Spaziergänger stören das Wild

Frischlinge schon im Januar: Jagen in Corona-Zeiten im MK

Jagd - Hund Sonnenuntergang
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Jäger haben es in Zeiten von Corona nicht einfach. Das Jagdwild wird durch Spaziergänger aufgescheucht.

Die Rahmenbedingungen für die Jagd sind durch die Corona-Pandemie schwieriger geworden. Dennoch ist nicht alles schlecht zu bewerten.

Lüdenscheid – Einzeljagd – ja. Jagd in Begleitung – ja, allerdings mit engeren Auflagen. Gesellschaftsjagd – generell nein, es sei denn, diese ist zur Erfüllung des Schalenwildabschusses oder zur Seuchenvorbeugung durch Reduktion der Wildschweinpopulation zwingend erforderlich.

Corona hat merkliche Auswirkungen auf die Jagd und die heimischen Jäger. Wie die Untere Jagdbehörde des Märkischen Kreises mitteilt, hat das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW dieser Tage einen Erlass herausgegeben, der die Corona-Regeln für die Jagdausübung der notwendigen Bejagung angepasst hat und bisherige Regelungen hinfällig macht.

Vorerst bis 31. Januar gelten die strikten Regeln. Grund genug, bei Gerrit Cramer (Obmann für Öffentlichkeitsarbeit) und Heide Turk, Schatzmeisterin des Hegerings Lüdenscheid, nach den Auswirkungen der Pandemie auf den Verein und die Jagd in den heimischen Wäldern nachzufragen.

Anders als beim ersten Lockdown, der den Verein – wie andere Vereine auch – unvorbereitet traf, sind die Jäger diesmal deutlich besser auf alle Einschränkungen und Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern, vorbereitet. Die Jagdschule, um ein Beispiel zu nennen, findet mittlerweile online statt. Auch die Jahreshauptversammlung, die im Vorjahr kurzfristig abgesagt werden musste, wird aller Voraussicht nach online über die Bühne gehen.

„Der Hegering sah sich schon beim ersten Lockdown herausgefordert. Die Jagdschule musste den Unterrichtsbetrieb von heute auf morgen schließen, unsere Jahreshauptversammlung, auf die wir uns sehr gefreut und die wir mit viel Hilfe und Akribie vorbereitet hatten, mussten wir kurzfristig absagen, der Schießstand stellte den Betrieb ein und wir standen da mit unserem kurzen Hemd“, umschreibt Hegeringleiter Oliver von Ameln in seinem Dezember-Anschreiben an die Mitglieder die damalige Situation.

Die anfangs auf unbestimmte Zeit verschobenen Prüfungen der Jagdschule konnten letztendlich Ende August durchgeführt werden. Den Jägerschlag als feierlichen Abschluss ihrer Ausbildungszeit erhielten die jungen Jäger in Pandemiezeiten allerdings nicht. Auch das geplante Sommerfest fiel dem Rotstift zum Opfer.

Aufwändiges Krisenmanagement

Viel Zeit und Mühe investierte der Vorstand des Hegerings in den vergangenen Monaten in sein Krisenmanagement. Telefonkonferenzen alle 14 Tage sind die Regel. Dies führte dazu, dass der am 12. März letzten Jahres geschlossene Schießstand in Abstimmung mit dem Ordnungsamt am 9. Mai als erster im Märkischen Kreis wieder geöffnet werden konnte – mit einem der Schutzverordnung genügenden Hygienekonzept. Derzeit ist der Schießstand zwar erneut geschlossen, das Einschießen der Jagdwaffen - unerlässlich für eine waidgerechte Jagd – ist jedoch weiterhin nach Anmeldung möglich.

Jagen selbst, bestätigen Heide Turk und Gerrit Cramer übereinstimmend, dürfen und können die Jäger unter den jetzt noch einmal angepassten Regeln. Einige – wenngleich deutlich weniger – Drückjagden hätten im Vorjahr stattgefunden, allerdings ohne das obligatorische Schüsseltreiben (gemeinsames Essen der Jagdteilnehmer), das ansonsten fester Bestandteil der Jagdveranstaltungen ist.

Rekordwert erreicht

Abweichend vom Veranstaltungsverbot, sind Gesellschaftsjagden – im Dezember gänzlich verboten - nach der neuen Verordnung unter den oben genannten Voraussetzungen wieder möglich. Vor dem Hintergrund der Seuchenvorbeugung – bekanntlich ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) bereits in Brandenburg angekommen - berichtet Gerrit Cramer von einem Rekordwert an geschossenen Wildschweinen in 2020. Dies mache sich jetzt bemerkbar. „Im Durchschnitt haben wir weniger Wildschweine als im letzten Jahr. Allerdings sind die Frischlinge in diesem Jahr extrem früh dran.“ In den meisten Revieren seien schon jetzt im Januar Frischlinge gesichtet worden. Normalerweise sei dies erst im Februar oder März der Fall.

Für das Jagdjahr 2021/22 rechnet Gerrit Cramer wieder mit vielen Tieren. Was die ASP angehe, sei der Kreis dabei, ein Konzept zu erarbeiten. Insgesamt, betont Gerrit Cramer, sei selbst die Einzeljagd in Zeiten der Pandemie schwieriger geworden. Ein Grund dafür seien die vielen Erholungssuchenden, die den Wald durch Corona für sich entdeckt haben und dabei auch nicht immer auf den ausgewiesenen Wegen blieben.

„Das macht die Einzeljagd schwieriger, weil das Wild viel mehr beunruhigt ist.“ Hinzu komme die Abholzung der Wälder durch den Borkenkäferbefall. „Das ist eine dauerhafte Beunruhigung für das Wild.“

Trotz aller Einschränkungen blieben die Jäger ihrem Verein bislang treu. „Die Mitgliederzahl konnte auf gleichem Level gehalten werden“, bestätigt Heide Turk.

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