Geldstrafe nach Eifersuchtsdrama

Lüdenscheid - Wenn die Fäuste ins Spiel kommen, kümmert sich die Justiz auch um Eifersuchtsdramen: So geschah es im Amtsgericht Lüdenscheid, wo ein 42-jähriger Lüdenscheider wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt wurde.

Insgesamt 300 Euro statt 900 wie im vorangegangenen Strafbefehl – eigentlich hätte der Angeklagte recht zufrieden nach Hause gehen können. Doch er beteuerte seine Unschuld, murmelte etwas wie „Gott sieht alles“ und zog die Aussage des von ihm mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich verprügelten Zeugen in Frage: „Das ist alles nicht wahr.“

Doch es gab ein Motiv: Seine 39-jährige Ex-Frau hatte Anfang des Jahres einen neuen Partner gefunden und eben den hatte der eifersüchtige Verlassene über das Internet ausfindig gemacht. Als der 28-Jährige am 18. Juni um kurz nach sieben Uhr den Zug von Lüdenscheid nach Hagen nehmen wollte, näherte sich der Angeklagte und schlug ihm „mindestens sechs Mal“ mit der Faust auf den Rücken. So jedenfalls erinnerte sich der Zeuge, dem es dennoch gelang, pünktlich zu seinem Zug zu kommen.

Vor Gericht erzählte er von weiteren Vorkommnissen mit dem Angeklagten, die er aber gar nicht mehr angezeigt hatte: Telefonanrufe und Drohungen: „Ich mache deinen Kopf ab.“ Bei einer anderen Gelegenheit habe der Angeklagte sexuelle Aktivitäten gegenüber der Mutter seines vermeintlichen Widersachers angekündigt.

Letzterer schilderte alle diese Vorkommnisse sehr ruhig und ohne Übertreibungen, was erheblich zu seiner Glaubwürdigkeit beitrug. Er schilderte die Situation auch aus der Sicht seiner Partnerin, die nach ihren Angaben „seit vier Jahren“ von ihrem Mann getrennt sei und erklärt habe „Ich habe gar nichts mit ihm zu tun. Ich werde bald von ihm geschieden.“ Wenn der Angeklagte wolle, dürfe er gerne seinen Sohn sehen, gestand der Zeuge seinem Widersacher väterliche Rechte zu.

Richter Thomas Kabus nahm eine weitere Erklärung des Angeklagten über seine vermeintliche Unschuld entgegen und verurteilte den mutmaßlichen Schläger zu einer Geldstrafe, die am unteren Rand des Möglichen lag. Denn der Zeuge hatte keinen ernsthaften Schaden genommen, und die weiteren Bedrohungen hatte er nicht angezeigt.

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