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Gastro-Betriebe in Lüdenscheid zwischen Aufgabe und Aufbruchstimmung

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Von: Susanne Kornau

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Vormann-Brauerei, Lüdenscheid
Für den Reidemeister soll es in diesem Jahr endlich wieder eine Perspektive geben. Die Vormann-Brauerei will als Nächstes die Fassade renovieren und dann mit dem runderneuerten Objekt auf Pächtersuche gehen. © Cedric Nougrigat

Abwarten, anpacken, aufgeben: Ein sehr schwieriges Jahr liegt hinter der heimischen Gastronomie. Das Auf und Ab hat Folgen, fordert Treue und Geduld von Gästen, Motivation und Durchhaltevermögen von Gastronomen.

Lüdenscheid – Weil ein Neustart in der Pandemie besonders schwierig ist, setzt sich auch Christian Vormann, Chef der Vormann-Brauerei (Hagen-Dahl), nicht unter Zeitdruck. Er ist erst einmal froh, dass eines der Traditionsobjekte unter seiner Ägide, das Gasthaus Budde, „passt“. Hier fiel der Start mit dem Pandemiebeginn zusammen. Trotzdem funktioniere es: „Das macht mir richtig Freude“, sagt er. Das wünscht er sich nun ebenfalls für den Reidemeister, der innen fast fertig sei. „Die Wohnung ist sensationell geworden“, schwärmt der Brauerei-Chef. Auch die Aussicht aufs bald sanierte Umfeld stimmt ihn optimistisch. „Das wird schon klasse, ein Stück tolle Altstadt.“

Traurig ist hingegen Christopher Steinhauer, der in schwierigen Zeiten das Humboldt’s als Geschäftsführer übernommen hatte. Er musste seine Gäste nun über die Schließung informieren. Durch die Lockdowns seien die Reserven aufgebraucht worden. Im Sommer habe das Geschäft angezogen, doch steigende Corona-Zahlen hätten die Gäste nachhaltig verunsichert: „Im Weihnachtsgeschäft hatten wir über 90 Prozent Stornierungen.“ Dazu kommt: „Es ist unheimlich schwierig geworden, adäquates Personal für die Gastronomie zu finden. Ganz viele Kräfte haben sich Alternativen gesucht, sich umorientiert.“ Nun muss auch er sich neu orientieren. Was aus dem Humboldt’s wird, das von den Räumen her auf Gastronomie zugeschnitten ist, ist noch unklar, ebenso, ob ein Insolvenzantrag gestellt oder der Geschäftsbetrieb nur eingestellt wird. Er jedenfalls muss die Frage, wie’s weitergeht, nicht mehr beantworten.

Viele Antworten gefunden hat in den zurückliegenden Monaten die Mannschaft des Hotel/Restaurants Passmann in Brügge. Neue Geräte, Warten auf Handwerker, Sanierung, das alles hat gedauert. Doch nun kann Silke Passmann ihren Gästen mitteilen, dass die neue Terrasse steht, der Flutschaden weitgehend behoben ist und auch lange Lieferfristen und das Warten auf neue Ausstattung (Stichwort Küchenbrand) irgendwann enden. „Wir hoffen, ab Februar wieder in alter Frische für Sie da sein zu dürfen“, hat sie den Gästen ihres Hauses signalisiert: „Was lange währt, wird hoffentlich auch bald wieder gut.“ Der Familie, der Mannschaft und den Gästen wünscht Silke Passmann nach dem kräftezehrenden vergangenen Jahr jedenfalls Zuversicht und „dass 2022 bald ein Stück Unbeschwertheit und Normalität zurückbringt“.

Endlich einmal wieder Normalität würde sich auch Willi Denecke wünschen. Er lenkt die Geschicke im Café Schröder’s – und das hat er nun erst einmal geschlossen, „voraussichtlich bis März“. „2G+ macht keinen Sinn“, findet Denecke. „Die Kosten werden höher, die Situation ist nicht glücklich.“ Also hat man sich entschlossen, Pause zu machen, das Café an der Altenaer Straße nach Weihnachten gar nicht mehr zu öffnen und zu gucken, „wie sich das entwickelt“. Schließlich lebt das Konzept auch von Musik, Kultur und Events. Aber das ist schwierig in diesen Zeiten.

Nach dem letzten Lockdown hatte man die Öffnungszeiten im Oktober ohnehin bereits reduziert, hatte nur noch donnerstags, freitags und samstags geöffnet, dazu kamen Reibungsverluste durch Personalwechsel in letzter Zeit.

Doch Denecke wäre nicht der Optimist, der er ist, wenn er die Pause nicht nutzen würde. „Wir basteln an einer kleinen Konzeptveränderung“, kündigt er daher zugleich an. Zum Glück ziehe auch das Personal mit: „Alle sind Gewehr bei Fuß. Wir hoffen aufs Frühjahr.“

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