Unternehmen sagt Jubiläumsfeier ab

Novelis-Aus: Politiker üben zum Teil harsche Kritik

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Ein einst florierender Industriestandort an der Wiesenstraße wird ab Sommer 2020 verwaist sein.

Lüdenscheid - Die bevorstehende Schließung des Novelis-Werks an der Wiesenstraße und der drohende Verlust von 200 Arbeitsplätzen stößt auch in der Kommunalpolitik der Kreisstadt auf deutlichen Widerspruch.

Ratsvertreter werfen der Konzernleitung unter anderem vor, vollendete Tatsachen schaffen zu wollen anstatt nach Lösungen im Interesse der Beschäftigten zu suchen. 

Mit „großer Überraschung und Enttäuschung“ reagiert der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Fabian Ferber. Statt über Alternativen zu diskutieren, habe der Konzern „durch die Bekanntgabe des Vorhabens vor einem Beteiligungsprozess unnötig Fakten schaffen wollen“. 

"Kein guter Umgang mit den Beschäftigten"

Ferber weiter: „Das ist kein guter Stil und kein guter Umgang mit den Beschäftigten, die nun um ihre berufliche Zukunft bangen müssen.“ 

Kritisch geht der SPD-Chef auch auf Äußerungen des AfL-Ratsherrn Peter Oettinghaus ein. Der hatte nach dem Brand im Werk 2 an der Wiesenstraße Anfang Juni eine Verlagerung des Standortes aus der Nähe von Wohnbebauung gefordert. 

Dazu sagt Fabian Ferber, dass man „insbesondere in den Zeiten des industriellen Wandels genau überlegen sollte, ob man auf dem Rücken von 200 Beschäftigten Öffentlichkeitsarbeit machen sollte.“ 

Mehr über die geplante Werksschließung

Die geplanten Entlassungen „sind schmerzhaft für jeden Mitarbeiter“ sagt Ralf Schwarzkopf, Vorsitzender der CDU. „Wir sind jetzt bereits in Gesprächen, dass insbesondere die Auszubildenden schnellstens wieder in einen geeigneten Ausbildungsbetrieb kommen.“ 

Den Entschluss der Novelis Geschäftsleitung kommentiert Schwarzkopf nicht. „Dazu sind die Beweggründe nicht ausreichend bekannt.“ Klar sei aber, dass die Region mit Ihrer industriellen Wirtschaftsstruktur anfällig ist, wenn die Konjunktur schwächelt. 

Warnung vor „Lüdenscheider Sonderfaktoren“

Der CDU-Chef warnt jedoch vor nachteiligen „Lüdenscheider Sonderfaktoren“. Wenn der Bürgermeister und die SPD-Mehrheit sich „wieder allzu eifrig als Kämpfer für Arbeitsplätze aufspielen wollen“, sei daran erinnert, dass sie es gewesen seien, die Gewerbesteuer und Grundsteuer extrem erhöht haben. „Das wird sicher nicht dazu beigetragen haben, den Standort besonders sexy zu machen.“ 

Nach Meinung des Fraktionschefs der Linken im Rat, Michael Thomas-Lienkämper, müssen die „Beschäftigten vor Ort die Suppe auslöffeln“, nicht jedoch die Geschäftsführung. Thomas-Lienkämper: „Mit schlechten Nachrichten an die Öffentlichkeit und Belegschaft zu treten, wenn die Grundsatzentscheidung gefallen ist, ist ausgesprochen schlechter Stil.“ 

"Wandel wird Lüdenscheid hart treffen"

Laut Fabian Fabian Ferber sollte man sich „von den guten Arbeitsmarktzahlen (...) nicht täuschen lassen“. Die SPD habe mit ihrem Digitalisierungsantrag im Rat vor einem Jahr angemahnt, „dass in der Region nun Hausaufgaben gemacht werden müssen“. 

Der Wandel in der industriellen Wertschöpfung werde Lüdenscheid „hart treffen“. Umso wichtiger sei es, in Wirtschaft und Politik Maßnahmen zu beschließen, „die es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglicht, durch neue Geschäftsfelder am Markt zu bleiben.“ 

In etwa zwei Wochen wird der Novelis-Standort 100 Jahre alt. Geschäftsleitung und Betriebsrat haben die geplante Jubiläumsfeier vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung „einvernehmlich abgesagt“, heißt es.

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