Neues aus dem Amtsgericht

Geldstrafe nach Bierchen und Handgemenge am Ehrenmal Parkstraße

Die Nürnberger Polizei schnappe eine Gruppe Jugendlicher, die auf einem Bolzplatz gemeinsam Alkohol konsumierten.
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Symbolfoto

Ein warmer Frühlingstag, 5. April 2020. Drei Männer sitzen am Ehrenmal Parkstraße auf der Mauer, ein paar Pullen Bier dabei. Seit ein paar Tagen ist der erste Lockdown in Kraft. Als die Polizei kommt und die verbotene Versammlung wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz auflösen will, ist’s vorbei mit der Gemütlichkeit.

Lüdenscheid - Auf der Anklagebank sitzt ein 30-Jähriger, „leider Gottes arbeitslos“, wie er sagt. Er muss sich wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und versuchter Körperverletzung verantworten. Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn wirft dem Mann vor, sich gegen die Personenkontrolle gewehrt und nach den Polizisten geschlagen zu haben.

Der Angeklagte bleibt auch vor Strafrichter Markus Pohl wehrhaft. „Ich bin mein Leben lang nicht aufgefallen“, sagt er. Doch am Ehrenmal weigert er sich, einem der Streifenbeamten den Ausweis zu zeigen. „Ich habe keinen Perso mit, habe ich gesagt.“ Der Uniformierte will den Kandidaten durchsuchen und beginnt, dessen Hosentasche „abzustreifen“, wie es heißt. Seine Hand wird weggeschlagen.

Die Lage heizt sich auf, am Ende liegt der Lüdenscheider am Boden. „Ich hab’s nicht verstanden und hab’ mich dagegen gewehrt, festgenommen zu werden.“ Richter Pohl will wissen, ob er um sich geschlagen habe. Antwort: „Dann wäre das anders ausgegangen, ich bin Dachdecker.“

Ein junger Polizist tritt in den Zeugenstand. Er berichtet von einem anstrengenden 14-Stunden-Dienst – und dass er dem Ordnungsamt helfen sollte, Personalien festzustellen. Der Strafrichter fragt den Beamten: „Sie hatten viel zu tun an dem Tag, haben Sie ein bisschen hart reagiert?“ Der Zeuge sagt: „Nein.“ Der Angeklagte ruft dazwischen: „Er lügt!“

Der Oberstaatsanwalt wertet die Aussage des Dachdeckers als Geständnis. „Er hat den Zeugen am Handgelenk gepackt, und er hat bestimmt einen harten Griff.“ Markus Pohl verurteilt den 30-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. „Der Polizist macht ja nur seine Arbeit, und er muss Eigensicherung betreiben.“ Der Verurteilte nimmt’s hin – und verzichtet auf Rechtsmittel.

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