Kleiderordnung aufgestellt

Lüdenscheider Gesamtschule verbietet Schülern Camouflage-Mode

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Camouflage-Muster wie dieses sind an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule nicht erlaubt

Lüdenscheid - Kleidung in Camouflage-Optik ist an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Lüdenscheid verboten. Das teilte Schulleiter Frank Bisterfeld auf Anfrage mit. Die Bezirksregierung rät zu sensiblem Umgang mit dem Thema, weil Grundrechte berührt sind. 

Eltern der Schule hatten über entsprechende Vorgaben der Schule berichtet und einen Zusammenhang mit der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten hergestellt, auf die es Rücksicht zu nehmen gelte. Damit habe es aber nichts zu tun, sagt der Schulleiter. 

Viele Schüler haben Camouflage-Mode im Schrank

Unter Camouflage versteht man Tarn-Muster, wie sie auch von Soldaten getragen werden. Klassiker vormaliger Schüler-Generationen ist der Bundeswehr-Parka – mit oder ohne Flaggen-Aufnäher. Derzeit liegt Camouflage wieder im Trend. Viele Mode-Labels haben entsprechende T-Shirts, Jacken, Hosen, aber auch Accessoires wie Etuis, Taschen oder Rucksäcke für Männer und Frauen im Angebot, viele Schüler haben sie im Schrank. 

Ein Hoodie in Camouflage-Optik.

An der Adolf-Reichwein-Schule – mit 1250 Schülern die größte Schule der Stadt – dürfen diese Textilien nicht getragen werden. Bereits seit einigen Jahren sind in der Schulordnung auch Kleidervorschriften enthalten. Darin heißt es unter anderem: Die Kleidung muss sauber, ordentlich und nicht unanständig sein. 

In der Neufassung in einfacher Sprache wurde 2016 die Kleiderordnung um ein Verbot von „Camouflage-Mustern“ – gleich welcher Farbe – ergänzt. Zuvor war bereits „militärisch wirkende Kleidung“ untersagt. 

Jogginghosen waren Auslöser für Kleiderordnung

Auslöser für die Kleiderordnung war der Wunsch, Jogginghosen aus dem Schulalltag zu verbannen. Hinzukamen weitere Vorschriften. So sollen Schüler Kapuzen und Mützen im Unterricht abnehmen. Auch Jacken und Mäntel müssen in den Klassenräumen abgelegt werden. Im Schwimmunterricht ist auf angemessene Sportkleidung zu achten. Damit soll verhindert werden, dass Schüler in Freizeitkleidung am Beckenrand stehen. 

Tiefe Ausschnitte und Hotpants sind verboten

Aufgedruckte Logos und Sprüche dürfen nicht rassistisch oder politisch sein – weder links noch rechts. Sexuelle Anspielungen sind ebenfalls verboten. Die getragene Kleidung darf zudem nicht aufreizend sein – tiefe Ausschnitte und sehr kurze Hotpants haben in der Schule nichts verloren. „Die Kleiderordnung gilt natürlich auch für Lehrer“, sagt Schulleiter Frank Bisterfeld. 

Eltern müssen andere Kleidung in die Schule bringen

Noch vor einigen Jahren wurden Schüler, die gegen den Dress-Code verstießen, nach Hause geschickt. Heutzutage werden die Eltern aufgefordert, neue Kleidung in der Schule vorbeizubringen. Die Schüler müssen sich dann umziehen. 

Nur vereinzelte Verstöße festgestellt

Nach Ansicht des Schulleiters hat sich die Kleiderordnung bewährt. Nur noch ganz vereinzelt gebe es Verstöße, eine Jogginghose habe er seit den Sommerferien nicht mehr gesehen, sagt Schulleiter Bisterfeld. 

Bezirksregierung rät zu sensiblem Umgang mit dem Thema

In NRW sind Kleiderordnungen für Schüler die absolute Ausnahme. Erlasse oder Vorgaben von Seiten des Schulministeriums gibt es nicht. Anna Carla Springob, Sprecherin der Schulaufsicht bei der Bezirksregierung Arnsberg, rät Schulen zu einem sensiblen Umgang mit dem Thema. „Es geht hier schließlich um Grundrechte wie die freie Entfaltung der Persönlichkeit und das elterliche Erziehungsrecht“, sagt Springob. 

Um eine größtmögliche Akzeptanz bei Eltern und Schülern zu gewährleisten, sollten solche Verbote durch ein Leitbild oder einen Beschluss der Schulkonferenz begleitet werden. 

An anderen Schulen meist keine Kleidungs-Verbote

Wie eine kurze Umfrage an einigen weiterführenden Schulen in Lüdenscheid ergab, gibt es meist keine formalen Kleidungs-Verbote. Bei allzu freizügiger Kleidung oder Jogginghosen sprechen Lehrer die Schüler an, um sie zu sensibilisieren. Das gilt auch für politische, rassistische und sexistische Aufdrucke. „In diesen Fällen ist das Vorgehen in meinen Augen durch die Erhaltung des Schulfriedens gedeckt“, sagt Dieter Utsch, Schulleiter des Bergstadt-Gymnasiums. 

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