Die Angst vor Kampfradlern - Geschäftsleute empört

+
Unfallaufnahme am Dienstag. Geschäftsleute und Kunden klagen über rücksichtslose Radler auf der Wilhelmstraße.

Lüdenscheid - Der Unfall am Dienstag um 19 Uhr auf der Wilhelmstraße, bei dem eine 94-jährige Passantin schwer verletzt wurde, war womöglich kein Zufall.

Lesen Sie auch:

Radfahrer verletzt 94-Jährige schwer

Geschäftsleute und Kunden in diesem Bereich der Straße beklagen Fahrradfahrer aller Altersgruppen, die insbesondere am späten Nachmittag und Abend durch die enge Fußgängerzone rasen. Hinzu kommt ein harter Kern von Jugendlichen, die mit Dirt- und Mountainbikes die Straße zum Parcours machen. „Die fahren Slalom durch die Fußgänger“ hat Eckhard Linden vom Tee-Fachgeschäft gegenüber der Einmündung Jockuschstraße beobachtet. Linden, selbst Radfahrer, schätzt die Geschwindigkeit auf etwa 60 Stundenkilometer, wenn die „Spitzenfahrer“ der Truppe vom Rosengarten aus auf die Wilhelmstraße schießen, um dort mit stehendem Hinterrad Richtung Rathausplatz abzudrehen.

Seine Beobachtung deckt sich mit der von Nihad Kumalic, Besitzer des Eis-Cafés Cortina, vor dem sich der Vorfall am Dienstag ereignete. Auffällig sei insbesondere ein mit Sturmhaube, mattschwarzem Integralhelm und Protektoren ausgestatteter Mountainbiker, der die Fußgänger in Schrecken versetze.

Ob der 13-jährige Unfallverursacher vom Dienstag zu dieser Gruppe gehört, ist nicht bekannt. Kumalic wie auch Gäste hatte den Jugendlichen zuvor mehrfach die Wilhelmstraße hinauf- und herunter rasen sehen zusammen mit zwei Freunden. Bei der Unfallaufnahme habe er angegeben, allein unterwegs gewesen zu sein.

„Vor Schmerzen geschrien“

Nachfragen vom Mittwoch und Donnerstag zufolge muss das Geschehen geradezu dramatisch gewesen sein. Die 94-Jährige hatte ihre Tochter an ihrer Arbeitsstelle im benachbarten Geschäft für Damenmoden, „Ginalaura“, besucht und sich verabschiedet. Wenige Schritte vor der Tür erfasste sie der Radfahrer. Sie habe „vor Schmerzen geschrien“ als sie auf dem nassen Pflaster unter umgestürzten Tischen gelegen habe, beschreibt Kumalic das Szenario. Der 13-Jährige, damit noch strafunmündig, habe recht unberührt mit dem Handy telefoniert, während er selbst und die Tochter der Frau erste Hilfe geleistet hätten. Die 94-Jährige erlitt Verletzungen am Kopf und im Brustbereich und musste stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, wo eine Platzwunde am Kopf und Rippenbrüche festgestellt wurden.

Der Unfallfahrer selbst scheint in bester Gesellschaft. Es seien keineswegs nur Jugendliche, die die Einkaufsstraße zur Zweirad-Autobahn machten. Mit teilweise erkennbar teuren Rädern werde die Fußgängerzone auch von Erwachsenen als Abkürzung genutzt, beobachtet Kumalic.

„Was willst du denn?

Die Radler seien in der Regel zu schnell, um sie überhaupt ansprechen zu können. Gelinge das doch, kämen Antworten wie: „Was willst du denn?“ Problematisch wird es für die Geschäftsleute, wenn Kunden das Ladenlokal verlassen oder insbesondere bei Kindern, die auch ‘mal spontan auf die Straße liefen. Weder Radfahrer noch die potenziellen Opfer hätten Zeit, angemessen zu reagieren.

Ein rechtliches Nachspiel ist nicht völlig ausgeschlossen, heißt es auf Anfrage bei der Kreispolizeibehörde. Der Fall sei an die Staatsanwaltschaft abgegeben, die nun entscheide, ob eine richterliche Vernehmung oder eine anhörung durch die Polizei angebracht ist.

Wer Angaben zum Unfall beziehungsweise zum Geschehen davor machen kann, wird gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen unter Tel. 90990 oder 90997102

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare