Gedenken an NS-Opfer mit szenischer Lesung „Korczak und die Kinder“

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Rudolf Sparing als Sprecher, Gerhard Winterhager als Doktor Korczak, Ruth Schimanski als Schwester Ruth und Christian Michael Donat als deutscher Offizier (von links) erzählten das Stück.

Lüdenscheid - Die Rezitatoren verließen ihre Plätze und das Publikum schwieg: Mit andächtiger Stille honorierten rund 80 Zuschauer am Freitag die szenische Lesung „Korczak und die Kinder“ zum Gedenken an die NS-Opfer. Dieses Schweigen sagte mehr als Beifall es hätte ausdrücken können. Das Ensemble K hatte sein Publikum im Roten Saal des Kulturhauses tief bewegt, einige Zuschauer wischten sich Tränen aus den Augen.

Für die traditionelle Gedenkveranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zum Jahrestag der Befreiung des Vernichtunglagers Auschwitz hatte Rudolf Sparing das Stück von Erwin Sylvanus für sein Ensemble zu einer szenischen Lesung umgearbeitet. Er selbst fungierte als Sprecher, wodurch betont wurde, dass das Stück auf der wahren Geschichte von Dr. Janusz Korczak beruht.

Gerhard Winterhager übernahm die Rolle von Doktor Korczak, der die 200 Kinder aus seinem Waisenhaus im Warschauer Ghetto in die Gaskammer von Treblinka begleitete und bis zuletzt beruhigte, sogar mit ihnen sang. Christian Michael Donat war der deutsche Offizier, der sein Gewissen zu beruhigen suchte, indem er betonte, nur Befehle auszuführen, Ruth Schimanski war die Schwester des Waisenhauses, die zurückblieb. Wie die Reaktion des Publikums zeigte, war die Form der Inszenierung perfekt gewählt, um den Inhalt des Stückes, die Grausamkeit des NS-Regimes und das Leid der Opfer zu dokumentieren.

Der Aufführung voraus gegangen war das Gedenken an der Tafel an der Rückseite der Stadtbücherei. Hella Goldbach als Vorsitzende der Christlich-jüdischen Gesellschaft und Bürgermeister Dieter Dzewas legten Blumen nieder. Peter Zimmer rezitierte ein Gedicht der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler.

Dzewas sprach angesichts aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen von einer „Herausforderung für uns Demokraten“. Politische Aussagen der AFD oder die Tatsache, dass Menschen, die sich für Flüchtlinge und für die Demokratie stark machen, bedroht werden, machten deutlich: „Demokratie war nie ein Automatismus und nie selbstverständlich.“ Es sei wichtig, nachfolgenden Generationen zu vermitteln, dass auch die Massenvernichtung der NS-Zeit mit Ausgrenzung angefangen habe.

Hella Goldbach erinnerte an das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, indem sie Berichte von Zeitzeugen vortrug, die von Versuchen des KZ-Arztes Mengele mit Zwillingen und dem Anblick der Überlebenden bei der Befreiung durch die Sowjet-Armee handelten. Sie mahnte. „Es ist unsere Pflicht, über den Holocaust zu berichten, aufzuklären, um eine Wiederholung der grauenhaften Geschehnisse zu verhindern.“

Im Kulturhaus berichtete sie schließlich von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, wo in einer Kinderhalle der 1,5 Millionen Kinder gedacht wird, die in NS-Vernichtungslagern umgekommen sind.

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