Geringe Polizeidichte: „Erschreckende Zahl“

Märkischer Kreis - Die Bevölkerung im Kreis wird sich „als Folge der Mangelverwaltung“ auf Schließungen von Polizeiwachen, auf längere Wartezeiten bei Polizeieinsätzen und eine weitere Steigerung der Kriminalitätsrate einstellen müssen. Das prognostiziert der Bezirksverband im Bund Deutscher Kriminalbeamter (BdK).

Grund für die düsteren Aussichten ist nach Aussage des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Michael Kern eine „erschreckende Zahl“ bei der Berechnung der Polizeidichte. Auf einen Polizisten kommen im Kreis demnach 657 Bürger. Im Landesdurchschnitt liegt die Zahl bei 1:438 – im Bundesschnitt bei 1:384.

Aktuell liegt NRW im Bundesvergleich auf dem dritten Platz. Dabei, kritisiert Michael Kern, rechne sich die Landesregierung die Zahl noch schön, da auch die Verwaltungsmitarbeiter mit einbezogen würden. „Ohne diese läge NRW auf dem letzten Platz.“

So weit zur Statistik. Nach BdK-Angaben kommt man in puncto Polizeidichte im Märkischen Kreis hingegen auf „eine viel schlechtere Quote“. Aktuell seien 600 Polizisten – einschließlich Verwaltungsmitarbeiter, die nicht im Vollzug tätig sind – im Kreisgebiet tätig. Zieht man Faktoren wie Krankheit, Fortbildung, Teil- oder Elternzeit von der Einsatzleistung ab, stehen dem Kreis „de facto nur 450 Polizisten zur Verfügung, was die tatsächliche Polizeidichte weiter verschlechtert“, so BdK-Sprecher Kern.

Mit Blick auf die künftige Personalentwicklung der NRW-Polizei werde das Bild der inneren Sicherheit noch düsterer, „da in den kommenden Jahren landesweit etwa 4000 Polizisten fehlen werden“. Michael Kern: „Auf den Märkischen Kreis heruntergerechnet wird dies zu einem Verlust von etwa 80 Polizeibeamten führen. Dies wird dazu führen, dass auf 1100 Bürger im Märkischen Kreis nur noch ein Polizeibeamter kommen wird.“

Unstrittig ist nach BdK-Auffassung, dass es in Ballungsgebieten eine größere Polizeidichte und damit eine höhere Polizeipräsenz geben muss. Aber: „Wenn man vor dem Hintergrund steigender Kriminalität und möglichen Bedrohungsszenarien den ländlichen Raum polizeilich entblößt, wird das die Sicherheit im Märkischen Kreis nicht verbessern.“

Ein „erster Schritt in die richtige Richtung“ sei immerhin die Ankündigung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, 500 neue Polizisten einzustellen. Michael Kern: „Bis die jedoch tatsächlich auf der Straße oder bei der Kripo angekommen sind, dauert es noch mindestens drei Jahre.“ Und dass vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Silvesternacht in Köln kurzfristig 500 Polizisten an Brennpunkten in NRW eingesetzt werden sollen, bedeute für den Märkischen Kreis „eine Zusatzbelastung“, da die hierfür benötigten Polizeibeamten aus der ländlichen Fläche abgezogen werden müssten, heißt es beim BdK-Bezirksverband. „Schon jetzt ist der reine, patroullierende Streifenwagen in der ländlichen Fläche ja eher die Ausnahme.“

Um das düstere Szenario abzuwenden, fordert der BdK eine Neuausrichtung der Personalzuweisung. Und: „Bei der Ausbildung muss man weg vom Einheitsbrei der vergangenen Jahre.“ Der wachsenden Belastung durch Kriminelle mit organisierten Strukturen müsse mit besonderen Fachkräften der Kripo begegnet werden. Michael Kern: „Der Schutzmann muss wieder für den Bürger sichtbar sein!“ Die weitere Bearbeitung der Delikte könne nur mit einer gestärkten Kripo geleistet werden.

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