Die Gründe für die Schließung seien vielschichtig

In Fußgängerzone im MK: Apotheke schließt - Nachmieter noch geheim

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Dr. Joachim Schulz schließt seine Apotheke Ende Mai ab und stellt das stadtbekannte Pillentaxi in die Garage. Zwei seiner Mitarbeiterinnen gehen in den Ruhestand, die anderen haben bereits neue Jobs.

Märkischer Kreis - Seit 40, 50 Jahren kommen Stammkunden in die Apotheke in der Innenstadt. Doch bald ist Schluss. Einen Nachmieter gibt es bereits - wer das ist, bleibt allerdings noch geheim.

Dr. Joachim Schulz liebt seinen Job. Auch deshalb fällt ihm der Schlussstrich nicht schwer. Denn die Schließung seiner Reichsadler-Apotheke an der Wilhelmstraße in Lüdenscheid Ende Mai ist zugleich ein Neuanfang für ihn: 

Künftig wird der 57-jährige promovierte Apotheker hauptberuflich Urlaubs- und Krankheitsvertretung für Kollegen machen: „Das ist ein Riesenmarkt. Das ist spannend und macht riesig viel Spaß. Du arbeitest weiter selbstständig, aber mit der Betonung auf selbst, nicht auf ständig.“ 

Vorne am Kunden zu stehen, zu beraten und zu erklären – das macht ihm nach wie vor Freude. Hinten im Büro zu hocken, um den steigenden Papierkram zu bewältigen – das nimmt ihm diese Freude am Beruf, der nicht selten 60 Wochenstunden fordert. Doch die Gründe für die „geplante Vollbremsung“ sind vielschichtig. 

Gründe für Schließung sind vielschichtig

Eine Zukunft für seine Apotheke, die „seit 1885“ im Namen trägt, sieht er nicht mehr. Die Laufwege hätten sich verändert. Die räumliche Distanz zwischen dem Medikamentenversorger und den Praxen, die sich zudem konzentrierten, sei immer größer geworden, folglich ging die Laufkundschaft zurück. 

Die Stammkundschaft hat er erst seit Kurzem auf den Abschied vorbereitet, etwas, womit er eigentlich schon im März beginnen wollte. „Dann kam das Virus, und die Verweildauer wegen der ganzen Nachfragen wäre gestiegen.“ Das erschien nicht sinnvoll. 

Bundesweit nähmen die Schließungen Fahrt auf, der Druck werde stärker, weiß Dr. Schulz. Auch wegen des Internet-Handels: Der habe mehr Freiheiten und damit Wettbewerbsvorteile. Doch auch EDV-Verträge laufen aus, er müsste aufrüsten, Kassensysteme zertifizieren lassen. Angesichts der heißen Sommer brauchen die Altbau-Räume an der Wilhelmstraße 35 eine Klimaanlage. „Das sind hohe Investitionen in einen wackeligen Standort“, resümiert er. 

Markt für gutes Personal "leer gefegt"

Der eigentliche Auslöser jedoch war das Personalproblem: Zwei langjährige Mitarbeiterinnen gehen in den Ruhestand. Das seit Jahren eingespielte Team, in dem „die Chemie stimmt“, verliere „zwei Super-Kräfte“. Und der Markt für gutes Personal sei leer gefegt – womit sich der Kreis schließt. 

Für zwei Mitarbeiterinnen, die noch einige Berufsjahre vor sich haben, hat er mit einem Anruf neue Jobs gefunden. So beendet er eine lange Tradition am Standort, die für seine Familie mit Vater Dr. Günther Schulz begonnen hat. Der übernahm die alteingesessene Apotheke in den 60er-Jahren. 

Sein Sohn folgte dem Weg, studierte in Bonn und wurde nach der Approbation Doktorand an der Uni Bonn. Nach der Promotion 1995 kehrte er zurück und stieg am 1. Juli 1996 an der Wilhelmstraße ein. Weil’s dem aktiven Visionär am Herzen liegt, wie’s weitergeht am Standort, ist er glücklich über die Lösung, die er für das Gebäude gefunden hat. 

Nachmieter kommt aus einer anderen Branche

Der neue Besitzer habe sehr interessante Pläne: „Das wird schön“, ist Dr. Schulz überzeugt. „Das wird ‘ne kleine, feine Ecke mit einer ganz neuen Branche, die mit Apotheke nichts zu tun hat. Und es dient der Belebung des schönen Karussellplatzes.“ Der Umbau beginnt im Sommer. Die restliche Zeit vor Ort dürfte schnell vergehen. 

Der Abschied von den Stammkunden, von denen manche seit 40, 50 Jahren in die Reichsadler-Apotheke kommen, fällt schwer. „Das zeigt, dass wir nicht den schlechtesten Job gemacht haben“, ist er dankbar. „Alle sind ganz traurig, dass wir auseinandergehen müssen. Es war eine wirklich geile Zeit.“

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