Gemeinsamer Kampf für würdiges Sterben

LÜDENSCHEID – Der Tod ist für den Menschen unausweichlich. Doch wenn der letzte Gang ansteht, wünscht sich wohl jeder ein Sterben in Würde. Selbstbestimmt, ohne endloses Leiden und in einem persönlich-warmherzigen Umfeld.

Oft genug ist aber das Gegenteil der Fall. Die meisten Menschen sterben immer noch einsam, unter Schmerzen, in Krankenhaus-Mehrbettzimmern liegend oder an medizinischen Apparaten hängend. Folge womöglich wohl auch des Tabus, das lange über den Themen Sterben und Tod schwebte. Doch der Wind scheint sich seit einiger Zeit zu drehen. Das untermauerte auch die Resonanz auf eine Veranstaltung, zu der der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Schulte jetzt ins Kulturhaus eingeladen hatte. Rund 120 Gäste drängten sich dabei im Roten Saal, dessen Bestuhlung kurzfristig gar noch aufgestockt werden musste. Der Titel der Veranstaltung: „Sterben in Würde“.

Als Experten auf dem Podium mit von der Partie: der Palliativ-Mediziner Dr. Thorsten Skodra, der Rechtsanwalt und Notar Kurt Dietrich Neuhaus, Hans-Peter Osterkamp, Leiter des Amalie-Sieveking-Hauses und des dortigen Hospizes, sowie der Essener Krankenhaus-Pfarrer Günter Gödde. Moderiert wurde der Diskussionsabend von Professor Thomas Sternberg. Er sitzt wie Schulte für die CDU im NRW-Landtag und ist dazu auch kulturpolitischer Sprecher im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Angesichts der Dimension des Themas kreisten die Gespräche an diesem Abend um viele Aspekte. Hier ein Überblick über wesentliche Diskussions-Schwerpunkte:

Stichwort Palliativ-Medizin. Die Bedeutung dieser noch jungen Disziplin wächst, wie Dr. Thorsten Skodra weiß. Weil es immer mehr Menschen mit unheilbaren Erkrankungen gibt. Skodra leitet als Oberarzt die Station für Palliativ-Medizin im Klinikum Lüdenscheid. Zu ihm und seinem Team kommen Menschen, für die es keine Heilung mehr gibt. Dazu Skodra: „Bei uns geht es um die verständnisvolle Betreuung des Patienten und um die Linderung der Krankheitssymptome mit Schmerzmitteln.“ Hierzu zählen auch die in Deutschland mitunter immer noch mit Vorbehalten bedachten Morphine. Womit Palliativ-Medizin indes nichts zu tun hat, ist die passive oder aktive Sterbehilfe.

Stichwort Patientenverfügung. Sie soll die Umsetzung des Patienten-Willens sichern. Notar Neuhaus informierte in diesem Kontext über juristische Praxis und Formulierungen. Gleichzeitig hatte der Rechtskundige einen ebenso kuriosen wie aufschlussreichen Einzelfall parat. Dabei war ein pensionierter Mediziner in Neuhaus‘ Praxis gekommen und hatte für sich selbst eine Patientenverfügung abgelehnt. Der Grund: „An solche Verfügungen halten wir Ärzte uns sowieso nicht. Was glauben Sie, wie viele Leute hier noch in der Gegend rumlaufen, die das nicht mehr täten, wenn wir uns an die Patientenverfügung gehalten hätten.“

Stichwort Hospiz-Arbeit. Hans-Peter Osterkamp berichtete in emotionaler Weise über den Alltag im Sieveking-Haus: „Die Menschen, die zu uns ins Hospiz kommen, sind Gäste, die wir auf ihrer letzten Lebensstrecke begleiten und deren Wünsche und Bedürfnisse wir respektieren und zu erfüllen versuchen.“ Dazu kann auch gehören, dass sich ein Mensch von seinem Hund verabschieden darf oder noch einmal sein Lieblingsgericht serviert bekommt – selbst dann, wenn er es nicht mehr essen kann. Osterkamp mit belegter Stimme: „Das heißt für uns, in Würde sterben. Unsere Arbeit lohnt sich doch.“ Da brandete im Publikum spontan Beifall auf.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare