Fünf Jahre und drei Monate für Toom-Räuber

LÜDENSCHEID ▪ Für fünf Jahre und drei Monate muss der Toom-Markt-Räuber in Haft. Die 6. Strafkammer des Landgerichts folgte damit dem Antrag von Staatsanwalt Esken, öffnete dem 45-Jährigen jedoch letztmalig die Tür zu einem drogenfreien Leben.

Statt ins Gefängnis darf der Lüdenscheider in einen geschlossenen Maßregelvollzug mit Drogentherapie – an den „drogenfreiesten Raum, den man schaffen kann“, wie es der psychiatrische Gutachter Dr. Horst Sanner formulierte. Er hatte sich in seinem Gutachten zuvor sehr skeptisch gezeigt, ob der Angeklagte nach rund 20-jährigem Drogenkonsum überhaupt noch zu therapieren sei: „Ich habe erhebliche Bedenken hinsichtlich der Erfolgsaussichten.“

Immer wieder hatte der Angeklagte Therapien abgebrochen oder war von den Einrichtungen wegen Regelverstößen hinausgeworfen worden. „Sie müssen mehr mitarbeiten als bisher, sonst haben Sie keine Chance auf Heilung“, gab die Vorsitzende Richterin Dr. Fiebig-Bauer dem 45-Jährigen mit auf den Weg. Auch sie räumte ein, dass sehr viel gegen eine erneute Therapie für den Angeklagten spreche. Die Kammer gab Dr. Horst Sanner allerdings in einem wichtigen Punkt Recht: In einer geschlossenen Therapiesituation gibt es für den 45-Jährigen kein leichtes Entkommen aus der Begegnung mit der eigenen Gefühlswelt und der Sucht. Immer wieder wurde gestern betont, wie unterkühlt und tonlos der Angeklagte wirkt – er sah sich kaum imstande, Fragen nach den Gründen für seine Sucht zu beantworten. Lediglich in Gesprächen mit seiner Schwester im Gerichtssaal schien er ein wenig aufzutauen.

Im Strafmaß berücksichtigte die Kammer, dass die Einsichtsfähigkeit des Angeklagten durch zuvor eingenommene Drogen zumindestens eingeschränkt war. Verteidiger Heiko Kölz erinnerte zudem daran, wie dilettantisch der Überfall ausgeführt worden war – „ohne Maske oder Handschuhe“. Negativ schlugen im Urteil jedoch die psychischen Folgen für die sehr junge Verkäuferin und die um ihr Auto gebrachte Kundin des Marktes zu Buche, die ebenfalls bis heute an Angstgefühlen leidet. Sollte der 45-Jährige die mindestens zweijährige Therapie durchhalten, könnte er allerdings in den Genuss eines erheblichen Straferlasses kommen. Die Richterin stellte in ihrem Schlusswort der Einnahme fast aller illegalen Rauschdrogen die Familie des Angeklagten entgegen und erinnerte an den kleinen Sohn des 45-Jährigen, „der sich wundert, wo der Papa ist“. Alle Prozessbeteiligten nahmen das Urteil an, sodass dieses sofort rechtsgültig wurde.

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