Friedhofsräuber stehlen kleinen Engel aus Stein

Ganz schön dreist: So einen kleinen Engel haben Friedhofsräuber von einem Grab auf dem Mathildenfriedhof gestohlen.

LÜDENSCHEID ▪ Dreiste Diebe haben jetzt einen kleinen Engel aus Stein vom Friedhof an der Mathildenstraße gestohlen. Teuer war er zwar nicht – für Rita-Monika Weller-Wolfram war die Figur aber schon sehr kostbar: Sie hatte ihn erst vor kurzer Zeit auf das Grab ihrer Mutter gelegt. Die Polizei sucht jetzt nach Hinweisen auf die Täter.

Ein kleiner Engel aus Stein, der kniet und betet, wurde zwischen Dienstagmittag und Mittwochmittag von einem Grab auf dem evangelischen Friedhof an der Mathildenstraße gestohlen. Eine Woche zuvor hatte Rita-Monika Weller-Wolfram den Engel auf das Grab ihrer Mutter gestellt. Ihr Vater, der seine verstorbene Frau täglich besucht, entdeckte das Fehlen. „Unser erster Gedanke war, dass die Friedhofsverwaltung den Engel vielleicht untergestellt hat, damit er im Winter keinen Schaden nimmt“, sagte Thalia Bödecker, Enkelin der Verstorbenen. Doch die Friedhofsverwaltung wusste von nichts – und damit war klar: Der kleine Engel, der kaum materiellen Wert, für die Angehörigen aber eine hohe ideelle Bedeutung hat, war von unbekannten Tätern vom Grab gestohlen worden. Die Familie erstattete am Freitag Anzeige wegen Diebstahls.

Wie schwierig es ist, solche infamen Taten zu verhindern, weiß kaum einer besser als Detlev Trester. Er ist als technischer Leiter des evangelischen Friedhofsverbandes für 40 Friedhöfe zuständig, darunter auch für den an der Mathildenstraße: „Selbst wenn solche Diebstähle am helllichten Tag ausgeführt werden, ist es für Zeugen kaum zu unterscheiden, ob Diebe am Werk sind oder Angehörige nur das Grab umdekorieren.“ Deshalb seien Anzeigen sehr selten – allerdings habe es solche Vorkommnisse in Lüdenscheid bisher auch kaum gegeben, nicht einmal in der Hochphase der Metalldiebstähle. „Da wurden vor allem im Nordkreis zahlreiche Delikte begangen“, weiß Trester.

Abends und nachts gehe die Polizei auch auf dem Friedhof Mathildenstraße Streife, und bislang sei der Bereich nicht auffällig gewesen. Der Gottesacker wird bei Einbruch der Dunkelheit – anders als früher – allerdings heute nur noch für Fahrzeuge gesperrt, berichtet Trester. „Viele nutzen ihn als Abkürzung, und als wir den Friedhof noch komplett abgeschlossen hatten, wurden Büsche zertrampelt und Zäune überklettert.“ Zudem bestand immer die Gefahr, Friedhofsbesucher einzuschließen. Und die Zeiten, in denen der Friedhofswärter bei Einbruch der Dämmerung mit einer Glocke vorm Abschließen warnte, seien lange passé.

Die Familie, die jetzt von der Tat betroffen ist, hofft gleichwohl, dass sich doch noch Zeugen unter Ruf 90 99 0 bei der Polizei melden – wegen der unglaublichen Gefühllosigkeit von Friedhofsdiebstählen. Rita-Monika Weller-Wolfram: „Das ist so widerlich, das muss bestraft werden.“ ▪ Thomas Hagemann

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