"Im Gedenken der Kinder": Ausstellung Kindereuthanasie

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Mehr als 100 Gäste waren am Montagabend bei der Eröffnung der Ausstellung „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“ im Rathaus und haben sich den Eröffnungsvortrag angehört.

Lüdenscheid - Niemals hat es in Deutschland ein Euthanasie-Gesetz gegeben – doch mehr als 10.000 Menschen fielen seit 1939 bis 1945 den verschiedenen Programmen zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ zum Opfer. Eine Ausstellung dazu wurde am Montag eröffnet.

Um die Erinnerungen an die Menschen und die Verbrechen wach zu halten, wurde Montagabend die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“ im Rathaus eröffnet. 

„Das ist nicht die erste dieser Ausstellungen bei der ich spreche“, sagte Prof. Dr. Thomas Beddies als Kurator der Gastausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und Referent des Eröffnungsabends. „So viele Besucher wie heute waren es bisher aber noch nie.“ Mehr als 100 Gäste waren gekommen, um seinem eindringlichen Vortrag „Krankenmorde im Nationalsozialismus“ zu lauschen. 

Dabei betonte Beddies gleich zu Beginn: „Wir sprechen hier nicht von Euthanasie – wir sprechen von NS-Krankenmorden. Denn es war Mord.“ Die Täter waren immer Ärzte, die den Tod der Kinder herbeiführten – und die Opfer allesamt Schutzbefohlene, sagte er. „Die Abhängigkeit der Kinder wurde missbraucht“ und Eltern seien hintergangen worden.

„Die Opfer wurden entmenschlicht“ 

Die Täter hatten eine eingeschränkte Wahrnehmung, erklärte Dr. Beddies weiter: „Die Opfer wurden entmenschlicht, ihr Leben als nicht lebenswert angesehen.“ Über die Taten, bekannte Fälle und Vernebelungsargumente damaliger Ärzte sprach er ausführlich. „Noch nie haben Ärzte so gleichgültig Menschenversuche durchgeführt.“ 

Prof. Dr. Thomas Beddies sprach über „Krankenmorde im Nationalsozialismus“.

„Es ist wichtig, sich mit diesem schwierigen Kapitel der Geschichte auseinanderzusetzen“, betonte auch Bürgermeister Dieter Dzewas, der die Ausstellung als Schirmherr eröffnete. „Erinnerungskultur hat mit verantwortungsvoller Umgehensweise mit unserer Geschichte zu tun.“ Darüber dürfe man nicht hinwegsehen. 

„Werden immer wieder damit konfrontiert“ 

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich um die Wissenschaft der Zeit gehandelt habe, sagte Dr. Beddies. Zwar sei er überzeugt, dass sich die Verbrechen nicht einfach wiederholen werden. Dennoch seien diese Dinge zeitlos und die Menschen werden immer wieder mit solchen Themen konfrontiert, betonte er. „Wichtig ist, wie wir damit umgehen.“ 

Zur Zeit des Nationalsozialismus hätten Menschen entschieden, dass einige Neugeborene sterben müssten. „Heute kommt behindertes Leben oft gar nicht mehr zur Welt, etwa Kinder mit Trisomie 21“ und der Zeitraum für Abtreibungen werde immer weiter nach hinten verschoben. Es sei einfach wichtig, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. „Es gibt viele gute Gründe, auf bestimmte historische Ereignisse hinzuweisen.“

Führungen durch die Ausstellung:

Neben einem wöchentlichen Rahmenprogramm gibt es auch öffentliche Führungen durch die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“: 

- Mittwoch, 31. Oktober, 11 Uhr, 

- Mittwoch, 14. November, 11 Uhr und 

- Mittwoch, 28. November, 11 Uhr. 

Im Anschluss daran und als Alternativprogramm gibt es in der Zeit von 12 bis 13 Uhr einen Stadtgang „Auf den Spuren der NS-Zeit“. Führungen für Schulen, Vereine und Gruppen sind jeweils nach Vereinbarung unter Tel. 0 23 51/86 06 35 und 0 23 51/2 51 38 möglich. 

Die Ausstellung kann ab sofort und bis zum 7. Dezember im Bürgerforum des Rathauses besucht werden. Möglich ist das zu den Öffnungszeiten des Rathauses: montags bis donnerstags in der Zeit von 8 bis 18 Uhr und freitags in der Zeit von 8 bis 16 Uhr. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

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