Für viele hat sich der Alltag erheblich verändert

Gehalt wegen Corona weggefallen: Berufstätige aus dem MK erzählen, was das bedeutet

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Friseurin Zdenka Schwabbauer muss ihren Salon im Moment geschlossen halten. Die freie Zeit nutzt sie dazu, ihre Mitarbeiter mit Webseminaren online weiterzubilden.

Märkischer Kreis – Im Büro, in der Praxis, im Salon oder doch im Home Office – wie in Coronazeiten gearbeitet wird, ist ganz unterschiedlich. Und auch, ob überhaupt gearbeitet wird. Wie das konkret aussehen kann, haben uns einige Menschen aus dem MK erzählt.

Das Virus hat unseren Alltag ganz schön durcheinandergewirbelt und die Arbeitswelt gleich mit. Einige Beispiele aus Lüdenscheid:

Friseur 

Name: Zdenka Schwabbauer (48) 

Beruf: Friseurin 

Arbeitszeit normal: 50-60 Stunden (h) 

Arbeitszeit Corona: 3 Stunden am Tag 

Gehalt: weggefallen 

So ist die Arbeit in der Krise: „Wir standen von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen da“, sagt Zdenka Schwabbauer. „Da macht man sich schon Gedanken.“ Die Verantwortung für ihre Mitarbeiter, aber auch Sorgen um die eigene Existenz treiben sie um. 

Auch wenn ihr Friseursalon derzeit geschlossen ist, bereitet sich Schwabbauer auf die Zeit nach Corona vor. „Wir haben alle Termine erst einmal um drei Wochen nach hinten verschoben, können das bei Bedarf auch noch ausweiten“, sagt sie. 

Und: „Wenn wir das „Go“ hätten, würden wir sofort wieder beginnen. Wir stehen in den Startlöchern.“ Sie und ihr Team stellen sich für die Zeit nach der Corona-Krise auf veränderte Öffnungszeiten und Mehrarbeit ein. Bis es allerdings soweit ist, frischt Schwabbauer das Wissen ihrer Mitarbeiter online mit Webseminaren auf und erledigt Papierkram. Denn: „Friseure haben ja kein Home Office.“ 

Medien 

Name: Isabell Tamboers (36) 

Beruf: Mediengestalterin 

Arbeitszeit normal: 30 h 

Arbeitszeit Corona: 15 h 

Gehalt: Kurzarbeitergeld aufgestockt 

So ist die Arbeit in der Krise: „Es gibt kaum Aufträge – die Menschen machen im Moment ja keine Werbung“, sagt Isabell Tamboers. Zu tun hat die angestellte Mediengestalterin trotzdem etwas. 

„Wir kümmern uns jetzt viel um Eigenwerbung für die Kunden oder überarbeiten Homepages“, sagt sie. Ihre Arbeitsstunden hängen derzeit davon ab, ob es Aufträge gibt. „Diese Woche bin ich zum Beispiel komplett zu Hause“, sagt sie. 

Für die kommende Woche hofft sie auf neue Aufträge und mehr Arbeit – dann vielleicht wieder in ihrer gewohnten Stundenzahl. 

Event 

Name: Dirk Weiland (52) 

Beruf: Eventmanager 

Arbeitszeit normal: 12-16 h täglich 

Arbeitszeit Corona: 3 h täglich 

Gehalt: Kurzarbeitergeld 

So ist die Arbeit in der Krise: „Glücklicherweise war 2019 so ein erfolgreiches Jahr, dass ich fest davon überzeugt bin, dass wir diese Krise überstehen“, sagt Dirk Weiland. 

Die Zuversicht braucht er auch, denn sein Gewerbe liegt im Moment komplett brach. „Wir haben zwar einen großen zeitlichen Vorlauf zwischen drei und 15 Monaten, dennoch schauen die Kunden jetzt erst einmal, was die Bundesregierung weiter plant“, sagt er. 

