"Ein Kontrollproblem"

Fußgängerzone als „Stadtautobahn“

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Mittäglicher Innenstadtparkplatz: Diese Beobachtungen aus den letzten Wochen zeigen regen Betrieb außerhalb der Lieferzeiten. Setzen sich die Fahrer wieder in Bewegung, sind sie häufig zu schnell unterwegs. Die Folge: Fußgänger fühlen sich gefährdet.

Lüdenscheid - Auf der „Stadtautobahn“ in der Lüdenscheider Innenstadt herrscht mal wieder reger Verkehr. Es ist ein normaler Werktag. Die zulässige Ladezeit in der Fußgängerzone ist seit anderthalb Stunden vorbei. Von autofreier Zone  ist aber wenig zu merken.

Ein Zwölf-Tonner-Lkw schiebt sich durchs Gedränge, parkt vorm Stern-Center-Eingang. Ein Radfahrer nimmt von hinten Fahrt auf und umkurvt die Fußgänger bergauf. Paketdienstfahrer geben Gas. „Ich hab’ so’n Hals“ sagt Dieter Rotter, Fachdienstleiter „Bauservice“. Und: „Ich fühle mich in unserer Fußgängerzone nicht wohl.“

Sondergenehmigungen für das Befahren der Fußgängerzone außerhalb der zulässigen Zeiten (6 bis 11 und 19 bis 21 Uhr) laufen über sein Amt. Doch viele Fahrer, so glaubt er, gingen das Risiko ein, erwischt zu werden. „Es ist ein Kontrollproblem“, sagt Rotter. Bleibt die Kontrolle aus, spricht sich das herum.

Zufahrten zu Kirche und Bücherei frei, Lieferbetrieb vormittags und abends: die Wilhelmstraße ist Fußgänger- und Fahrzeugzone.

Ein Elektrohandwerker aus Ennepetal hat sein Fahrzeug ein paar Meter weiter abgestellt; „Notfalleinsatz“, steht auf dem Zettel hinter der Windschutzscheibe. „So etwas hat überhaupt keine rechtliche Bedeutung“, sagt Rotter. Für motorisierte Notfalleinsätze in der Fußgängerzone könne man alles kurz telefonisch, aber gleichwohl rechtlich korrekt klären: „Da muss keiner erst ins Büro kommen und einen schriftlichen Antrag stellen.“

Rotter weiß, dass es nur wenige Dauergenehmigungen gibt. Viele Handwerker holten sich eine generelle Erlaubnis für einen längeren Zeitraum, Apothekendienste oder ein Fleischer mit regem Lieferbetrieb ebenso. Auch „Geldsammler“, die ganztägig in der Fußgängerzone unterwegs sind und die Tageseinnahmen einladen, dürften das – aus Sicherheitsgründen.

Mitunter liegt eine korrekte Ausnahmegenehmigung vor.

Mehr Sicherheit würde sich allerdings auch mancher Fußgänger in „seiner“ Zone wünschen. Denn nicht nur, dass sie jederzeit mit schweren Fahrzeugen rechnen müssen, sind die mitunter flott unterwegs. An die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit hält sich kaum jemand.

Wenn über Altstadt-Umgestaltung geredet würde, so wünscht sich Rotter das Thema „Poller“ wieder auf der Tagesordnung. Man könne beliebte Einfahrten zur Fußgängerzone wie die über die Jockuschstraße mit elektronisch versenkbaren Pollern pünktlich abriegeln. Das sei aber nicht nur eine Willens-, sondern auch eine Kostenfrage.

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