Planungssicherheit

Gastronomen im MK: 2G ist auch keine Alternative

Im Sommer bleiben die meisten Gäste vor den Lüdenscheider Cafés, Restaurants und Kneipen sitzen. Im Herbst werden für Inhaber und Betreiber die Hygienemaßnahmen für die Innenräume wieder oberste Priorität haben.
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Im Sommer bleiben die meisten Gäste vor den Lüdenscheider Cafés, Restaurants und Kneipen sitzen. Im Herbst werden für Inhaber und Betreiber die Hygienemaßnahmen für die Innenräume wieder oberste Priorität haben.

Nur Geimpfte und Genesene? Oder auch Getestete? 2G oder 3G? Die Lüdenscheider Gastwirte und Restaurantbetreiber verfolgen diese Debatte relativ gleichgültig. Ihr größtes Anliegen bleibt auch nach dem Bund-Länder-Treffen am Dienstag unerfüllt: Planungssicherheit.

Lüdenscheid – „Es muss endlich eine Regelung geben, die sicherstellt, dass Gaststätten geöffnet bleiben können“, fordert Nihad Kumalic, Inhaber des Alten Capitols in der oberen Altstadt. Das sei wichtiger, als über einen Ausschluss von Getesteten in Kneipen zu diskutieren.

So sieht es auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Wir brauchen eine Offenhaltungsperspektive“, fordert Renate Dölling, Geschäftsführerin der Dehoga Münsterland. Diese sei durch die aktuellen Regelungen nicht gegeben. Doch nicht nur die „Gastgeber“, sondern auch die Gäste seien verunsichert. „In Niedersachsen gelten andere Regeln als in Nordrhein-Westfalen“, sagt Dölling. Vor allem für Hoteliers sei es schwierig, wenn sie Gäste aus anderen Bundesländern beherbergen möchten.

Zu den regionalen Unterschieden im Hygiene-Regelwerk, komme auch die Corona-Müdigkeit der Menschen, sich über die gerade aktuellen Schutzmaßnahmen zu informieren – und als Konsequenz ließen sie einen Besuch im Café oder Restaurant ausfallen. „Das tötet jegliche Spontanität“, sagt Kumalic. Die Leute überlegten es sich zweimal, ob sie vor die Tür gingen, denn vorher müssten sie ja erst die aktuellen Vorschriften studieren. „Erst, wenn eine eindeutige und andauernde Regelung gilt, kann über 2G oder 3G geredet werden“, sagt der 55-Jährige.

Nihad Kumalic, Inhaber des Alten Capitol, wünscht sich eine klare Regelung für die Lüdenscheider Gastronomie.

Für Kumalic ist klar, dass er weiterhin Getestete in seinen Laden hineinlassen möchte. „Eine Person, die sich jeden Tag testen lässt, ist wahrscheinlich weniger ansteckend als eine geimpfte Person.“ Und wenn das Testen plötzlich nicht mehr sicher sei, warum sei es dann weiterhin bei der Einreise an Flughäfen vorgeschrieben? „Ich bin kein Impfgegner“, betont Kumalic. Ihn störe nur, dass sich Regierung und Behörden nicht auf eine einheitliche Strategie einigen könnten, die allen Beteiligten langfristige Sicherheit gebe – sowohl gesundheitliche als auch wirtschaftliche.

Der Interessenverband Dehoga fordert von der Politik, mehrere Daten für die Hygienevorschriften zu berücksichtigen. „Völlig unverständlich ist, dass es nach wie vor kein angepasstes Konzept gibt, das für die verschärften Zugangsregelungen weitere Kriterien neben der Sieben-Tages-Inzidenz zur Bewertung heranzieht“, teilt NRW-Pressesprecher Thorsten Hellwig mit. Derzeit sei immer noch keine Formel festgelegt worden, die andere Faktoren wie die Impfquote oder die Auslastung der Krankenhäuser berücksichtige. „Es ist nicht zu verstehen, dass hier immer noch alles beim Alten bleibt“, reklamiert Haakon Herbst, Dehoga-Regionalpräsident NRW.

Wichtig sei die Testinfrastruktur aufrecht zu erhalten. „Auch wenn das Testen kostenpflichtig wird, muss sichergestellt sein, dass zumindest die Bürger, die sich nicht impfen lassen können, eine einfache Möglichkeit haben, sich testen zu lassen“, fordert Hellwig.

Aus praktischer Perspektive sei eine 2G-Regelung aber definitiv keine Arbeitserleichterung für das Personal. „Auch wenn ich nur Geimpfte und Genesene hineinlassen kann, kontrollieren muss ich jeden“, sagt eine Wirtin aus Lüdenscheid. Dann mache es keinen Unterschied, die Getesteten hineinzulassen oder abzuweisen.

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