Davon hängt für den Eventmanager ab, ob weitere Aufträge für Veranstaltungen reinkommen oder nicht. „Im Moment können wir gar nichts tun“, erzählt er. „Es ist, als ob man komplett die Luft rausgelassen hätte.“ Die Zeit nutzt er, um kreative Ideen für Veranstaltungen zu entwickeln. „Das können Kleinigkeiten sein, wie die Grillparty des Chefs als Dankeschön fürs Durchhalten in der Krise, oder ganz neue Formen von Veranstaltungen.“ 

Dabei weiß Weiland, dass er im Eventbereich einen langen Atem braucht: „Wenn es wieder losgeht, sind wir noch lange nicht dran“, sagt er. Er rechnet damit, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis auch die Eventbranche sich von der Corona-Krise erholt hat. „Wir sind eben kein Must-Have!“ 

Kosmetik 

Name: Hatice Bulut (25) 

Beruf: Nageldesignerin 

Arbeitszeit normal: 40 h 

Arbeitszeit Corona: 0 h 

Gehalt: Kurzarbeitergeld 

So ist die Arbeit in der Krise: Es war ihr großer Traum irgendwann einmal ein eigenes Nagelstudio zu besitzen. „Aber die Corona-Krise hat mir gezeigt, dass ich mich nicht auf eine Sache alleine verlassen darf“, sagt Hatice Bulut. 

Im Moment steht die angestellte Nageldesignerin ohne Arbeit da – so wie viele ihrer Kolleginnen aus der Branche. „Die Kosmetik- und Nagelstudios mussten kurzfristig schließen und seitdem habe auch ich nichts mehr zu tun.“ 

Die freie Zeit nutzt sie nun, um sich zu informieren. „Ich habe aus der Krise gelernt, dass ich mich weiter fortbilden muss. Das suche ich mir jetzt im Internet zusammen“, sagt sie. Und Bulut bleibt zuversichtlich: „Wenn das alles vorbei ist, werde ich wieder genug Arbeit haben. Viele Menschen legen doch Wert darauf, gepflegt durchs Leben zu gehen.“ 

Feuerwehr 

Name: Antje Seidel (38) 

Beruf: Rettungsassistentin 

Arbeitszeit normal: 48 h 

Arbeitszeit Corona: 48 h 

Gehalt: gleichgeblieben 

So ist die Arbeit in der Krise: 24-Stunden-Schichten hatte Antje Seidel bei der Feuerwehr schon vor Corona. „An meiner Arbeitszeit hat sich nichts geändert – an der Art und Weise schon“, sagt die Rettungsassistentin. 

Ein Mundschutz ist nun während ihrer Schichten Pflicht. „Wenn wir uns auf der Wache aufhalten, tragen wir den Mundschutz – es sei denn, man ist alleine im Raum“, erzählt Seidel. Nach den Einsätzen muss die Rettungsassistentin sofort ihre Kleidung wechseln. Und Abstand zu den Kollegen ist das oberste Gebot auf der Wache.

„Wir essen an getrennten Tischen und auf mehrere Räume verteilt, um das einzuhalten.“ Kollegen, die sich ein Büro teilen, versuchen ihre Arbeitszeit so einzuteilen, dass sie nicht zeitgleich im selben Raum sind. Zudem hält die Feuerwehr momentan mehr Kollegen in der Bereitschaft, um handlungsfähig bleiben zu können, sollte mal ein Kollege ausfallen. „Wir fahren hier die höchste Sicherheitsstufe“, so Seidel. 

Handel

Name: Magdalena Studzian (39) 

Beruf: Verkäuferin 

Arbeitszeit normal: 5 h 

Arbeitszeit Corona: 5 h 

Gehalt: gleichgeblieben 

So ist die Arbeit in der Krise: „Im Moment ist das Arbeiten wirklich stressig“, sagt Magdalena Studizian. Als Verkäuferin einer Drogeriekette hat sie viel mit Menschen zu tun – und mit deren Eigenarten. „Immer wieder muss man die Menschen auffordern Abstand zu halten, uns nicht zu berühren, oder uns kein Kleingeld in die Hand zu geben“, erzählt sie. 

Ein Spuckschutz soll sie an der Kasse schützen, dazu trägt sie bei der Arbeit Handschuhe. „Das ist auch ungewohnt.“ Der Gang durch den Laden gleicht im Moment oft einem Hindernislauf. „Wenn vier Kunden in einem Gang stehen, nehme ich einen anderen Gang oder mache einen Umweg.“ 

Mit ihrem Minijob ist sie nach ein paar Stunden fertig. „Aber meine Kollegen haben mit dieser Situation schon ganz schön zu kämpfen“, sagt sie. Aber auch sie selbst merkt die Anspannung, die die Krise auslöst. „Wenn ich nach Hause komme, bin ich total kaputt.“

Aktuelles zur Entwicklung rund um die Corona-Krise im MK lesen Sie in unserem News-Ticker

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