Geschäftsleute in der Oberstadt „immer mehr abgehängt“

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Optikermeister Michael Reith sieht dringenden Handlungsbedarf, will aber in der Oberstadt bleiben.

LÜDENSCHEID - Es ist ein einsamer Kampf geworden da oben. Die Wilhelmstraße etwa ab Erlöserkirche aufwärts ist „immer mehr abgehängt“, sagt Optiker Michael Reith. Der 44-jährige Handwerksmeister verfolgt die Entwicklung in der Oberstadt jetzt seit 20 Jahren.

„Hier oben kannst du nur mit guter Qualität überleben.“ Es werden immer weniger, „aber die, die geblieben sind, machen das Beste daraus“.

1992 zog Michaels Vater, Optikermeister Werner Reith, mit seinem Geschäft aus der 1a-Lage – heute das Goldschmiedehaus – in die Nummer 49 um. Warum auch nicht? „Oben in der Stadt“, das war noch eine gute Adresse damals. Bertelsmann florierte, Imbiss, Kino oder Metzgerei spürten noch nicht viel von der Sogwirkung des neuen Stern-Centers. Doch die Frage, ob es ihm heute am alten Standort besser gehen würde, beantwortet der Junior ohne Zögern: „Ja!“

Er hat wirtschaftlich überlebt, weil viele Stammkunden mitgezogen sind in die Oberstadt. Und er macht weiter, weil er weiß, dass Menschen, die Brillen brauchen, in zwei Kategorien eingeteilt sind: diejenigen, die die Filialisten bevorzugen – Reith nennt sie „die Discount-Affinen“ – und die anderen, die Hochwertiges möchten und trotzdem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis schätzen. Da sieht sich Michael Reith in einer Reihe mit seinen Oberstadt-Nachbarn wie Rosiepen, Riepegerste, Kettling, Gabler oder Weßling.

Trotzdem scheint sich das Quartier insgesamt nicht zu erholen. Nach Bertelsmann – hier gibt’s seit Anfang 2011 einen Leerstand – hat auch des Schuhhaus Andando nach einem ambitionierten Auftakt aufgegeben, die Oberstadt verlassen und sich nun am „kleinen Sternplatz“ niedergelassen. Blumen Risse ist zur unteren Wilhelm-/Ecke Jockuschstraße umgezogen. Das brachliegende Ladenlokal wird neuer Standort für einen Bäcker. Die Imbissbude gegenüber von Reith ist leer – neuer Mieter: Fehlanzeige.

Jammern und fliehen, das will der Optikermeister nicht. Er bleibt, sagt er. Und hält tapfer an der Familientradition fest: „Uropa, Opa, Onkel, Mutter, Vater – alles Optiker.“ Aber es muss auch Spaß machen, also muss sich was tun in der Oberstadt, sagt Michael Reith.

Zusammen mit Friseur Jan Riepegerste habe er schon bei Verantwortlichen im Rathaus vorgesprochen. Es ging unter anderem um das strittige Thema „Alkoholverbot auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen“. Im Rosengarten, auf Stern- oder Rathausplatz gelte es, aber es müsse auf die ganze Fußgängerzone ausgeweitet werden, fordern die Geschäftsleute oben in der Stadt.

Und mehr Gastronomie müsse her. „Warum nicht ein McDonald’s, ein Burger King oder ein Subway auf der ehemaligen Bertelsmann-Fläche? Das wäre doch klasse!“ Aber, das weiß der Handwerksmeister auch, ohne Hausbesitzer geht in dieser Hinsicht gar nichts. „Hier muss noch vieles viel besser koordiniert werden!“ - omo

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