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Fertigstellung Teilbau Ende 2025? A45-Sperrung könnte früher aufgehoben werden

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Von: Jan Schmitz

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Die Autobahn GmbH strebt die Freigabe der A45 bei Lüdenscheid nach maximal vier Jahren an. Dafür tut sie alles. Eine Analyse.

Man muss sich das nur einmal vorstellen: Eine Stadt, eine Region, ein Bundesland, nein sogar ganz Deutschland schaut auf die Sperrung der A45 bei Lüdenscheid und das zentrale Thema ab dem ersten Moment der Sperrung ist nur eins: Wann wird die Sperrung wieder aufgehoben? An diesem Zeitpunkt hängt alles: Die Entscheidungen von Unternehmen, von Arbeitnehmern und Anwohnern der Umleitungsstrecken mit einem endlosen Rattenschwanz an Konsequenzen für die Entwicklung von Stadt und der Region Südwestfalen und damit für deren Zukunftsaussichten.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNRW, Hessen, Bayern

Die Überzeugung von allen Betroffenen ist: Ist die A45 bei Lüdenscheid wieder frei, dürfte das Schlimmste für die Region überstanden sein. Anfang Dezember 2021 - kurz nach der Sperrung - hieß es noch, die marode Talbrücke Rahmede würde nach dreimonatiger Prüfung wieder für den Pkw-Verkehr freigegeben werden, doch schon Anfang Januar wurde auch diese Idee verworfen. Die A45 muss dauerhaft gesperrt werden.

Ziel für Freigabe der A45: Fünf Jahre ab der Sperrung

Spätestens seitdem gilt die Zielmarke fünf Jahre bis zur Wiederfreigabe der A45, die Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn Westfalen, am 13. Dezember 2021 öffentlich machte. Alle Versuche aus Politik, Bürgerschaft und Wirtschaft, auf eine ambitioniertere Zielsetzung zu drängen, wurden von der Autobahn GmbH, aber auch vom Bundesverkehrsministerium, das im Hintergrund die politischen Fäden zieht, brüsk zurückgewiesen. Fünf Jahre, das sei schon schneller als alles jemals zuvor Dagewesene, hieß es.

Die fünf Jahre sind sakrosankt, trotz aller wütenden Forderungen aus Politik und Wirtschaft. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass das Datum der Wiederfreigabe der A45 der sensibelste Punkt in der ganzen Debatte ist. Am Dienstag kamen dann eben jene hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die seit Monaten die Beschleunigung fordern, mit den Vertretern der Autobahn GmbH und des Bundesverkehrsministeriums zusammen - zum virtuellen Spitzentreffen. Dabei ging es auch um den Zeitpunkt der Verkehrsfreigabe der A45. Und siehe da: In einer Powerpoint-Präsentation der Autobahn GmbH, die von Projektleiterin Nadja Hülsmann vorgestellt wurde, steht es schwarz auf weiß: „Termin für die Fertigstellung des 1. Überbaus und damit für die Verkehrsfreigabe wird wie angekündigt Ende 2025 sein.“

Projektleiterin nennt früheren Wiederfreigabe-Termin für A45

Das „Ende 2025“ hatte der Bearbeiter oder die Bearbeiterin extra in fetter Schrift hervorgehoben. Ende 2025 - das wäre eine Wiederfreigabe nach nur vier Jahren, nicht nach fünf! Kann das sein? Die Autobahn GmbH kassiert ihre Fünf-Jahre-Zielmarke und will nun in vier Jahren alles über die Bühne bringen? Diese Sensation auf der Power-Point-Folie bekamen die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Videokonferenz kaum mit, so beiläufig selbstverständlich wurde sie von der Projektleiterin präsentiert.

