Comedy aus dem Internet

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Friedemann Weise eröffnete die Lüdenscheider Kleinkunsttage.

Lüdenscheid -  Das eine oder andere blieb am Donnerstagabend bei der Eröffnung der Lüdenscheider Kleinkunsttage im Dunkeln. Zum Beispiel, ob sich in der Wasserflasche auf der Bühne tatsächlich alkoholfreies Wasser befand. Oder auch, warum der Abend „Der große Kleinkunstschwindel“ hieß. Friedemann Weise eröffnete den Reigen der Bewerber um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“.

Wer Spaß an Helge Schneider hätte, würde ihn mögen, und allen anderen hätten Pech, moderierte Kulturhausleiter Stefan Weippert den Auftakt der Kleinkunsttage augenzwinkernd an. Wie in jedem Jahr erklärte er zunächst die Regeln, denn immerhin hat das Publikum auch bei den 37. Kleinkunsttagen zu entscheiden, wer am Ende die Trophäe mit nach Hause nimmt. Aufbau und Konzeption, Aussage, Ausführung und Gesamteindruck gilt es per Stimmkarte zu bewerten.

Ein Konzept zu finden, gestaltete sich anschließend schwierig. Friedemann Weise ist nicht das, was man gemeinhin unter einem Kabarettisten versteht. Eher eine neue Spezies, ein Internet-Comedian, der Bilder mit ausgetauschten Köpfen oder Sprechblasen hinterlegt. Der gebürtige Gummersbacher, Liedermacher und Satiriker aus Köln ist weniger auf Bühnen, dafür aber umso mehr im Internet präsent. Einen seiner größten Erfolge landete er mit einem Bild, das Präsident Obama bei einem Berlin-Besuch zeigt, wie er vor einem kleinen Mädchen steht. Zwei Sprechblasen zieren das Bild. In die des Mädchens hat Weise geschrieben: „Mein Vater sagt, Sie können in meinen Computer gucken.“ Und Obama antwortet via Sprechblase: „Das ist nicht dein Vater.“ So nahm denn auch die Projektion solcher Bilder einen breiten Raum des Programms „Der große Kleinkunstschwindel“ ein, bei dem man vom Comedian nur die Hand am Laptop sah.

Lieder mit einfachen Reimen und aneinandergereihte Witze („Ich sitz neben meiner Freundin auf der Couch und habe Angst, dass sie Manuel Neuer ist“ oder „In einem Hotel in Bremen hab ich meinen ersten Porno gesehen – Gott, sah ich da noch jung aus“) machten den Rest Programms aus. Immerhin: Weise wusste, dass er in einer Garderobenhalle spielte, hat nach eigenem Bekunden seinen Beruf als Komiker im Ausschlussverfahren gefunden, wollte eigentlich Busfahrer werden, wetterte lyrisch gegen Heimwerker („Du sollst nicht stricken, dafür gibt es doch Fabriken“) und stellte Fragen in den Raum wie „Was ist der Plural von Mehrzahl“ oder „Sind Pflaster in Afrika auch hautfarben?“ Immer mal wieder nahm der Kölner Bezug auf die Stimmkarten in den Händen des Publikums und wusste auch so manchen Spruch in Richtung Sparkasse zu machen, Hauptsponsor der Kleinkunsttage.

Ob ihm damit der Sieg beschert wird, bleibt abzuwarten. Am Sonntagabend folgt der Comedian Tim Boltz mit seinem Programm „Rüden haben kurze Beine“. In seiner Leseshow unternimmt Boltz einen Erklärungsversuch, warum Männer schlechte Lügner sind und Frauen daran Schuld haben.

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