Ergreifende Aufführung zur Pogromnacht

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Theaterstück im Kulturhaus: Zerrissenheit in der Schule: Die Schüler müssen miterleben, wie ihr mutiger Lehrer suspendiert wird.

Lüdenscheid - Mit dem Musiktheaterstück „Die Erinnerung bleibt“ von Gandhi Chahine erinnerten jugendliche Laiendarsteller im nahezu ausverkauften Kulturhaus an die schrecklichen Ereignisse der Pogromnacht 1938. Die Aufführung folgte auf die Gedenkfeier mit Ansprachen, Liedbeitrag und Kranzniederlegung an der Gedenktafel Stadtbücherei.

Hella Goldbach von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit erinnerte in dem erschütternden Gedicht „Asche“ einer unbekannten Holocaustüberlebenden an die rauchenden Schlote des Konzentrationslagers Auschwitz, an verströmendes Gas, das für immer die Münder verschloss.

Bürgermeister Dieter Dzewas und Hella Goldbach legten Blumen an der Gedenktafel nieder.

 „Die Erinnerung bleibt dennoch“, sagte Goldbach, die, gefolgt von Bürgermeister Dieter Dzewas, Blumen an der Gedenktafel niederlegte. Rüdiger Drallmeyer erzählte in seinem Lied „Kristallnacht in Lüdenscheid“ von jüdischen Lüdenscheider Schicksalen. Hierauf nahm auch Dzewas Bezug und schloss: „Allen wird Duckmäusertum, Unterwürfigkeit und Angst begegnen. Es gilt, diesen Haltungen entschlossen entgegenzutreten, das Bewusstsein für die Demokratie zu schärfen und auf unsere Kinder zu setzen, denn diese sind unsere Zukunft“.

„Die Zukunft“ kam dann auch in großer Zahl ins Kulturhaus. Mindestens 400 Schüler waren mit ihren Lehrern gekommen, dazu viele Bürger aller Altersstufen. Sie erlebten eine ergreifende Aufführung. Die Darstellung rankte um die jüdische Frau Rosenthal, die einen kleinen Laden betreibt, um die innere Zerrissenheit deutscher Kunden, als das Schild „Deutsche kauft nicht bei Juden“ im Schaufenster prangt.

Die Akteure fanden im Kulturhaus ein überwiegend junges Publikum vor.

Immer ging es auch um die Frage nach eigenen Entscheidungen, um die Gefahr für jeden, der Juden hilft. Die inneren Prozesse wurden in Liedern vertieft. Den jungen Darstellern zwischen zwölf und 25 Jahren gelang eine fesselnde Zeitreise in dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte. Sie fanden ein temperamentvolles, überwiegend junges Publikum vor, das gespannt, offen und interessiert die Ereignisse auf der Bühne verfolgte. Viel Applaus – zum Teil stehend dargebracht – gab es am Schluss. Überwältigt von der Resonanz zeigte sich Hella Goldbach.

Ihr Dank galt allen Schülern und Lehrern, die gekommen waren, sowie Kulturhausleiter Stefan Weippert und der Sparkasse Lüdenscheid, die die Aufführung sponserten. Präsente gab es für den Regisseur Chahine und Projektleiter Dirk Schubert. Chahine: „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, mitzuwirken, dass solche Dinge sich nicht wiederholen“. Die Aufführung war ein gelungener Beitrag dazu. - von Yasmin Alijah

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