„Es geht um Wertschätzung und Anerkennung“

LÜDENSCHEID ▪ Gegen 13 Uhr füllt sich der Platz vor dem Haupteingang des Klinikums am Donnerstag mit wehenden weißen Kitteln - der Ärzte-Streik geht in Lüdenscheid in eine neue Runde.

Erstmals machen Ärztinnen und Ärzte ihrem Unmut über die seit Monaten festgefahrenen Verhandlungen zwischen ihrer Gewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeber (VKA) vor den Mauern des riesigen Komplexes Luft. Die Stimmung schwankt zwischen Optimismus, Nachdenklichkeit und verhaltenem Zorn. Die erste Woche Streik liegt bald hinter ihnen. „Ein komisches Gefühl ist das schon“, spricht Organisator und Oberarzt Jürgen Weber dieses diffuse Gefühl seiner Kolleginnen und Kollegen an. Aber so wie bisher kann es auch nicht weitergehen, und deshalb reicht es ihnen jetzt einfach.

"Ärzte motivieren und nicht verheizen"

„Anstatt die Leute in den Krankenhäusern zu verheizen, sollte man ihre Arbeit wertschätzen und sie motivieren. Dazu gehört auch eine adäquate Bezahlung. Neun Euro mehr für eine Nachtschicht im Bereitschaftsdienst sind kein Zeichen für eine entsprechende Anerkennung des Arzt-Berufs“, schallt es durchs Megafon. Hubert Lefahrt vom Marburger Bund aus Dortmund ist nach Lüdenscheid gekommen. Der Jurist macht Mut und findet die richtigen Worte: „Ärzte müssen eine lange Ausbildung absolvieren und beginnen daher erst dann damit, Geld zu verdienen, wenn andere schon ihr Haus gebaut haben und – um mal hier im Sauerland zu bleiben – Schützenkönig geworden sind.“

Jürgen Weber nimmt auch die Klinik-Leitung in die Pflicht: „Wir erwarten mehr Loyalität und fordern die Geschäftsführung auf, Einfluss zu nehmen auf die VKA.“ Im Hintergrund werde in diesen Streiktagen schon einmal moralischer Druck auf die Kolleginnen und Kollegen ausgeübt. Doch es sei jetzt Zeit, dass Ärzte ihre Rechte wahrnehmen und dafür eintreten, ruft er seine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, ihrerseits Gegendruck aufzubauen und – wenn nötig – einen langen Atem zu haben. Denn bisher ist keine Annäherung zwischen VKA und MB in Sicht.

Am Freitag erstmals ganztägiger Streik

Am Freitag streiken die Ärzte – rund 80 – erstmals den ganzen Tag. Und so soll‘s dann bleiben, wenn sich nichts bewegt. Nach einer guten halben Stunde ziehen sie sich die weißen Kittel wieder über und gehen arbeiten. Morgen können sie nach einem kurzen Streik-Treffen ins verlängerte Pfingstwochenende gehen – ein komisches Gefühl.

Rubriklistenbild: © Foto: Messy

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