Gedenkblatt aus dem Ersten Weltkrieg

Erinnerung an einen gefallenen Soldaten

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Dieses Gedenkblatt erhielten während des Ersten Weltkrieges die Angehörigen aller Gefallenen Soldaten.

Lüdenscheid - Am 11. November 1918 – also vor fast genau 100 Jahren – endete der Erste Weltkrieg, der unter anderem als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ gilt. Allein aus dem damaligen deutschen Kaiserreich starben rund zwei Millionen von 13,25 Millionen Soldaten. Einer von ihnen war Johannes Templin, gefallen am 25. März 1918. Das Gedenkblatt, das die Angehörigen nach seinem Tod erhielten, wird Teil des Virtuellen Museums.

Dieses Gedenkblatt ist eine Farblithografie des Graphikers Emil Doepler. Sie zeigt einen Engel, der sich über einen toten Soldaten beugt und ihm einen Eichenzweig reicht. Darüber steht das Bibelzitat „Wir sollen auch unser Leben für die Brüder lassen.“ (1. Joh. 3, 16). Vorgedruckt steht unter dem Bild „Zum Gedächtnis des … Er starb fürs Vaterland am …“ Namen, Truppenteil des Soldaten und Todestag wurden handschriftlich ergänzt. Dahinter folgt die Faksimile-Unterschrift des Kaisers „Wilhelm R.“. Der Druck hat die Maße 44 x 32 Zentimeter.

In das Depot der Lüdenscheider Museen gelangte mit diesem Gedenkblatt auch die dazugehörige Verleihungsurkunde des Kriegsministeriums. Beides erhielten die nächsten Angehörigen, in der Regel die Ehefrau oder die Eltern, aller im Krieg umgekommenen deutschen Soldaten automatisch. Kaiser Wilhelm II. hatte es am 27. Januar 1915 aus Anlass seines Geburtstages per „allerhöchster Kabinettsorder“ in Auftrag gegeben. Im Februar genehmigte er den Entwurf und wählte selbst den Bibelspruch aus. Das Gedenkblatt sollte den Dank des Vaterlandes ausdrücken und als bleibende Erinnerung dienen.

Das Ersatzbataillon des Regiments, zu dem der gefallene Soldat gehörte und das zumeist in der Garnison verblieben war, ermittelte dazu die Heimatadresse und verschickte oder überbrachte das Gedenkblatt. Das Kriegsministerium hatte den Erlass dazu am 29. März 1915 ausgestellt. Auch die Angehörigen zuvor getöteter Soldaten erhielten es nachträglich. Die Gedenkblätter wurden bis Kriegsende für alle Gefallenen ausgestellt.

Große Not für Witwen und Waisen

Aus heutiger Sicht mag so ein verklärendes Bild wohl eher wie blanker Hohn wirken angesichts des Verlustes, den die Familien erlitten. Oftmals starb nicht nur ein geliebter Mensch, sondern auch der Ernährer der Familie. Sogenannte Kriegswitwen und -waisen gerieten vielfach in große wirtschaftliche Not, die auch nach dem Krieg anhielt. Aber gemäß des damaligen Zeitgeistes mag ein solches Gedenkblatt als Geste durchaus von vielen Menschen als Zeichen der Wertschätzung empfunden worden sein.

Über Johannes Templin ist nichts in den Unterlagen der Museen dokumentiert. Das Gedenkblatt dürfte von seinen Nachfahren übergeben worden sein. Ob der Verstorbene selbst in Lüdenscheid gelebt hat, lässt sich nicht genau sagen. Möglicherweise ist es auch später mit seinen Angehörigen in die Bergstadt gelangt. Denn in den Verlustlisten des Ersten Weltkrieges wird kein Johannes Templin aus Lüdenscheid geführt. Allerdings sind die Soldaten dort meist nach Geburtsort und nur selten nach dem Heimatort aufgeführt.

Verlustlisten im Internet

Seit 2014 kann im Internet unter www.verlustlisten.de auf Verlustlisten des Ersten Weltkrieges aus dem damaligen deutschen Kaiserreich zugegriffen und gezielt nach Namen gesucht werden. Die Daten beruhen auf den Listen, die während des Krieges in allen Städten und Gemeinden veröffentlicht wurden. Auf 31.000 Seiten im Zeitungsformat haben die deutschen Behörden im Ersten Weltkrieg kurz verzeichnet, welche Soldaten verwundet, vermisst oder gefallen waren. Diese Listen wurden in Verordnungs- und Anzeigeblättern veröffentlicht. Fast 800 Ehrenamtliche haben in rund drei Jahren mehr als 8,5 Millionen Datensätze, die zuvor bereits in gedruckter Form in 125 Bänden veröffentlicht waren, in einen Crowdsourcing-Projekt des Vereins für Computergenealogie (DES genannt) erfasst und über die Internetseite zugänglich gemacht. Mit Name, Vorname und Geburtsort kann dort nun gezielt nach Soldaten des Weltkrieges gesucht werden.

Aufgeführt wurden in den Listen, die chronologisch und zum großen Teil nach militärischen Einheiten sortiert sind, nicht nur die Toten und Vermissten, sondern auch die Verwundeten und diejenigen, die in Gefangenschaft gerieten und diejenigen, die in Folge einer Krankheit starben oder verunglückten. So kann es sein, dass jemand seinen Vorfahren mehrmals in der Liste findet, weil derjenige mehr als einmal verwundet wurde. Angegeben sind neben Namen und Geburtsort meistens noch der Dienstgrad und der Geburtstag – in den früheren Listen auch mit Geburtsjahr, später nur noch mit Tag und Monat – sowie die „Art des Verlustes“, das heißt, ob derjenige gefallen war, leicht oder schwer verwundet oder gefangen genommen wurde. Manchmal ist auch das Sterbedatum angegeben.

Insgesamt verloren rund zehn Millionen Soldaten an den Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkriegs ihr Leben. Hinzu kamen noch einmal sieben Millionen zivile Opfer, nicht zuletzt durch Hunger und Krankheiten. Insgesamt wird die Zahl der Toten weltweit mit rund 17 Millionen Menschen angegeben.

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