Klinikdirektor in Hellersen ausgeschieden

Gerfried Giebel: „Geschäftsführer muss weg!“

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Prof. Dr. Gerfried Giebel fordert, dass Privatdozent Dr. Bernhard Schwilk als Leiter der Märkische Kliniken GmbH seinen Platz räumen muss.

LÜDENSCHEID - Wenn die Bürger des Märkischen Kreises nach wie vor stolz sein wollen auf ihr Klinikum in Lüdenscheid, dann muss dringend etwas passieren. Das sagt Prof. Dr. Gerfried Giebel, seit dem 1. Januar pensionierter Klinikdirektor und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie in Hellersen.

Von Willy Finke

Prof. Giebel macht sich große Sorgen um das Krankenhaus. Im Gespräch mit der LN bringt er zum Ausdruck, dass in Hellersen längst nicht mehr alles so läuft, wie es laufen sollte.

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Die Verantwortung für die Missstände im hoch defizitären Klinikum trägt nach Meinung Giebels in erster Linie Privatdozent Dr. Bernhard Schwilk, Geschäftsführer der Märkische Kliniken GmbH. Dem gelernten Anästhesisten attestiert er, gut laufende Prozesse mit falschen Ideen zu behindern, wodurch er die Mitarbeiter nachhaltig frustriere – „vom Chefarzt bis zur Putzfrau“. Die Motivation bei vielen Mitarbeitern in Hellersen sei „völlig herunter“.

Prof. Giebel führt aus: „Dr. Schwilk holt, seitdem er in Hellersen ist, immer wieder teuere Consulting-Firmen wie die Unternehmensberatung Roland Berger ins Haus, ohne aus deren Gutachten wirklich die richtigen Konsequenzen zu ziehen.“

„Aufgeblähte Verwaltung“

Der Geschäftsführer blähe seinen Verwaltungsapparat unaufhaltsam auf – und das zu Lasten des medizinischen Personals. Giebel: „Herr Schwilk hat offenbar nicht verstanden, dass eine Verwaltung in jedem Betrieb dem ‘produzierenden Personal’ zuarbeiten muss, dass sie ausschließlich dafür da ist, für reibungslose Betriebsabläufe zu sorgen – und dass Verwaltung niemals Selbstzweck ist.“

Das Problem in Hellersen besteht, so sagt der arrivierte Chirurg Giebel, unter anderem auch darin, dass die Geschäftsführung die Vorschläge der erfahrenen Mitarbeiter vor Ort meist nicht berücksichtige. Resultat seien mangelndes Verständnis für die Arbeitsprozesse in dem Krankenhaus sowie wirklichkeitsfremde Anordnungen, welche zu teilweise erheblichen Störungen in der Patientenversorgung führten: „Diese Störungen belasten nicht nur die Patienten, sondern in hohem Maße auch die Mitarbeiter.“ Hierfür gebe es „leider sehr viele Beispiele“.

Fatal für die Patienten sei es, dass der Klinik-Geschäftsführer den Chefärzten einen großen Teil ihrer Zuständigkeiten weggenommen und teilweise auf neu geschaffene Sub-Manager übertragen habe, „die fern der Kliniken die lokalen Verhältnisse nicht kennen, zusätzliches Geld kosten und die Effektivität der Abläufe verringern“.

„Schwestern falsch eingesetzt“

Er habe beispielsweise die OP-Schwestern, welche die rechte Hand der Operateure seien, dem Anästhesie-Chefarzt unterstellt. Dieses führe dazu, dass die Schwestern teilweise falsch eingesetzt oder aber auch durch Pflegepersonal ersetzt würden, das sich im OP überhaupt nicht auskenne.

