Friedhof im MK ist „Schandfleck, der einem die Sprache raubt“

Friedhof Brügge
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Der evangelische Friedhof in Brügge ist in die Jahre gekommen: Obwohl immer wieder Geld in die Hand genommen werde, reiche es nicht, die Anlage umfassend zu sanieren. Ein Problem: Die Bestattungszahlen sind seit 20 Jahren stark rückläufig.

Unebene Wege, bewegliche Treppenstufen und Handläufe, behelfsmäßig reparierte Grabeinfassungen: Der evangelische Friedhof im Lüdenscheider Stadtteil Brügge ist in die Jahre gekommen, hat schon weitaus bessere Zeiten gesehen. Als „Schandfleck, der einem die Sprache raubt“ bezeichnet ihn gar ein Leser unserer Zeitung.

Lüdenscheid – Regelmäßig besuche er das Grab seiner verstorbenen Mutter auf dem Friedhof – und beobachte seit mittlerweile 20 Jahren die Entwicklung der Ruhestätte. Sein Vater schaffe es schon lange nicht mehr, das Grab seiner verstorbenen Frau aufzusuchen – zu uneben sei der Weg dorthin. „In meinen Augen ist es ein trauriger Zustand für einen Ort, an dem Angehörige ihrer verstorbenen Lieben gedenken möchten, es aber nicht können, weil die Zugangswege alles andere als sicher zu bezeichnen sind“, schreibt der Leser.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand Januar 2020)

„Dass der Friedhof, je nach dem, wo man sich befindet, in keinem optimalen Zustand ist, das ist den Verantwortlichen bekannt – und sie bedauern dies sehr“, macht Matthias Willnat, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, deutlich und weiß um die Probleme: Die Bestattungszahlen seien in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen, grundsätzlich fehlten die finanziellen Mittel, um den Friedhof rundum instandzusetzen. „Wir sind uns der Problematik bewusst und wissen um das sensible Thema. Die Verantwortlichen kämpfen um den Friedhof, aber es wird zunehmend schwierig.“

Friedhof im MK: Eigentümer ist der Friedhofsverband

Zum Hintergrund: Gehörte der Friedhof eigentlich der Evangelischen Kirchengemeinde, wurde er im Jahr 2002 durch den Evangelischen Friedhofsverband übernommen. „Schon damals befand sich der Friedhof in einem schwierigen finanziellen Zustand“, erläutert Willnat weiter, denn: „Damals gab es noch zwischen 30 und 40 Bestattungen im Jahr – und 40 sind auch notwendig, um einen Friedhof bewirtschaften zu können.“ Seitdem seien die Zahlen jedoch weiter zurückgegangen: „Im Durchschnitt haben wir heute weniger als zehn Beerdigungen im Jahr.“ Da die Friedhöfe gebührenfinanziert seien und dafür keine Kirchensteuern verwendet würden, fehlten schlichtweg die Mittel.

Nichtsdestotrotz seien seit der Übernahme durch den Evangelischen Friedhofsverband viele Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität des Friedhofs ergriffen worden. In einigen Bereichen seien das Wegesystem sowie die Treppenaufgänge und Geländer erneuert worden, zudem der Pflanzenschnitt und die Pflege ausgebaut und intensiviert worden, heißt es auf der Homepage des Friedhofsverbandes. Und Willnat ergänzt: „Seit der Übernahme wurden 230 000 Euro in den Friedhof investiert, aber das ist natürlich ein kontinuierlicher Prozess, mit dem man nicht alles abdecken kann.“

Denn: Der Friedhof mit seinen 19 165 Quadratmetern liegt an einem Südhang – und zudem auf schwierigem Gelände. Erdwanderungen und ein Wasserschaden waren bereits die Folge. Hinzu komme, dass vieles nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erfordere. „Der Friedhof ist eine große Herausforderung, aber wir kämpfen um ihn und möchten das Angebot erhalten“, betont Willnat.

Friedhof im MK: Rückbau der Randbereiche

Und so suche man nach Möglichkeiten, die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Friedhof wieder zu erhöhen und zu prüfen, was – nicht zuletzt auch finanziell – machbar wäre. Weil die Fläche zu groß für zu wenige Bestattungen sei, habe man zum Beispiel damit begonnen, die Randbereiche – unter Einhaltung der Liegezeiten – rückzubauen und zu renaturieren. Damit würde man sich auf Dauer auf einen zentralen Bereich des Friedhofs konzentrieren.

Denn fest steht: Wenn sich an den rückläufigen Bestattungszahlen nichts ändere, werde es in Zukunft zunehmend schwierig, den Friedhof auf lange Sicht zu betreiben. „Derzeit tun wir aber alles, was möglich ist, um dafür zu sorgen, dass es sich für die Menschen wieder lohnt, den Friedhof zu entdecken.“

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