Als die Buchstaben noch aus Blei waren

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Gemeinsam mit den Schriftsetzern suchten die Bücherei-Freunde Exponate für die Ausstellung aus.

Lüdenscheid – „Bewegliche Lettern – Geschichte und Bedeutung des Bleisatzes und des Bleidrucks“ – so wird im kommenden Vorfrühling eine Ausstellung in der Stadtbücherei heißen. Initiatoren sind die Freunde der Stadtbücherei.

Rolf Scholten und Bernd Sondermann von den Freunden sichteten bei Ernst Groß die zur Ausstellung passenden Exponate. Groß war rund 40 Jahre lang ausgebildeter Schriftsetzer für die Lüdenscheider Nachrichten und arbeitete für die Firma Staats.

Die LN wurden damals im Erdgeschoss des alten Gebäudes der Lüdenscheider Nachrichten an der Schillerstraße 20 auf einer großen Rotationspresse gedruckt. Auch sein Kollege Jürgen Hölscher, der ebenfalls vier Jahrzehnte lang als Schriftsetzer für den gleichen Arbeitgeber tätig war, kam dazu, als sich die Stadtbücherei-Freunde über Blei- und Fotosatz informierten. „Als die Umsetzung von Bleisatz auf Fotosatz durchgeführt wurde, haben wir gefragt, ob wir uns einige ‘Andenken’ mitnehmen könnten“, erklärte Ernst Groß. Somit sicherten sich die beiden zahlreiche Druckstöcke und Klischees aus Blei sowie Setzkästen, Bleilettern und vieles andere mehr und retteten sie so vor der sicheren Verschrottung.

Als besondere Attraktion verfügen die beiden unter anderem über die letzte in Blei gesetzte Lokalseite der Lüdenscheider Nachrichten, die am Montag, 14. Mai 1979, gedruckt wurde. Nun suchten Groß und Hölscher dringend nach Möglichkeiten, diese Bestandteile einer unglaublich aufwändigen Drucktechnik für die Nachwelt zu erhalten und um auch jüngeren Menschen zu zeigen, wie arbeitsintensiv früher der tagtägliche Druck einer Zeitung war.

Somit freuten sich die beiden Herren ganz besonders, im Verein der Freunde der Stadtbücherei und Büchereileiterin Dagmar Plümer Interessenten für eine Ausstellung ihrer gesammelten Bleidruck-Raritäten gefunden zu haben. Rolf Scholten und Bernd Sondermann trafen gemeinsam mit Ernst Groß und Jürgen Hölscher eine Auswahl für die Ausstellung. Sondermann steuert zusätzlich aus seinem Besitz noch Faksimileausgaben alter Bücher und Drucke bei und ergänzt somit die geplante Präsentation noch um einige wichtige Aspekte.

Im Anschluss an die mehrwöchige Ausstellung in Lüdenscheid werden die Exponate nach Hagen ins Freilichtmuseum gebracht, wo sie dauerhaft bleiben und für die Nachwelt erhalten werden sollen. „Es war uns beiden besonders wichtig, dass diese Überbleibsel einer alten Drucktechnik nicht nach so langer Zeit doch noch unter die Räder kommen, sondern an einem würdigen Ort bleiben können“, betont Ernst Groß. In Lüdenscheid fanden die beiden keinen dauerhaften Interessenten für ihr Konvolut.

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