Fünf Jahre Gefängnis und Entziehungsanstalt

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Lüdenscheid - Die 9. große Strafkammer hat ihr Urteil gefällt. Der Angeklagte muss wegen erpresserischen Menschenraubs, besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung für fünf Jahre ins Gefängnis.

Von Olaf Moos

Die Kammer erkannte zu Gunsten des Verurteilten auf einen minderschweren Fall. Rund zwei Jahre seiner Haftzeit wird der Lüdenscheider in einer Entziehungsanstalt verbringen. Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten gefordert. Strafverteidiger Andreas Trode hatte auf vier Jahre und neun Monate plädiert.

Der bullige, auffällig tätowierte Mann nahm das Urteil äußerlich so reglos zur Kenntnis wie den ganzen Prozess. In seinem letzten Wort vor dem Richterspruch sagte er: „Mir tut die ganze Sache wirklich leid.“ Rechtsanwalt Trode sagte nach der Urteilsverkündigung, sein Mandant sei „nicht unzufrieden“.

Es hätte für ihn nämlich weitaus schlimmer kommen können. Allein auf das Verbrechen des erpresserischen Menschenraubes steht eine Mindeststrafe von fünf Jahren. Der Vertreter der Anklage bezeichnete die Tat in seinem Plädoyer als „äußerst brutal“. Das Opfer, ein junger Werkzeugmechaniker, sei bei dem Überfall in seiner eigenen Wohnung an der Wilhelmstraße erheblich verletzt worden und trage noch an den psychischen Spätfolgen. Auch einen krankhaften Hang zu Straftaten unter Alkoholeinfluss wollte der Staatsanwalt den Familienvater nicht zugestehen.

Doch die Einschätzung der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Susanne Kowohl eröffnet dem Lüdenscheider die Möglichkeit, während der Haftzeit eine Therapie zu absolvieren. Eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit attestierte sie dem Probanden allerdings nicht. Auch die 9. große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Till Deipenwisch hält den 28-Jährigen für voll schuldfähig.

Doch die Tatsache, dass der Angeklagte nicht der Initiator und Haupttäter des Verbrechens war, sondern sich seinem Kumpel nach durchzechter Nacht zunächst nur angeschlossen hat, eröffnete dem Gericht die Möglichkeit, Milderungsgründe zu sehen.

Damit ist der Fall für die Justiz abgeschlossen, sofern keine Revision vor dem Bundesgerichtshof angestrebt wird. Gegen das Opfer des Überfalls wird nun allerdings auch ermittelt – wegen unerlaubten Drogenbesitzes. Er soll ein Dealer sein.

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Streit zwischen Ermittler und Verteidiger (18.11.2014)

Hauptbelastungszeugin: Rolle der Frau fraglich (12.11.2014)

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