Frühlingskonzert in der Musikakademie

Martina Vormann-Sauer und Gregor Sauer lockten muskalisch den Frühling an.

LÜDENSCHEID - Frühling in der Musikschule und Musikakademie MuSAH an der Heedfelder Straße. Bisweilen bestechende Interpreten absolvierten ein reichhaltiges Programm. Dafür gab es viel Applaus, Zustimmung und von den Garagendächern im Hinterhof aus „gezielte“ Störungen von drei Kapuzenpimpfen.

Gregor Sauer (Klavier) unterbrach seinen Vortrag, als irgendetwas ans Fenster krachte. „So etwas habe ich auch noch nie erlebt“, brach es aus ihm heraus. Die Ursache war ein von einem Garagendach aus gestartetes Wurfgeschoss aus Weichplastik. Drei vorpubertierende Knaben wussten sich sofort der Aufmerksamkeit aller sicher, genossen es und zogen ihre Kapuzen tiefer ins Gesicht. Schließlich flohen sie vor gezückten Handys. Mittelfinger in die Höh’ ging es ab auf nachbarliche Grundstücke.

Bis zur Störung hatte Pianist Gregor Sauer Mozarts kleine Fantasie d-moll KV 397 ausgebreitet, mit Beethovens Sonate f-moll opus 57, Nr. 23, für einige große Momente gesorgt. Chopins Ballade g-moll opus 23, Nr. 1, genoss Sauer sichtlich, da er hier groß aufspielte, und mit dem nötigen Maß Esprit entbot er Debussys Estampes für Klavier Solo, Pagodes, Soirée dans Grenade und Jardins sous la Pluie.

Seine nach der Pause gelegte Uraufführung „Frühling 2012“, Klavier-Improvisationen über bekannte Frühlingslieder, legte den Schelm im Musiker Sauer frei. Selbst Blues und Jazz nicht abgeneigt, eröffnete er seinen Frühling mit einem aufgelösten Blues-Schema, ehe es leicht augenzwinkernd unter anderem „alle Vögel sind schon da“ hieß. Irgendwie schwirrte da auch noch die deutsche Nationalhymne zwischen den Zugvögeln hindurch. Eben „Frühling in unserem Land.“

Gespickt mit Witz und Ironie, melodischen Spielereien und kleinen virtuosen Intermezzi ließ der an diesem Tage bestens aufgelegte Solist den Frühling Einzug halten. Zudem hinterließ er auch aus dem Stand mit der Arie „Ombra ma fui“ aus Händels Oper Xerxes einen gediegenen Eindruck.

Sopranistin Martina Vormann-Sauer bestach mit einfühlsamem Vortrag in Glucks „Che faró senza Euridice.“ Der langen Wartezeit eingedenk, schien sie ihre Betriebstemperatur bei Rossini und Puccini erreicht zu haben: Da glänzte die Solistin, am Klavier begleitet von Gregor Sauer mit Ausdruck, Stimme wie angedeutetem Spiel vollends, erklomm versiert jede erdenkliche Höhe. Eine überzeugende Werbung für die Oper.

Mit „Una voce poco fa“ aus Rossinis Barbier von Sevilla und Puccinis Waltzer „Quando m’en vo“ aus der Oper La Bohème sorgte die Solistin für einen prächtigen Schlussteil des Konzertes.

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