Geldstrafe für psychisch kranke Ladendiebin

Lüdenscheid  - Wie emsig sie auch ist, was sie auch anstellt, um „zurück in die Gesellschaft“ zu kommen, wie sie es formuliert – es geht zu viel schief in ihrem Leben. Vielleicht helfen jetzt die Seroquel-Depotspritzen gegen die Schizophrenie. Aber erstmal muss sie den vorläufigen Tiefpunkt ihres Daseins verwinden und die Konsequenzen aus ihrer Tour durchs Stern-Center tragen: 1500 Geldstrafe wegen dreier Ladendiebstähle und einer Körperverletzung.

Von Olaf Moos

Ein paar Tage vor Weihnachten wird die Lage noch trostloser als ohnehin schon. „Ich hatte kein Geld für Geschenke“, sagt die 43-Jährige und bemüht sich um eine vornehme Wortwahl. „Zu der Zeit unterlag ich einem Drogenmissbrauch.“ Eine Freundin hat Tabletten zu Hause. Sie schlucken ein paar davon und machen sich auf den Weg. „Wir stellten fest, dass wir fehlende Gelder haben.“

Eine Armbanduhr, Schreibstifte und Ohrringe bei Tchibo, Cremes und teure Düftchen bei Douglas und einen ganzen Armvoll Damenunterwäsche bei Takko Fashion. Doch Verkäuferinnen und ein Wachmann passen auf. Die Freundin verschwindet schleunigst, die 43-Jährige wird geschnappt. Es gibt Randale, sie leistet Widerstand, kreischt und schlägt um sich, der Wachmann hat später eine Beule an der Stirn – alles zwecklos, sie landet auf dem glatten Center-Boden, die Hände auf dem Rücken gefesselt.

Doch erinnern kann sie sich an kaum etwas. Der Wachmann, zwei Verkäuferinnen und eine Polizistin berichten im Zeugenstand über die Angelegenheit. Die Sache ist eindeutig. Strafverteidiger Holger Becher kann nur bestätigen, was der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zum Besten gegeben hat. Zu verteidigen ist da nicht viel. Das Schöffengericht verurteilt die zierliche Frau zu 1500 Euro Geldstrafe. Es wird ihr fünfter Eintrag ins Bundeszentralregister.

Und ihr letzter, wie sie hofft. Ihre Psychose scheint sie im Griff zu haben, „die Spritzen tun mir gut“. Der Blick auf ihre Vergangenheit ist klar und unsentimental. Mit drei Jahren aus Griechenland gekommen, „als Kind einer Gastarbeiter-Familie“, Hauptschule, Fabrikarbeiterin. Mit 19 heiratet sie einen Griechen aus Altena und bringt einen Sohn zur Welt, sechs Jahre später verlässt sie ihren Mann. Nach einer Umschulung zur Köchin betreibt sie mit ihrem Freund fünf Jahre lang eine Kneipe in der Lüdenscheider Innenstadt, dann eine in Heedfeld. Die Beziehung zerbricht, sie wechselt „in die Tourismus-Branche“, wie sie sagt, und begrüßt Reisende auf dem Thessaloniki Airport. Einem kurzen Aufenthalt in Lüdenscheid folgen eineinhalb Jahre auf Mallorca, „wir haben Häuser von Deutschen gereinigt und verwaltet“.

Und dann bricht „leider leider die erste schlimme Psychose“ aus, Sicherheitskräfte greifen die Deutsche nackt am Flughafen von Palma auf. Es folgen mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie. Rechtsanwalt Holger Becher plädiert erfolgreich auf verminderte Schuldfähigkeit.

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