Raketenteile stammen aus Lüdenscheid 

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Die "Mondfieber"-Ausstellung ist abtransportiert. "Friedliches Lüdenscheid?" wird aufgebaut.

Lüdenscheid – Neil Armstrong, der am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat, hat sich aus Lüdenscheid verabschiedet – zumindest symbolisch. Gestern wurden die letzten Teile der LWL-Ausstellung „Westfalen im Mondfieber“ aus den Museen der Stadt am Sauerfeld getragen.

Der große Ausstellungsraum ist leer. Aber nicht lange: Am Sonntag, 24. November, wird um 11.30 Uhr an dieser Stelle die Ausstellung „Friedliches Lüdenscheid?“ eröffnet. „Was wir hier tun, hat im Moment alles direkt oder indirekt mit der neuen Dauerausstellung zu tun“, erläuterte Museumsleiter Dr. Eckhard Trox, bei der Vorstellung.

Ursula Delhougne, Mitarbeiterin der Museen, habe bei den Recherchen für die „Mondfieber“-Ausstellung viele Informationen zusammengetragen und lokale Bezüge hergestellt. Zur regionalen Geschichte – auch mit Blick auf eine neue Dauerausstellung – gehöre die Metall- und Aluminiumverarbeitung, auch hinsichtlich der Produktion für die beiden Weltkriege. Die Produktion sei viele Jahre kollektiv beschwiegen worden.

„Das Bild der friedlichen Knopfstadt war vor 35 Jahren so“, erklärte Trox, „und mit der neuen Dauerausstellung will man nicht die alte weiterführen.“ Insofern gehöre beispielsweise auch die Produktion von Teilen der V 2-Raketen in Lüdenscheid zum Stadtbild. „Friedliches Lüdenscheid?“ soll nun einen realistischeren Blick auf die Stadt werfen als jenen beschaulichen auf Knöpfe und Abzeichen. Wesentliche Zulieferkomponenten für den gesamten militärischen Komplex wurden in regionalen Unternehmen entwickelt.

Als Grundlage für die Nachforschungen Ursula Delhougnes diente das „Kriegstagebuch des Rüstungskommandos Lüdenscheid“, das das Militärarchiv in Freiburg zur Verfügung stellte. Daraus ging hervor, welche Firmen in der Region beteiligt waren mit unterschiedlichen Produkten. So ziert beispielsweise der Blick auf zwei Arbeiterinnen aus dem Kreisgebiet und dem Jahr 1943 den frisch gedruckten Flyer, die Verpackungsmaterial für Granaten herstellen. Großformatige Fotos, Exponate vom Klappspaten bis zur Patronenhülse, Batterien für die Energieerzeugung in U-Booten und allem voran Teile für die „Vergeltungswaffe“ werden zu sehen sein – aber, und darauf legen die Kuratoren wert, „nicht mit dem moralischen Zeigefinger. Wir wollen ein Geschichtsbild aufzeigen und das ohne Anspruch auf Vollständigkeit“.

Die Beschaffung der Exponate war schwierig. Rüstungsgut existiert nicht mehr, wurde eingeschmolzen, vernichtet, versteckt, ja sogar eingemauert. „Friedliches Lüdenscheid?“ zeigt Aspekte regionaler Industrie und wird im großen Ausstellungsraum gezeigt. In den hinteren Räumen sind weiterhin regionale Exponate rund um das „Mondfieber“ zu sehen. Öffentliche Sonntagsführungen werden angeboten, ebenso ein Rahmenprogramm, bei dem der UFO-Forscher Hans-Werner Peiniger, seit 1972 Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) mit Sitz in Lüdenscheid, referieren wird.

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