Prof. Giebel: „Ich werfe das ja gar nicht den fachfremden Krankenschwestern vor, aber ein Operateur hat während seiner Operation nun mal keine Zeit, einer Krankenschwester – die beispielsweise von der Intensivstation kommt – zu erklären, welches Instrument er braucht und wie dieses aussieht.“

Die Konsequenz: Laut Prof. Giebel verlassen derzeit nicht wenige OP-Schwestern, unter anderem seine leitende OP- Schwester, aber auch seine Zweit- und Drittschwester, sowie Fachärzte das Klinikum, weil sie mit den Arbeitsbedingungen dort nicht mehr zurechtkommen.

„Vermehrung von Managern“

Ein weiterer Punkt, der Giebel und seinen Arztkollegen das Leben schwer macht: „Eine von der Verwaltung betriebene wundersame Vermehrung von Managern.“ So seien die Sekretärinnen der Chefärzte nicht mehr ihnen selbst, sondern einer Sekretariats-Managerin unterstellt, „die Geld kostet und uns in der Arbeit behindert“. Von dieser Managerin bekämen die Sekretärinnen Aufgaben und Einsatzorte zugeteilt. Sie würden im Haus hin und her geschoben. Prof. Giebel: „Wir müssen uns doch auf unsere Sekretärinnen blind verlassen können. Es wurde sogar versucht, den Chefsekretärinnen den direkten Patienten-Kontakt zu untersagen. Wen aber, wenn nicht die Sekretärin, soll ein Patient anrufen, wenn er einen Termin bei mir haben möchte?“

Auch die Arzthelferinnen seien nicht mehr den Ärzten, sondern einer entsprechenden Managerin zugeordnet. Giebel: „Und ich dachte immer, Arzthelferinnen sollen den Ärzten helfen! Dieses wird natürlich erschwert, wenn die Ärzte im Zusammenhang mit dem Einsatz ihrer Arzthelferin immer wieder Rücksprache mit der Managerin halten müssen.“

Zudem sollen, so ergänzt der Chirurg, laut Verwaltungsanweisung die Ärzte nun selbst die Patienten-Entlassungsbriefe schreiben. Prof. Giebel: „Hier sind die Arztkollegen sich mit den Sekretärinnen einig: Ihre primäre Aufgabe liegt in der persönlichen Betreuung der Patienten und der Wiederherstellung ihrer Gesundheit.“

Ein weiteres, erhebliches Problem liege darin, dass die Zusammenarbeit zwischen der Leitung der Narkose-Abteilung und den Chirurgen deutlich gestört sei. Ein Beschwerdebrief aller operativ tätigen Klinikdirektoren und ein weiterer Brief aller leitenden Operationschwestern habe beim Geschäftsführer keine Wirkung gezeigt und vielmehr eine „erhebliche Abwehrhaltung“ hervorgerufen. Passiert sei darauf hin nichts.

„Regelrechte Personalflucht“

Abwanderungstendenzen seien die Folge. Es habe auf allen Ebenen eine regelrechte Personalflucht eingesetzt. Prof. Giebel: „Wir haben immer noch viele gute Ärzte und Pflegekräfte, aber es sind eben doch leider auch viele gegangen. Obwohl wir nach wie vor ein Krankenhaus der Maximalversorgung haben, wird es immer schwieriger, qualifizierte Ärzte hierher nach Lüdenscheid zu bekommen.“

Welche Konsequenzen empfiehlt Prof. Dr. Gerfried Giebel aber nun? „Zum einen muss unser Aufsichtsrat endlich aufwachen und sich aktiv einschalten. Ein Abnicken der Pläne der Geschäftsführung reicht da nicht. Zum anderen aber führt kein Weg daran vorbei, dass Dr. Bernhard Schwilk seinen Platz räumen muss. Er hat bewiesen, dass er nicht der geeignete Chef der Märkischen Kliniken GmbH ist. Das Management muss auf eine solide Basis gestellt werden.“

Prof. Giebel schließt: „Ich habe immer gern in Hellersen gearbeitet, und mein Herz wird auch immer an dem Krankenhaus hängen. Aber zur Zeit fällt mir der Abschied nicht schwer.“

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