Einstimmig beschlossen

Gegen Corona: Stadt macht Mittel für Luftfilter frei

Luftfilter im Klassenraum
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Luftfiltergeräte wie hier am Zeppelin-Gymnasium könnten bald in mehr Klassenräumen stehen.

Für eine mögliche vierte Welle wollen Stadtverwaltung und Politik Schülerinnen und Schüler sowie alle Kindergartenkinder in Lüdenscheid noch besser vor Infektionen – nicht nur mit dem Coronavirus – schützen. Einstimmig hat der Rat am Montag im Ratssaal einem von Bürgermeister Sebastian Wagemeyer erarbeiteten Kompromissvorschlag zur Ausstattung mit mobilen Luftfilteranlagen zugestimmt.

Lüdenscheid - Dafür werden rund 250 000 Euro aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt. Das Geld könnte noch vor dem Winter eingesetzt werden, um besonders kritische Räume in den Lüdenscheider Schulen und Kitas zu versorgen.

Vorausgegangen war ein gemeinsamer Antrag von CDU und Grünen zur „Sicherstellung der Raumluftqualität in Kindertagesstätten und Schulen“ und der Bericht der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW). Darin hatte die Stadtverwaltung dargelegt, wie teuer die Anschaffung von mobilen Filteranlagen für alle Klassen und Räume für die Stadtkasse wird.

Die errechneten derzeit nicht förderfähigen 288 Einzelgeräte allein in den städtischen Liegenschaften summieren sich auf 1,152 Millionen Euro plus Wartungskosten in den Folgejahren.

Die von Wagemeyer ins Spiel gebrachte Kompromisslinie orientierte sich an der erforderlichen europaweiten Ausschreibung für alle städtischen Anschaffungen über mehr als 250 000 Euro brutto. Da ein so langwieriges und aufwendiges Verfahren nicht im Sinne eines schnellen Schutzes in diesem Winter ist, verständigte sich der Bürgermeister mit den Parteien auf eine pragmatische Lösung.

CDU und Grüne hatten die Stadt in ihrem Antrag aufgefordert, Räume mit besonders hohem Gefährdungspotenzial zu identifizieren und mit mobilen Luftreinigungsgeräten auszustatten. Dabei hatten sie sich auf zwei Raumtypen fokussiert, in denen Kinder unter zwölf Jahren unterrichtet werden.

„Kleine Räume unter 55 Quadratmeter gibt es in Lüdenscheid fast gar nicht, von mehr als 25 Schülerinnen und Schülern genutzt sind fast alle“, machte Bürgermeister Wagemeyer deutlich, dass die vorgebrachten Kategorien ungeeignet sind. Stattdessen schlug er zur Erweiterung des Antrags vor, Räume unter 60 Quadratmetern sowie Räume, in denen Personen aus unterschiedlichen Klassen oder Gruppen zusammenkommen, als gefährdet einzustufen.

Dazu zählte er Bewegungsräume, jahrgangsübergreifend genutzte Räume oder Räume für OGS und Hausaufgabenbetreuung. Nach ersten Schätzungen dürften diese Eigenschaften auf rund 90 Zimmer in den städtischen Schul- und Kita-Gebäuden zutreffen.

Mit der neuen Lüdenscheider Kategorisierung soll dann eine Förderung beim Land NRW angefragt werden. Da man im Rathaus diesem Ansinnen nur geringe Erfolgsaussichten einräumt, wurde ein weiterer Passus in den Antrag eingefügt. Demnach wird die Verwaltung „für den Fall der Ablehnung des Förderantrags durch das Land“ beauftragt, Haushaltsmittel in Höhe von etwas mehr als 250 000 Euro brutto vorzuhalten, die unmittelbar zum Kauf von mobilen Luftfilteranlagen eingesetzt werden sollen.

So bliebe die Stadt Lüdenscheid innerhalb der Grenze, in der noch eine Direktvergabe des Auftrags möglich ist. „Nach vorläufigen Berechnungen und je nach Preis und Größe des gewählten Modells könnte das für die Anschaffung von 50 bis 80 zusätzlichen Luftfilteranlagen ausreichen. Ich finde, das ist eine beachtliche Zahl“, erklärte Sebastian Wagemeyer.

Schnellgutachten für den Einbau von festen RLT-Anlagen

Im Rat stellten Matthias Hohmann von der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW) und André Laudi von Ingenieurbüro Laudi aus Essen die Ergebnisse einer Untersuchung von drei Lüdenscheider Beispielgebäuden vor. Dabei hatten die Experten im August die Kita Wermecker Grund, die Grundschule Wefelshohl und die Theodor-Heuss-Realschule im Hinblick auf den Einbau geeigneter raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen) unter die Lupe genommen. Aus den Ergebnissen sollten anschließend Rückschlüsse auf den Aufwand und die Kosten für eine Ausstattung aller städtischer Schul- und Kitagebäude gezogen werden. So viel vorweg: Die Übertragbarkeit ist begrenzt. In allen Objekten müsse es immer individuelle Lösungen geben, sagte Hohmann. Für die Kita Wermecker Grund böte sich eine dezentrale RLT-Anlage an, die im Spitzboden des Gebäudes aufgestellt wirde. Für die Grundschule Wefelshohl sprechen sich die Gutachter für eine teilzentrale Lösung aus, bei der die Luft in jeweils zwei Räumen durch eine Anlage im Nebenraum ausgetauscht wird. An der Realschule könnte ein Mix verschiedener Anlagen den erhofften Effekt bringen.

Wagemeyer machte deutlich, dass auch eine Einbeziehung der freien Träger, die vor allem die Kitas betreiben, möglich ist. Er rechnet dort mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 20 000 bis 30 000 Euro. Zudem wird die Anschaffung von CO2 -Ampeln zur Überwachung der Luftqualität in den Klassenräumen angestrebt. „Damit wollen wir auch ein Signal aussenden, dass uns die Gesundheit der Kita-Kinder und Schülerinnen und Schüler nicht egal ist“, betonte Bürgermeister Wagemeyer, der durch Matthias Hohmann von der ZGW bestärkt wurde.

Auf Anfrage von CDU-Ratsherr Christoph Weiland stellte Hohmann zur Effektivität der ausgewählten Anlagen. „Luftreinigungsgeräte reduzieren die Zahl der Viren in der Raumluft um 99,5 Proeznt. Es ist das effektivste Gerät, um Keime aus der Luft zu filtern.“

Mittel- bis langfristig könnte auch der Einbau fester raumlufttechnischer Anlagen in allen Schulen und Kitas erfolgen. Die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung der ZGW und eines Ingenieurbüros wird den Fraktionen zur weiteren Beratung zur Verfügung gestellt. Die Stadt hatte dafür überschlägig mit Kosten von rund 17 Millionen Euro kalkuliert. Bei einem städtischen Eigenanteil der geförderten festen Anlagen von 20 Prozent würden Kosten in Höhe von derzeit 3,4 Millionen Euro bei der Stadt verbleiben.

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