Zeuge spricht über den Tatabend

Gefängnis fängt Post ab: Mordverdächtiger wie ein "Ufo-Mensch"

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Der Angeklagte schrieb aus der Untersuchungshaft einen Brief, in dem er sein weiteres Vorgehen ankündigte.

Die Aussicht auf einen geständigen Angeklagten hat sich im Landgericht zunächst zerschlagen: Der 42-Jährige, dem die Tötung einer 44-jährigen Frau in ihrer Lüdenscheider Wohnung vorgeworfen wird, kündigte in einem Brief aus der Untersuchungshaft an, er wolle auch das neue Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen.

Hagen - Damit droht eine verfahrensabkürzende Verständigung zwischen den Parteien, die den Schwurgerichtsprozess abkürzen könnte, zu scheitern. 

Die Ankündigung des Angeklagten sei „keine Grundlage für eine Verständigung“, stellte gestern der Vorsitzende Richter Christian Potthast fest. Die Tür zu einer Verständigung ist aber noch nicht zugeschlagen: „Ein Geständnis würde sich strafmildernd auswirken“, mahnte der Vorsitzende. Auch Verteidiger Dirk Löber ging davon aus, „dass es zu einer Verständigung kommen soll“. 

Zunächst gab es aber keinen Anlass, das Beweisprogramm abzukürzen. Merkwürdigerweise gibt es viele Zeugen jener Nacht zum 25. Februar 2019, an deren Ende die 42-Jährige tot in ihrer Wohnung lag. Allen voran jener Mann, dem der Angeklagte – vermutlich irrtümlich – ein intimes Verhältnis zu der von ihm Getöteten vorgeworfen hatte. „Sie sind fast der letzte, der sie am 25. Februar lebend gesehen hat“, begrüßte der Vorsitzende den Zeugen. 

Er berichtete unspektakulär vom gemeinsamen Abend mit der 42-Jährigen, mit der er „befreundet“ gewesen sei: „Ich bin zu ihr gegangen, und da haben wir gesessen. Sie hat mir Kleidung gezeigt. Und dann hat der Angeklagte angefangen zu klopfen.“ 

Er habe mit dem Hinweis, man hätte doch nichts zu verbergen, veranlasst, dass die 42-Jährige den nächtlichen Randalierer einließ. „Er ist dann in die Wohnung hineingesprungen wie ein Wilder.“ Später konkretisierte der Zeuge seinen Eindruck und würdigte den angeblich außerirdischen Blick des Angeklagten: „Seine Augen waren so wie aus dem Kosmos – wie ein Ufo-Mensch.“ 

Der Ruhestörer hatte allerdings ein Anliegen, an das sich der Zeuge so erinnerte: „Er wollte mit ihr (der später Getöteten) zusammenleben und Sex mit ihr haben.“ Und er wollte wissen, ob der Zeuge „Sex“ mit ihr habe. „Was interessiert dich das?“, wies der Zeuge die Frage schroff zurück, bevor er den Ruhestörer „wegjagte“. „Ich habe noch ein bisschen bei ihr gesessen – dann bin ich nach Hause gegangen“, erinnerte sich der 47-Jährige. Zurück ließ er noch einige Ratschläge: „Tür abschließen, keinen reinlassen und das Telefon abstellen. Mach einfach die Tür nicht auf!“ 

Ein weiterer Zeuge aus dem Mehrfamilienhaus bestätigte, dass der Angeklagte von dem Thema „Sex mit einem anderen Mann“ geradezu besessen war. Beim ersten Besuch an jenem Abend hatte er ihn um Unterstützung für ein Fotoprojekt gebeten: „Er wollte ein Foto davon machen, wie sie mit ihm schläft.“

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