Betreten nur im Schutzanzug

Giftiger Asbest an Lüdenscheider Tunnel-Decke: tatsächlich einmalig in Deutschland

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Eine Tunnel-Röhre ist hermetisch abgeriegelt. 

Lüdenscheid – Die Recherche der Experten hat ergeben. Dieser Rathaus-Tunnel ist in Deutschland vermutlich einmalig. Zumindest hat niemand zuvor versucht, in einer ähnlichen Situation Asbest zu entfernen. Lüdenscheid wird Vorreiter sein. 

Luftdicht verschlossen ist derzeit die asbestverseuchte östliche Röhre des Rathaus-Tunnels. Das Betreten ist streng verboten. Es besteht akute Gesundheitsgefahr. „Wir sind angewiesen, uns nicht mehr als notwendig im Tunnel aufzuhalten“, sagt Bauleiter Carsten Spreemann von Straßen.NRW. 

Wochenlang hat kein Mitarbeiter die stillgelegte Baustelle von innen gesehen. Doch bald wird die Türe wieder geöffnet: Die nächsten Untersuchungen stehen an – im Schutzanzug. Ein Sachverständigen-Büro ist damit beauftragt, Erkenntnisse über den Umfang der Asbestbelastung zusammenzutragen.

Dabei wird unter anderem geprüft, ob die sogenannten Abstandhalter im Stahlbeton aus Asbest bestehen. Durch die Abstandhalter wird verhindert, dass das Stahlskelett in Kontakt mit Luft kommt und korrodiert. Sollten auch diese Komponenten asbesthaltig sein, würde das den Sanierungsaufwand noch einmal erhöhen. 

Schon fest steht, dass Asbest-Platten in der Tunnel-Decke verbaut wurden. Sie müssen entfernt werden. „Sie sind sichtbar und damit händelbar“, sagt Bauleiter Spreemann, der auch verriet, um welche Mineralfasern es sich in Lüdenscheid handelt. Chrysotil- oder Weißasbest ist die am häufigsten vorkommende Asbestform. Sie gilt als krebserregend. 

Ursprünglich sollte die betroffene Tunnelröhre Ende 2020 wieder freigegeben werden. Durch den Asbest-Fund wird der Termin aber nicht zu halten sein. Voraussichtlich im August werden die Gutachten zusammengetragen, um auf Grundlage der Ergebnisse ein Sanierungskonzept zu erstellen. Anschließend werden die Arbeiten ausgeschrieben. 

„Üblich ist bei der Asbest-Beseitigung zunächst eine Probesanierung, an die sich bei positivem Verlauf sofort die Komplettsanierung anschließt“, erklärt Carsten Spreemann. Seriös könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wann die Maßnahme abgeschlossen ist. Dasselbe Prozedere ist dann auch noch für die baugleiche westliche Tunnel-Röhre erforderlich. Sie bleibt bis dahin geöffnet. 

Unterdessen laufen mit jedem Tag hohe Kosten für den Bauherrn Straßen.NRW auf. Mit den sogenannten Stillstandskosten wird die ausführende Baufirma für bereitgehaltene Mitarbeiter und Maschinen „entschädigt“. 

Erschwerend kommt hinzu, dass die Suche nach vergleichbaren Fällen im Bundesgebiet ergebnislos verlief. Eine Asbestsanierung im Hamburger Elbtunnel betraf die Wände und war damit weniger komplex als die Ausgangslage im Lüdenscheider Rathaus-Tunnel, berichtet der Bauleiter. Die beteiligten Behörden und Firmen betreten mit ihrem Sanierungskonzept also in jedem Fall Neuland.

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