Führerschein-Umtausch im MK: Erinnerungen an Fahrprüfung und das erste Auto

Brigitte Klein mit Führerschein von 1972
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Der graue Führerschein muss Platz machen für eine Plastikkarte: Brigitte Klein wird ihr „Schätzchen“ aus dem Jahr 1972 vermissen.

Andere Zeiten, andere Sitten: Mit einem Beruhigungsmittel zur Fahrprüfung, diese im ersten Anlauf schaffen und danach zur Feier einen Cognac trinken mit dem Fahrlehrer.

Lüdenscheid – An den Tag ihrer Fahrprüfung erinnert sich Brigitte Klein noch ganz genau. „Meine Eltern wussten nichts davon, dass ich die Prüfung hatte. Ich habe mich morgens einfach aus dem Haus geschlichen“, sagt die Vorsitzende des Turbo-Schnecken Lüdenscheid, des größten Sportvereins der Bergstadt, „ich wäre sonst wohl noch nervöser gewesen. Meine Mutter hat sich an diesem Tag nur gewundert, dass es zu Hause so seltsam nach Baldrian roch…“

1972 war das, als die Fahrschülerin Klein ihr Lampenfieber mit einem Beruhigungsmittel heruntergedimmt hatte. Brigitte Klein war da 21 Jahre alt – tatsächlich sollte sie die Fahrprüfung im ersten Anlauf schaffen und abends stolz und strahlend zu Hause den Führerschein präsentieren. Den bekam man seinerzeit noch direkt ausgehändigt.

In der Fahrschule Held hatte Klein das Unternehmen Fahrerlaubnis in Angriff genommen. Und als der Sieg davongetragen war, da lud der Fahrlehrer alle Prüflinge erst einmal in den Wiedenhof ein. „Auf einen Cognac“, sagt Klein und lacht, „das war damals bei ihm so üblich…“

Die 70-Jährige hat das graue Dokument seitdem in Ehren gehalten, auch wenn sie heute – wenn sie es mal vorzeigen muss – mitunter belächelt wird ob des ein wenig in die Jahre gekommenen, an den Rändern ausgefransten Scheins. „Ein altes Schätzchen“, sagt Brigitte Klein, „man hängt ja irgendwie dran. Aber bis zum Jahresende werde ich den Führerschein dann wohl eintauschen.“ Dann wird die Plastikkarte die schöne Erinnerung ablösen. Was für eine trübe Vorstellung.

Bis zum ersten Auto dauerte es 1972 bei Klein noch ein bisschen. Ein beige-farbener Opel Kadett wurde es, später ein Golf, dann landete sie irgendwann bei einem Suzuki. „Den ersten Wagen habe ich privat abgekauft“, sagt Brigitte Klein, „ich erinnere mich noch daran, wie ich das Geld dafür von der Sparkasse geholt habe. Das tat schon ein bisschen weh, dass das Ersparte da auf einmal weg war… Aber es war dann eben auch sehr schön, endlich mobil zu sein.“

Im August hat Klein ihren 70. Geburtstag gefeiert, im nächsten Jahr gibt’s die nächste Rundung: 50 Jahre Führerschein. Dann wohl nicht mehr das Original, das ein Bild aus einer anderen Zeit zeigt, die einen in Erinnerungen schwelgen lässt. Schade eigentlich.

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