Inzidenz-Stufensystem endet

Gastro, Disco, Friseure zur 3G-Regel: Erleichterung und neue Befürchtungen im MK

Ab Freitag gelten in Nordrhein-Westfalen laut Coronaschutz-Verordnung die 3G-Regeln. Friseure dürfen dann keinen ungetesteten Kunden mehr die Haare schneiden.
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Ab Freitag gelten in Nordrhein-Westfalen laut Coronaschutz-Verordnung die 3G-Regeln. Friseure dürfen dann keinen ungetesteten Kunden mehr die Haare schneiden.

Bereits am Freitag, 20. August, wird die neue Corona-Verordnung gelten. Händler, Dienstleister und Gastronomen in Lüdenscheid bewerten das Inkrafttreten der 3G-Regeln (geimpft, getestet, genesen) mit gemischten Gefühlen – zwischen Abwarten, Erleichterung und Befürchtungen.

Lüdenscheid – Der Betreiber der Diskothek Saitensprung freut sich über die neue Regelung: „Zum Arbeiten ist die neue Verordnung sehr gut“, sagt Armin Klose. Allerdings wird er an diesem Wochenende noch nicht öffnen, sondern recherchieren. „Ich werde am Wochenende in anderen Diskotheken schauen, wie dort mit den neuen Regeln umgegangen wird“, erklärt Klose und peilt eine Wiederöffnung des Saitensprungs am 27. August an.

Zudem sei der Erlass der neuen Verordnung zu kurzfristig, um die benötigte Ware einzukaufen. Positiv sei der Wegfall der Kontaktverfolgung, die in der neuesten Novelle der Coronaschutzverordnung nicht mehr erwähnt werde. „Das erspart uns den großen Batzen an logistischer Arbeit“, ist Klose erleichtert. Dafür müssen die Gastwirte ab Freitag konsequenter sein: „Da wir im Märkischen Kreis bei einer Inzidenz von über 35 liegen, ist von den Veranstaltern und Gastronomen zu kontrollieren, ob jemand immunisiert oder negativ getestet ist – andernfalls muss der Zutritt untersagt werden“, macht Kreissprecher Alexander Bange deutlich.

Marc Tegtmeyer, Sprecher des örtlichen Gastro-Vereins, sieht „bei allem Verständnis für die Maßnahmen“ auch neue Probleme auf die Gastwirte zurollen. „Wir sind nun die Exekutive und müssen unsere Gäste kontrollieren – und im Zweifel eben auch abweisen“, so der Lüdenscheider, selbst Inhaber der Tanzschule S an der Humboldtstraße.

Durch den Wegfall der Dokumentationspflicht gebe es einerseits weniger Aufwand, andererseits müsse der Status jedes einzelnen Gastes genau überprüft werden. „Lüdenscheider Branchenkollegen, die beispielsweise Hochzeiten mit Tanz ausrichten, haben außerdem schon Absagen bekommen, weil viele Gäste nicht bereit sind, sich extra wegen einer Party kostenpflichtig testen zu lassen.“ Der Appell der Wirte lautet nach Worten Tegtmeyers: „Lasst euch bitte alle schnell impfen, damit wir die Sache gemeinsam hinter uns bringen!“

Der Einzelhandel profitiert in erster Linie vom Wegfall der Quadratmeter-Begrenzung. Wie Daniel Dalsasso, Manager des Stern-Centers, sagt, findet sich in der neuen Corona-Schutzverordnung, die offiziell ab Freitag greift, keine Zugangsbeschränkung für die Ladenlokale mehr. Die 3G-Regel gilt allerdings für die im Center arbeitenden Friseure. Die Maskenpflicht bleibt im gesamten Einkaufszentrum bestehen.

Oberstes Ziel für den Manager des Stern-Centers bleibt nach eigenen Worten „die 100-prozentige Einhaltung aller Vorgaben“, um Kunden und Mitarbeiter vor Infektionen zu schützen. Daniel Dalsasso: „Wir wollen auch unter den immer noch erschwerten Bedingungen ein möglichst unbeschwertes Einkaufserlebnis bieten.“

Sieben Quadratmeter Trainingsfläche pro Sportler – diese Einschränkung gilt ab Freitag in den Fitness-Studios nicht mehr. Auch die Vorgaben für eine Raumlüftung und Luftreinigung finden sich laut Jens Ellermann, Inhaber der Fitenss-Factory an der Altenaer Straße, in der neuen Verordnung nicht – „obwohl wir viel in diese Geräte investiert haben“. Doch er sei sicher, dass die Kundschaft auch weiter Wert auf saubere Luft im Studio legt. Während die Sportler auf den Gemeinschaftsflächen weiter Masken tragen müssen, gilt die Pflicht des Mund-Nasen-Schutzes an den Trainingsgeräten nicht. Am Eingang wird die Einhaltung der 3G-Regel bei jedem Gast überprüft.

Friseure müssen sich ab Freitag erstmals mit Testergebnissen auseinander setzen. Bisher waren die Salons entweder geschlossen oder mussten unter erhöhten Hygienemaßnahmen arbeiten. „Jetzt muss ich die Kunden nach einem negativen Test fragen“, sagt Friseurmeisterin Gaby Boese, Salon-Inhaberin an der Grabenstraße. Ansonsten habe sich am Arbeitsalltag ihrer Branche nichts geändert. So gilt auch weiterhin eine Pflicht, die Haare der Kunden und Kundinnen zu waschen, bevor sie geschnitten werden. Zwar könnten Kunden jetzt auch ohne Termin zum Haareschneiden kommen, doch wenn kein Platz frei sei, „kommt man halt auch nicht sofort dran“, lacht Boese.

Ein regelmäßiger, negativer Test der Angestellten sei weiterhin notwendig. „Meine Mitarbeiterinnen und ich lassen uns sowieso jeden zweiten Tag testen. Sicher ist sicher“, sagt Boese.

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