Geldfälscher: Die „Anmut“ von Fünf-Euro-Scheinen

Lüdenscheid - Die Begeisterung für sein verbotenes Hobby war einem 22-jährigen Münchner Studenten noch im Gerichtssaal anzuhören: „Wunderbar“ sei es gewesen, so „etwas Schönes, Anmutiges und Wertvolles“ zu drucken, erinnerte sich der Angeklagte gestern im Amtsgericht Lüdenscheid.

Und der Staatsanwalt staunte über einen „sehr, sehr außergewöhnlichen“ Tatvorwurf: „Allein, dass jemand 5er-Scheine fälscht.“

Der Angeklagte war geständig und erzählte die gesamte Geschichte: Eines Tages sei seine Mutter im Jahr 2012 mit einem gefälschten 10-Euro-Schein nach Hause gekommen. „Das kann ich besser“, dachte sich der leidenschaftliche Tüftler und fing an. Im Gerichtssaal wiederholte er die Geheimnisse des erfolgreichen Geldfälschens, in die er schon die ermittelnden Polizisten eingeführt hatte. Er berichtete vom Umgang mit Farbkopierern, Silberstreifen, Testserien und Manipulationen an der Software der Kopierer, die die Vervielfältigung von Geldscheinen normalerweise verweigern. „Das hat eine Weile gedauert, bis ich das rausgekriegt habe.“ Schließlich entstanden die ersten Testserien in einer Lüdenscheider Wohnung. „Irgendwann kam der Gedanke auf, dass man damit auch Geld machen könnte“, beschrieb der 22-Jährige den nächsten Schritt. „Es gab reichlich zu tun: Schneiden und Kleben (von Sicherheitsstreifen).“ Drei Mitangeklagte sollen dem Fälscher dabei geholfen haben. Zwischen 300 und 450 Fünf-Euro-Scheine sollen hergestellt worden sein. Er selbst habe nie einen davon in Umlauf gebracht, versicherte der Angeklagte und berichtete von moralischen Skrupeln. „Wenn ich jemandem so einen Schein andrehe, wäre das ja, als ob ich ihm fünf Euro aus der Geldbörse nehme.“ Stattdessen verteilte der Fälscher die Scheine an seine mutmaßlichen Mittäter. Insgesamt sollen aber nur wenige in Umlauf gekommen sein. Die drei Mitangeklagten wiesen alle Vorwürfe zurück: Sie wollten „nichts“ bis „nie“ etwas mit der Sache zu tun gehabt haben, und da es neben dem Angeklagten als Hauptbelastungszeugen noch zwei weitere Zeugen gibt, die etwas von der Sache wissen sollen, wurde das Verfahren gegen diese drei Angeklagten vertagt.

Bemerkenswert entwickelten sich die Erörterungen über den Lebenslauf des Hauptfälschers: Mal wurde er als „nicht sozialisierbar“ eingestuft, mal als „hochintelligent“, wofür auch das Überspringen der 9. Klasse sprach. Er war auf dem Jakobsweg unterwegs, träumte von einer Ausbildung zum Büchsenmacher und landete schließlich in einer wehrtechnischen Ausbildung bei der Bundeswehr in München. Mittlerweile studiere er dort Luft- und Raumfahrzeugtechnik, berichtete der junge Mann. „Vielleicht entwickelt er ja mal ein Patent“, zeigte sich Richter Wolfram Arnold optimistisch hinsichtlich des weiteren Lebensweges des Fälschers. „Da bin ich schon dabei“, konterte der und begann mit den Erläuterungen.

Das Jugendschöffengericht sah jugendtypische Verhaltensweisen in dem Austesten von Grenzen und setzte die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung aus. Als Bewährungsauflage gab es 200 Sozialstunden.  - Von Thomas Krumm

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