Gartenfreunde rüsten für den Winter

Den Dahlien, letzten Farbtupfern im herbstlichen Grau, ist Michael Uckert noch nicht auf den Leib gerückt.

LÜDENSCHEID ▪ Es regnet, der Wind reißt die Blätter von den Bäumen – und kalt ist es auch. Es könnte November sein. Ein Blick auf den Kalender zeigt: Es ist Oktober. Zeit also, den Garten für den Winter zu rüsten.

Das haben sich offenbar auch viele Lüdenscheider an diesem Samstag gedacht – so ist der Parkplatz vor dem Gartencenter Cordt am Hulsberg gut gefüllt.

„Heide in allen Farben ist der Renner“, erzählt Wolfgang Schmidt. An seinem Arbeitsplatz im Außenbereich des Gartencenters Cordt ist es ungemütlich kalt. Das erträgt Schmidt mit stoischer Ruhe – und einem Paar dicker Fleecehandschuhe. „Schön ist anders. Aber die Kunden brauchen jetzt Sträucher und Pflanzen. Es wird schließlich Zeit, den Garten und die Gräber winterfest zu machen“ Neben Blumen, Obst- und Beerensträuchern verkauft Schmidt auch Harken und Spaten. Was über das Jahr kaputt gegangen ist, muss nun schnell ersetzt werden.

Schmidts Kollegin Anna Wermeyer hat im heimischen Garten den Kampf gegen das wild wachsende Unkraut aufgenommen: „Unfassbar, was da so alles sprießt.“ Plötzlich steht Wolfgang Schmidt neben seiner Kollegin, zieht die Handschuhe von den durchgefrorenen Hände und genießt die Wärme, die im Inneren des Gartencenters herrscht. Im Freien hält sich heute niemand gern auf.

Auch nicht die Mitarbeiter im Gartencenter des Hellweg-Marktes an der Hohe Steinert. „Verdammt kalt da draußen“, grinst Filialleiter Peter Rust und erzählt, dass an diesem Tag zwei Dinge von den Kunden nachgefragt wurden. „Schneeschaufeln und Streusalz. Nach den Erfahrungen des vergangenen Winters sind die Lüdenscheider gebrannte Kinder.“

Dann zeigt Rust auf bunte Jutesäcke. „Das ist der neue Wärmeschutz für Pflanzen und Sträucher. Die sehen schick aus und bringen Farbe in das Herbstgrau.“ Das tun auch die Alpenveilchen, die Rust zurzeit viel verkauft: „Die halten mehr aus, als so mancher Hobbygärtner denkt.“ Einen Tipp für Hobbygärtner hat Rust auch noch: „Das Laub muss vom Rasen. Sonst fault der ganz schnell. Die Blätter gehören auf die Beete.“

Diese Arbeit hat Michael Uckert, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Wehberg, schon erledigt. Aber die Dahlien stehen immer noch in voller Blüte in seinem Garten. Müssen die nicht auch zurückgeschnitten werden? „Das ist eine Glaubensfragen. Die einen sagen: schneiden. Andere sagen: Der erste Frost ist wichtig, um die Knolle zu stärken.“

Zur Schere hat Uckert in den letzten Tagen trotzdem oft gegriffen. Viele Pflanzen, Sträucher und Bäume müssen geschnitten werden, damit die Kraft in die Wurzeln geht und nicht für das Blätterwachstum verpulvert wird. „Aber ich schneide nicht mehr wild drauflos wie am Anfang meiner Gärtnerkarriere. Da habe ich manchmal Sträucher so stark beschnitten, dass sie nicht mehr zu gebrauchen waren.“

Weiter geht es zu den Rosen. Sie bedürfen besonderer Pflege. Und Michael Uckert weiß, wie es geht. „Die Rosen sollten nicht heruntergeschnitten werden. Aber sie müssen eingepackt werden. Am besten häufelt man Erde auf und deckt dann alles mit Fichten- oder Tannenzweigen ab.“ Torf anzuhäufeln sei hingegen ein Fehler. Torf zieht Wasser, weiß Uckert: „Da gehen bei Frost die Wurzeln kaputt.“ So ein Rosendesaster ist dem Hobbygärtner vor Jahren passiert – heute weiß er es besser.

Doch heute will Uckert nichts von Gartenarbeit wissen. Und so stapft er, bewaffnet mit seinem Regenschirm, über die schlammigen Wege der Kleingartenanlage Richtung Parkplatz. „Ist einfach zu ungemütlich und zu grau. Ich freue mich schon auf den Frühling. Der ist doch bedeutend schöner.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare