Resignation bei den Eltern

Aus für Friedensschule: 120 Schüler sollen nach Altena wechseln

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Womöglich ab nächsten Sommer verwaist: die Lüdenscheider Friedensschule an der Freiherr-vom-Stein-Straße.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Friedensschule steht als Förderschulstandort vor dem Aus. Das war die zentrale Botschaft bei einer Versammlung, in deren Zuge Vertreter von Stadt und Kreis die Elternschaft der Lehrstätte über die angepeilte Neuordnung der Förderschullandschaft im Einzugsbereich der sogenannten Lenneschiene und des Südkreises informierten.

Auf die derzeit rund 120 Bergstädter Friedensschüler käme damit ein gravierender Einschnitt zu: Sie müssten künftig zur Förderschule nach Altena-Rahmede fahren und sich so in einem neuen Umfeld orientieren. Greifen soll die Umstrukturierung mit Beginn des neuen Schuljahres im Sommer 2018.

Auf dieses Szenarium reagierten die Eltern bei der Versammlung mit Zorn, Unverständnis und Resignation. Das Ende der Friedensschule können sie nicht verstehen – und konfrontierten Iris Beckmann-Klatt und Michael Wärtsch mit bohrenden Fragen und Anwürfen. Beckmann-Klatt und Wärtsch vom Fachbereich Jugend und Bildung der Kreisverwaltung stellten das neue Konzept an diesen Abend vor.

Eine Mutter fasste die allgemeine Gemütslage der Eltern dabei so zusammen: „Lernbehinderte Kinder haben keine Lobby.“ Widerstand der Elternschaft gegen die Verwaltungsmacht hält die Frau aber wohl für wenig aussichtsreich: „Wir sind kleine Leute, wir machen nichts gegen Sie.“

Zur Erhellung des Geschehens: Trotz des erklärten politischen Willens, lernbehinderte Kinder fortan verstärkt an Regelschulen zu unterrichten, sind die Anmeldezahlen für Förderschulen in der jüngeren Vergangenheit wieder gestiegen. Ob das ein dauerhafter Trend ist, gilt als unklar. Auf jeden Fall sah die Kreisverwaltung Handlungsbedarf – und machte sich an die Ausarbeitung eines der Nachfrage angepassten Förderschul-Konzepts. Nach längerem Hickhack und teils wieder verworfenen Planungen sieht das nun grob so aus:

Die in Lüdenscheid-Gevelndorf angesiedelte Mosaikschule bleibt erhalten und hätte künftig als Verbundschule zwei weitere Teilstandorte: in Meinerzhagen und eben in Altena-Rahmede. Das dort am Nüggelnstück vorgesehene Gebäude – dahin sollen die Lüdenscheider Friedensschüler ab Mitte 2018 wechseln – bedarf noch einer Herrichtung. Zwischen Lenne und Volme würde es damit also drei Förderschulstandorte mit verschiedenen Förderschwerpunkten geben – alles in Trägerschaft des Märkischen Kreis.

Die Friedensschule – in Trägerschaft der Stadt und mit Niederlassung in Plettenberg – spielte in der Strategie der Kreisverwaltung zuletzt keine Rolle mehr. Für sie naht damit das Ende. Anders als ursprünglich gedacht. Dazu Matthias Reuver, bei der Lüdenscheider Stadtverwaltung Leiter des Fachbereichs Jugend, Bildung und Sport: „Wir hätten den Standort gerne erhalten und sind bis vor wenigen Wochen auch davon ausgegangen, dass die Friedensschule bleibt.“

Doch die Kreisverwaltung argumentierte gegen den Weiterbetrieb: Zu klein sei die Friedensschule für einen der drei Förderschulstandorte. Zudem wären die Sanierungskosten mit rund 2,9 Millionen Euro zu hoch. An diese Summe glauben die Eltern – sie wünschen sich Kontinuität für ihre Kinder und fordern deshalb den Erhalt der Friedensschule – indes nicht. Die Worte eines Vaters: „Wollen Sie hier goldene Wasserhähne einbauen?“

Über das Konzept der Kreisverwaltung entscheiden am 19. Oktober die Politiker des Kreistages.

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