Fußball-Party: Leise wie eine Nähmaschine

LÜDENSCHEID ▪ Fußball-Party auf Nähmaschinen-Niveau: Mit Beginn der EM und den sogenannten Abpfiff-Partys im Brauhaus-Biergarten hat die Stadt dem Gastwirt Jörg Mehl per Ordnungsverfügung mitgeteilt, wie laut die Tongeräte vor der Tür zwischen 18 und 1 Uhr eingestellt sein dürfen. Der Brauherr kommentierte die Verfügung als „absolute Lachtablette“.

Demnach darf der Gastwirt, wenn jubelnde Gäste nach dem Abpfiff aus seinem Brauhaus strömen oder aus umliegenden Kneipen zum Biergarten kommen, einen DJ mit Musikanlage engagieren. Die darf aber von 18 bis 22 Uhr – wenn das spätere Spiel noch läuft – nicht lauter als 60 Dezibel sein. Ab 22 Uhr müssen „Musikgeräusche“ auf 45 Dezibel gedrosselt sein, heißt es in der Verordnung.

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Landläufig liegt der Schallpegel, den eine Nähmaschine oder ein Gruppengespräch verursacht, bei etwa 60 Dezibel. Mit „üblichen Geräuschen in der Wohnung“ werden 45 Dezibel in Relation gesetzt. Diese Werte gelten für die Nachtruhe in der Innenstadt. In Randgebieten, etwa am Vogelberg, darf nachts ein Pegel von 35 Dezibel, etwa Flüstern oder leise Musik, nicht überschritten werden. Das sagte Stadt-Pressesprecherin Giuseppina Giordano gestern auf LN-Anfrage. „Die vorgegebenen Werte stammen aus der Technischen Anleitung Lärm und sind DIN-Vorschriften aus dem Baurecht, also Landesrecht.“ Die Stadt habe hier keinen Ermessensspielraum.

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Brauhaus-Chef Mehl ärgert sich trotzdem. Durch Sicherheitsauflagen wie die komplette Einzäunung des Rosengartens – wir berichteten – hat er die Abfiff-Party auf seinen Biergarten beschränkt. „Und jetzt wird uns diese Fete auch noch kaputtgemacht.“ Fangesänge, lautes Lachen oder Vuvuzelas im Rosengarten oder kolonnenweise hupende Autos in der Innenstadt seien um ein Vielfaches lauter als seine Musikanlage. Eine Autohupe ist etwa 110 Dezibel laut. „Wir können nichts dafür, wenn Menschen singen oder hupen.“ Gleichwohl maßen Ordnungskräfte am Wochenende den Lärmpegel neben dem Brauhaus. Giordano: „Der Veranstalter trägt die Verantwortung dafür, dass die Verfügung eingehalten wird.“ - Olaf Moos

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