Schwarzarbeit wird angeprangert

Friseure im MK schlagen Alarm: Myriam Bubert prangert Schwarzarbeit an

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Die geplante Übergabe des Geschäfts haben Myriam Bubert (rechts) und Kathleen Lühmann, Geschäftsführerin bei „Här bei Bubert“, erst einmal auf Eis gelegt und auf unbestimmte Zeit verschoben.“ Alles, was erwirtschaftet worden ist, ist nicht mehr da – auf beiden Seiten“, sagen sie.

Die Friseurgeschäfte des Landes und somit auch die Lüdenscheider Betriebe kämpfen aufgrund des Lockdowns ums Überleben. Das Friseurhandwerk machte mit einer besonderen Aktion auf sich aufmerksam, um Alarm zu schlagen.

Lüdenscheid – Seit Wochen sind die Friseurgeschäfte im Land wegen der Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns geschlossen. Wann die Betriebe wieder öffnen dürfen, ist ungewiss. Während die Haare auf den Köpfen wachsen und die Frisuren immer unansehnlicher werden, droht vielen Betrieben das Aus. Die Fixkosten laufen weiter, die Überbrückungshilfen lassen auf sich warten.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Mit der Aktion „Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ machte auch die Friseur-Innung Märkischer Kreis mit Obermeister Achim Schilling und Geschäftsführer Dirk H. Jedan vor diesem Hintergrund von Sonntag auf Montag auf die dramatische Situation des Friseurhandwerks aufmerksam.

Friseure im MK schlagen Alarm: Viel von der Soforthilfe zurückgezahlt

Wie in der Bergstadt gingen bei der bundesweiten Aktion vielerorts im Land in Friseurläden aus Protest für 24 Stunden die Lichter an. Zu den Betrieben, die sich an der Aktion beteiligten, gehörte auch der Salon „Här by Bubert“ am Rosengarten, mit dem unsere Zeitung über die Misere der Friseure sprach.

„Wehe dem, der fleißig ist!“, bringt Myriam Bubert vom Friseur-Familienbetrieb Bubert, zu dem der Salon gehört, auf den Punkt, was ihr zu den Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr, staatlichen Hilfen und erneuter coronabedingter Zwangsschließung im Dezember einfällt.

Um deutlich zu machen, wie krisengeschüttelt die Branche ist, zieht sie das Beispiel des kleinen eigenständigen „Här“-Salons in Herscheid heran. „Die Soforthilfe im Frühjahr kam“, erzählt sie. Allerdings habe sie von den damals erhaltenen 9000 Euro im Dezember wieder 7000 Euro zurückzahlen müssen. Um die staatliche Unterstützung behalten zu können, hätte sie 30 Prozent weniger als im Vorjahr verdienen müssen. „0,7 Prozent haben gefehlt. Es wurde nur der Umsatz berechnet. Die zusätzlichen Kosten haben keine Rolle gespielt.“

Friseure im MK schlagen Alarm: Erneute Zwangsschließung verschärft Situation

Im Mai, als die Friseurgeschäfte wieder öffnen durften, sei bei „Här“ der Umsatz entsprechend hoch gewesenen – „nur durch den Fleiß der Mitarbeiter“, die jetzt wieder in Kurzarbeit sind und obendrein auf alle Trinkgelder verzichten müssen. Die Mitarbeiter hätten teilweise früher angefangen, länger gearbeitet und auch freiwillig auf die Pausen verzichtet. „Wir haben das gemacht, um die Kunden zufriedenzustellen und die Existenz der Mitarbeiter zu sichern.“ Mit dem Ergebnis, dass die erhaltene Soforthilfe im Dezember habe zurückgezahlt werden müssen.

Die zusätzlichen Kosten – darunter die Umgestaltung des Salons („Weniger Plätze“), die Neugestaltung der Anmeldung, da keine Warteplätze angeboten werden durften, höhere Kosten für Strom, Wasser und dergleichen mehr – seien nicht ins Gewicht gefallen. Von zusätzlichen Hygienemaßnahmen ganz zu schweigen.

Die erneute Zwangsschließung ab 16. Dezember verschärfe die Situation – zumal bereits, wie Myriam Bubert und ihre Geschäftsführerin Kathleen Lühmann übereinstimmend erklären, im November ein deutlicher Umsatzrückgang zu spüren gewesen sei. Dass sich viele Menschen in Kurzarbeit befänden, habe sich vor Weihnachten bemerkbar gemacht.

Friseure im MK schlagen Alarm: „Wirkliche Existenzängste“

Da die Salons erst Mitte Dezember schließen mussten, konnten sie keine November- und Dezemberhilfen beantragen. Was beantragt werden kann, ist das Überbrückungsgeld III. „Die Anträge sind aber erst ab März verfügbar.“ Die anvisierte Geschäftsübergabe an Kathleen Lühmann, die für den 1. Januar dieses Jahres vorgesehen war, wurde vor diesem Hintergrund aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. „Das war nicht umsetzbar“, erklären die beiden Lüdenscheiderinnen. „Alles, was erwirtschaftet worden ist, ist nicht mehr da – auf beiden Seiten.“

Kathleen Lühmann, die wie das gesamte Team in Kurzarbeit ist, spricht von „wirklichen Existenzängsten“. Die Selbstständigkeit sei erst einmal in weite Ferne gerückt. Was sie besonders plagt, ist die Ungewissheit, wann und wie es weitergehen kann. Die Perspektive fehlt. Viele Friseure seien fast am Ende. Eine Mitarbeiterin aus dem „Här“-Team, deren Stelle neu besetzt werden soll, habe aufgrund der Unsicherheit bereits gekündigt und sich beruflich umorientiert – in einen sicheren sozialen Beruf.

Friseure im MK schlagen Alarm: Nachwuchsprobleme im Friseurhandwerk

Schwierig sei es zudem, Nachwuchs zu finden. Die Auszubildenden, die sich derzeit in der Ausbildung befinden, würden weiter geschult. „Wir haben einmal pro Woche einen Übungstag.“

Eindringlich mahnt Myriam Bubert einen Stopp der Schwarzarbeit an. Verhalle der Appell, sei eine Insolvenzflut zu befürchten. Es dürfe nicht sein, dass einige Schwarzarbeiter die Existenz vieler ehrlicher Friseure gefährden. Es klingt etwas resigniert, wenn sie sagt: „Ich glaube nicht, dass wir am 15. Februar öffnen können. Ich gehe vom 1. März aus.“ Selbst wenn „Här“ dann mit weniger Mitarbeitern gleichzeitig im Laden, noch größeren Abständen und weniger Kunden, die zeitgleich bedient werden, starten könnte, wäre sie schon froh.

Forderungen des Friseurhandwerks

Die Kernforderungen des Friseurhandwerks: 1. Die Überbrückungshilfen müssen passgenau gestaltet und schnell und unbürokratisch gewährt werden. 2. Eine nachhaltige Förderung der Ausbildungsleistung ist jetzt notwendig, um die duale Berufsausbildung im Friseurhandwerk zu sichern. 3. Auch der Chef oder die Chefin als wichtigster Mitarbeiter des Betriebs muss berücksichtigt werden. Diese gehen in den aktuellen Regelungen leer aus. 4. Schwarzarbeit muss gestoppt werden. Sichere Friseurdienstleistungen können nur die Profis unter Wahrung der Hygiene- und Arbeitsschutzstandards in den Betrieben bieten.

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