Präzisionsarbeit auf der Bühne vor leeren Rängen

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Solistische Beiträge mit Temperament.

LÜDENSCHEID - Am Ende, so schien es fast, hatten sie keine Lust mehr. Auf Zugaben schon gar nicht, verloren sich doch im großen Saal des Kulturhauses knapp hundert Zuschauer, viele von ihnen russischsprachiger Herkunft. Auf der Bühne: die "Royal National Dance Company of Georgia“.

Von Jutta Rudewig

Stehende Ovationen, nicht enden wollender Beifall – und trotzdem: Die georgischen Tänzerinnen und Tänzer hängten eine kleine Demonstration ihrer hervorragenden Tanzkunst an das reguläre Programm an, ein schüchternes Winken – und weg waren sie. Verdenken konnte man ihnen das angesichts der leeren Ränge nicht.

Eines mal vorweg: Die Qualität, mit der die georgischen Tänzerinnen und Tänzer auftrumpften, war schlichtweg bewundernswert. „The Fire of Georgia“ ist eine Tanzshow, das ist bis ins Detail ausgeklügelte Performance, das sind mystische Klänge, kaukasische Rhythmen und tänzerische Präzision. Dynamisch in der Gruppe und bemerkenswert als Solisten.

Es gäbe sicher noch einige Superlative mehr, um „The Fire of Georgia“ zu schreiben, aber irgendwie wollte der Funke nicht so recht überspringen. Ob das nun an der üblichen „Was der Bauer nicht kennt“-Mentalität liegt oder daran, dass Klänge wie Bewegungen nicht unbedingt konform sind mit dem europäischen Verständnis einer Show, wird sich nicht klären lassen.

Traditionelle Tanzelemente wurden hier mit modernen Varianten vermischt und dargeboten von professionell ausgebildeten Tänzern. Hier ein bisschen Riverdance, dort ein wenig Ballett und dann wieder an asiatischen Kampfsport erinnernd, zeigte die Company weit mehr als „nur“ Folklore und machte deutlich, dass georgische Tänzer über Jahrzehnte hinweg bis zur Vollkommenheit trainieren. Die instrumentale Begleitung vom Band war gewöhnungsbedürftig für westeuropäische Ohren, bestand sie doch aus typischen Kompositionen für georgische Saiteninstrumente, Trommeln und Hirtenflöten. Ehrfurcht und Ritterlichkeit in den Paartänzen, respektvolle Distanz zwischen Mann und Frau, Tänze, die Geschichte(n) erzählen – und hundert farbenprächtige Kostüme, die die Tänzer im Sprint wechselten, machten die Reise in die kolchische Tiefebene Georgiens visuell perfekt.

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