Gesellschaften „Concordia“ und „Erholung"

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Das Gebäude der „Erholung“ an der Freiherr-vom- Stein- Straße

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Der 14. Teil widmet sich den Gesellschaften „Concordia“ und „Erholung“. Sie sind beinahe in Vergessenheit geraten, obwohl sie über viele Jahrzehnte eine bedeutende Rolle in Lüdenscheid gespielt haben.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Die beiden heutigen Bilder entstammen dem Archiv der Stadt. Sie zeigen die Gebäude der Gesellschaften „Concordia“ und „Erholung“. Leider geben sie nicht wieder, wie imposant die Gebäude in Wirklichkeit waren. Auf dem oberen Bild sieht man die „Erholung“ an der Freiherr-vom- Stein- Straße. Ein weiterer Zugang zum Bauwerk lag an der Sauerfelder Straße. Weiter unten erkennt man die „Concordia“, ebenfalls an der heutigen Freiherr- vom- Stein-Straße gelegen, mit ihrem als Portal gestalteten Eingang.

Die Gesellschaften „Concordia“ und „Erholung“ sind beinahe in Vergessenheit geraten, obwohl sie über viele Jahrzehnte im kulturellen Leben Lüdenscheids eine bedeutende Rolle spielten. Wer waren also die Gesellschaften und welche Ziele verfolgten sie?

Gründung in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Am Ende der Freiheitskriege gegen Napoleon strebte das deutsche Bürgertum nach Bildung und gründete Vereine, in denen Lesezirkel und Vorträge angeboten wurden. In dieser Tradition stand die 1835 in Lüdenscheid gegründete Gesellschaft „Concordia“, ihr folgte wenig später 1841 die „Erholung“.

Das Gebäude der "Concordia“

Beide Gesellschaften errichteten prächtige Vereinshäuser. Ihre Mitglieder repräsentierten die wirtschaftlich und intellektuell bedeutenden Bürger der Stadt. So gehörten zur „Concordia“ solche mit dem höchsten Einkommen Lüdenscheids. In der Anfangszeit waren 22 der 29 Mitglieder Fabrikanten und wohlhabende Kaufleute. Der „Erholung“ zählte weitaus mehr Bürger aus der Mittelschicht.

"Concordia" förderte „musikalisch-intellektuelle“ Element

Obwohl zahlreiche Lüdenscheider beiden Vereinen angehörten und sogar in deren Vorständen saßen, waren die Zielsetzungen der Gesellschaften nicht völlig identisch. Die „Concordia“ förderte eher das „musikalisch-intellektuelle“ Element, die „Erholung“ das „praktisch-belehrende“, sozusagen das „wissenswerte und nützliche“. Beide Gesellschaften engagierten sich karitativ, sorgten für die Armen und später auch für das Krankenhaus der Stadt. Daneben spielten Geselligkeit und Unterhaltung eine sehr große Rolle.

Ein Saal für 600 bis 800 Personen

Die Gesellschaft „Erholung“ begann 1841 mit 90 Mitgliedern und wuchs bis zum Jahr 1876 auf 400 an. Ein 1887 bezogenes Haus an der Sauerfelder Straße brannte 1910 nach einem Blitzschlag ab. Beim Wiederaufbau legte man Wert darauf, einen Saal für 600 bis 800 Personen zu erhalten. In ihm sollten Konzerte und Theateraufführungen veranstaltet werden.

"Erholung" löste sich 1964 auf

Tatsächlich war der Saal der „Erholung“ über viele Jahrzehnte der einzige Ort der Stadt, der für größere kulturelle Veranstaltungen geeignet war. 1964 löste sich die Gesellschaft auf. Zum einen, weil ihre kulturellen Aufgaben von anderen Institutionen übernommen worden waren und daher der Zuspruch in der Bevölkerung nachließ, zum anderen, weil sie die finanziellen Belastungen, die mit der Unterhaltung des Hauses verbunden waren, nicht mehr tragen konnte. Das Gebäude wurde verkauft, später entstand hier das neue Gebäude der Sparkasse.

"Concordia"-Bau musste dem Kulturhaus weichen

Die „Concordia“ war, was ihren Zulauf an Mitgliedern anbelangt, nicht so erfolgreich wie die „Erholung“. Vielleicht lag dies auch an ihrer Standesbezogenheit. Ihren höchsten Mitgliederbestand erreichte sie 1929 mit 208 Mitgliedern. Das prächtige, immer wieder durch Anbauten erweiterte Haus, musste Ende der 1970er-Jahre dem Bau des Kulturhauses weichen.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Man darf nicht verschweigen, dass im Laufe der Jahre die Förderung der Geselligkeit im Leben beider Vereine einen immer größeren Platz einnahm. Die Ausgaben für Wein und Getränke, das weisen die Protokolle aus, überstiegen schließlich die für kulturelle Vorhaben in erheblichem Maße.

Hier finden Sie alle Teile unserer Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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