Frieda Brauns Welt ist eine ganz besondere

Frieda Braun in Aktion

Lüdenscheid - Gleich mit ihrem ersten Schritt auf die Bühne gelang Frieda Braun am Freitagabend große Kunst. Binnen Sekunden musste das Publikum im Kulturhaus losprusten – und legte dabei kaum mehr eine Pause ein. Wie funktioniert es, so urkomisch zu sein? Diese Frau aus Winterberg liefert die Antwort.

Unvorhersehbare Momente können einen Künstler aus dem Konzept bringen. Bei Frieda Braun streikte bereits nach wenigen Minuten das Mikrophon. Da erzählte sie, es sei aus der Fernbedienung fürs Garagentor gebastelt worden. Sie bewegte den Kopf hin und her; testete, wie das von ihr genannte „Mikroskop“ reagierte. Man hörte sie und hörte sie nicht. „Haltet mal eben die Spannung“, sagte sie und verschwand kurz. Manche Gäste vermuteten, die eigentliche Panne gehöre zur Show. Aber Kabarettistin Karin Berkenkopf hatte einfach genial improvisiert.

Neu verkabelt begann schließlich ein mehr als zweieinhalbstündiger Auftritt. Frieda Braun berichtete von Merkwürdigkeiten in Königshäusern und hatte Mitleid für Englands ewigen Thronfolger. „Was meinste, was der Charles mit Neid auf unser Schützenwesen guckt. Wie schnell wirst du hier König. Einen hölzernen Vogel abzuschießen ist ja auch viel einfacher, als die eigene Mutter aus dem Weg zu räumen.“ Der Großteil galt jedoch den Geschichten aus Friedas Welt. Da erfuhren die 330 Gäste von ihrem Freundeskreis, der ein spezielles Kursprogramm mit eigenartigen Angeboten entwickelt hat. Sie selbst mache nur Werbung dafür, „damit auch mal Leute kommen, die hinter dem Ortsschild wohnen. Zum Beispiel aus Lüdenscheid.“ Vor einer Anmeldung empfahl sie aber, eine Nacht darüber zu schlafen. „Du musst ja heutzutage – besonders als Frau – überlegen: Wie viel Bildung verträgt meine Partnerschaft? Früher haben die Ehen so lange gehalten, bis alle tot waren. Und warum? Weil die Frau so ungebildet war. Deswegen hat sie gar nicht gemerkt, dass der Mann dümmer war als sie.“

Es ist kein Geheimnis, dass Witze erst dann effektiv sind, wenn das Timing stimmt. Karin Berkenkopf alias Frieda Braun bewies nicht nur in dieser Kategorie Meisterleistungen. Jede Erzählung stattete sie mit unnachahmlicher Gesichtsakrobatik aus. Etwa, als sie von der wirkungsvollen Methode einer Freundin berichtete, die eines Tages aus heiterem Himmel sagte: „Frieda, du bist schön.“ Selber nachgesprochen öffne einem dieser Satz die Augen – besonders vor dem Spiegel. „Ich hab’s mal probiert. Im Nachthemd geht’s gar nicht.“

Überhaupt habe sich doch vieles verändert, der Körper reagiere nach dem Schlafen empfindlicher, im Gesicht zeichne sich über Stunden das Kopfkissen ab. „Früher hat man das anders gemeint, wenn jemand sagte: Die Nacht hat Eindruck hinterlassen.“ Darüber hinaus gab sie einen Geschenke-Tipp: „Weihnachten steht ja vor der Tür. Wenn du jemanden beschenken musst, den du nicht leiden kannst: Schenk Frottee-Bettwäsche.“

Als Frieda Braun bei voller Beleuchtung nach Männern im Publikum suchte, wählte sie Gerhard, Thomas und Martin für einen Plausch aus. Letzterer wurde zum berühmtesten Gast des Abends, als Frieda mit ihm die „Du bist schön“-Methode einübte. „Martin, du bist in dieser schweren Stunde nicht alleine.“ Komplimente seien an einen selbst und gegenüber anderen ratsam, „um das Zwischenmenschliche aufzulockern“.

Frieda Braun bringt Ereignisse auf den Punkt und weckt Erinnerung an Relikte wie beispielsweise das grüne Telefon, passend zur Einrichtung „Eiche brutal“. Die hätten einen damals ja an den Standort gefesselt – gefährlich für das aus dem Blick geratene Essen auf dem Herd.

Die Anekdoten der Frieda Braun zu erzählen, ist kompliziert. Wohl niemandem dürfte es gelingen, eine Situation genauso nachzuahmen. Frieda Braun muss man einfach gesehen haben. Wenn nicht am vergangenen Freitag, dann vielleicht beim nächsten Mal.

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