magazine – irgendetwas hat man immer im Haus“, sagt Gaby Hübner und sieht die Tüten-Idee als ideale Spontanverpackung mit persönlicher Note. „Auf Präzision achten“, rät sie den Faltkünstlern, denen sie gerne das Faltmuster zeigt.

Wem die Tüte zu schmucklos ist, der peppt sie mit einem Tannenzweig oder einem aus einem Papierdreieck schnell gefalteten Weihnachtsbaum auf. Durch Locher-Löcher zieht man Wolle, Band oder Draht. Verschließen. Fertig.

Wer nicht selbst kreativ werden möchte, könnte kreativ denken, und eine Geschenk-Verpackung wählen. Im Weltladen gibt es Boxen, die aus Maisdosenblech gefertigt oder aus Palmblättern geflochten werden. Darin findet das eigentliche Geschenk Platz. Schleifenersatz wird eine Fensterkette aus gefilzten Schneeflocken oder Blüten. Doppelt und dreifach nachhaltig: Fehldrucke oder Reststücke aus der Zementsack-Produktion werden in Dhaka zu Taschen genäht, die man als weiterverwertbare Verpackung etwa für Bücher nutzen könnte. Eine Flasche in Wellpappenhülle trägt eine Seidenschalschleife der Leprahilfe.

Und wer Gutscheine verschenkt, für den hat Maria Neumann vom Weltladen-Vorstand noch einen Tipp: „Es ist viel zu schade, hochwertige Kalender am Ende des Jahres wegzuwerfen“, findet sie – und faltet aus einer März-Landschaft oder aus Venedig im November dekorative Umschläge. 

Wiederverwertung und Verpackungsersparnis ist für Lüdenscheids Kaffeeröster Sebastian Benkhofer Alltagsgeschäft: Er bekommt seinen Rohkaffee aus aller Welt in großen, mitunter dekorativ bedruckten Kaffeesäcken. Die fassen, je nach Herkunftsland, 60, 69 oder 70 Kilo. 

"Das internationale Berechnungsmaß für einen Sack Kaffee bezieht sich aber auf 60 Kilo“, weiß der Kaffeekenner. Beim Rösten gewinnt der Rohkaffee an Volumen, verliert aber Gewicht. Kaffeesäcke aus Jute oder Sisal sind also sehr stabil, bestens geeignet für Sperriges und lebensmittelecht. Benkhofer verkauft sie ab vier Euro pro Stück – als Laubsäcke, als Frostschutz für sensible Pflanzen, als Stoff für Nähprojekte.

Die größte Nachfrage verzeichnet er zum Jahresende, wenn ein Großkunde anklopft: der Nikolaus. „Auf dem Weihnachtsmarkt in Hagen-Hohenlimburg habe ich früher jedes Jahr vor Nikolaus 40, 50 Säcke verkauft.“ Also nicht wundern, wenn aus dem gefüllten Stiefel die eine oder andere grüne Rohkaffeebohne kullert. Da war wohl ein Nikolaus-Helfer heimischer Provenienz am Werk. 

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