Kurz nach dem virtuellen Spitzentreffen wurden die Vertreter aus Politik und Wirtschaft jedoch noch einmal mit der Nase auf das neue Datum gestoßen. Da erreichte die Teilnehmer des Spitzentreffens eine E-Mail von Mario Bredow, Leiter der Büros des Bürgerbeauftragten für den Ersatzneubau der Talbrücke Rahmede. Darin stand: „Die Autobahn GmbH hat mich gebeten darauf hinzuweisen, dass sich in der Präsentation zum Ersatzneubau der Autobahn Westfalen ein Fehler befunden hat. Es bleibe, wie von Beginn an kommuniziert, bei einer Bauzeit von 2021 plus fünf Jahre. Der Verkehr solle also Ende 2026 wieder fließen.“

A45-Sperrung aufgehoben: Tippfehler am sensibelsten Punkt der Debatte?

Alles also nur ein Tippfehler am sensibelsten Punkt der Debatte? Eher nicht. Mit den Angaben, die die Autobahn GmbH nach außen kommuniziert oder auf politischen Druck und auf Anweisung des ihr übergeordneten Bundesverkehrsministeriums kommunizieren muss, kann man auf der Arbeitsebene bei der zuständigen Autobahn Westfalen schön länger relativ wenig anfangen, wie Recherchen unserer Zeitung in den vergangenen Monaten nahelegen. Längst ist man ingenieurseitig der Auffassung, dass es mit der Wiederfreigabe schneller als in fünf Jahren gehen kann - und tut auch alles dafür.

So laufen die Vorbereitungen für die funktionale Ausschreibung des Neubaus, die noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll, auf Hochtouren. Darin wird vor allem die Fertigstellung des ersten Teilbauwerks eine zentrale Rolle spielen, denn damit kann der Verkehr auf der A45 vierspurig (zwei Spuren in jede Fahrtrichtung) über das Rahmedetal geführt werden. Die A45 bei Lüdenscheid wäre dann wieder frei. Lüdenscheid wäre nicht mehr abgeschnitten, die Anwohner der Umleitungsstrecken könnten aufatmen.

Die Vergabe des Neubauauftrags soll - auch das wurde am Dienstag bekannt - schon im Mai 2023 erfolgen. Elfriede Sauerwein-Braksiek, selbst Brückenbauingenieurin, hatte noch im Frühjahr 2022 betont, dass sie einen Neubau eines ersten Teilbauwerks innerhalb von zwei Jahren durch die beauftragte Baufirma für realistisch hält. Dies vorausgesetzt, könnte das erste Teilbauwerk theoretisch sogar schon im Mai 2025 stehen.

Funktionale Ausschreibung mit extra spätem Fertigstellungsdatum? Unrealistisch

Wieso also - wenn alles so schnell wie möglich gehen soll - sollte in der Ausschreibung das anvisierte Datum für die Fertigstellung des ersten Überbaus mit Dezember 2026 angegeben werden - und damit mindestens anderthalb Jahre länger als technisch möglich? Viel wahrscheinlicher ist, dass das Datum für die Fertigstellung in der Ausschreibung ein deutlich früheres ist.

Mit der funktionalen Ausschreibung für den Neubau soll zudem eine weitere Beschleunigung erreicht werden. Nicht der günstigste Anbieter kommt demnach zum Zuge, sondern derjenige, der den ersten Teilbau als Schnellster fertigstellen kann (Schnelligkeit ist ein wesentlicher Teil des besten Gesamtkonzepts). Zudem bekommt der Auftragnehmer zusätzlich hohe Bonuszahlungen, wenn er das erste Teilbauwerk noch schneller als vertraglich festgeschrieben fertigstellt - und damit die A45 früher wieder freigegeben werden kann.

Für Projektleiterin Nadja Hülsmann, die die Zielmarke Ende 2025 in der Spitzen-Runde wie selbstverständlich vorstellte, und ihr Team ist das genannte Ziel-Datum „Ende 2025“ kein Versprecher oder gar Fehler, sondern ein realistisches Szenario. Dass diese Angaben wenig später von der Autobahn GmbH kassiert wurden, hat allein politische Gründe.

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